Zeitlos in Köln

Alter Schwede!

Es gibt Gruppen, die einen mit ihrer Musik ein Leben lang begleiten. Zum 30jährigen Bühnenjubiläum geht anno 2015 das schwedische Pop/Rock-Duo Roxette auf Europatournee, im Gepäck ein Best-of ihrer zahlreichen Hits.

Roxette ist eine der ersten Gruppen, die ich musikalisch wahrgenommen hatte, so gehören die Alben “Joyride” und “Tourism” zu den ersten Alben, die ich auf dem neuen Medium “CD” hatte. Davor kann ich mich erinnern, mir im Schulbus die Kopfhörer des Walkmans mit meiner Freundin zu teilen, und “Tourism” auf dem Weg zur Schule zu hören. Auch die Alben der späteren Jahre wanderten meist am Veröffentlichungstag direkt in mein CD Regal. Roxette haben auf ihren Studioalben zeitlose Musik produziert, die einem nie leid wird, und die man immer wieder hören kann. Spätestens im Refrain zeigt sich die Eingängigkeit von Roxette-Kompositionen.

Schon interessant, dass die Band schon so lange Teil unserer Leben war, wir sie in all den Jahren jedoch nie live gesehen haben. Diese Lücke galt es an einem Mittwochabend im Juni in der Lanxess Arena in Köln zu schließen. Auch wenn sie in letzter Zeit nicht mehr so im Fokus der Aufmerksamkeit standen: Anhänger haben Roxette nach wie vor eine Menge. Überrascht stellten wir fest, dass bereits 3 Stunden vor Einlass eine stattliche Anzahl an Fans vor den Türen ausharrten. Jeder einzelne von ihnen hat seine eigene Geschichte mit der Band und es war interessant, mit einigen zu sprechen. Unser langes Ausharren vor der Halle wurde letztendlich mit der 1. und 2. Reihe belohnt – und die Plätze waren hart umkämpft, muss an dieser Stelle einmal gesagt werden.

Eröffnet wurde der Konzertabend mit einem Auftritt der ebenfalls schwedischen Formation Eskobar. Daniel Bellqvist & Frederik Zäll gründeten die Band 1996 und können bereits auf einige Alben, sowie Tourerfahrung zurückblicken. Am Schlagzeug wurden sie von Jocke Brunnberg unterstützt. Die teilweise sehr ruhigen Stücke erinnerten stellenweise an A-ha und auch vom Gesang her kann es insbesondere bei den sehr hohen Tönen Sänger Daniel durchaus mit Morten Harket aufnehmen. Sympathischer Auftritt und ein schöner Auftakt in den Abend.

Die Spannung stieg anschließend vor der Bühne als selbige für den Hauptact umgebaut wurde. Die Lichter erloschen um kurz nach 21 Uhr und eine zierliche Gestalt, ganz gekleidet in Weiß, wurde auf die Bühne zu einem Stuhl geführt. Sängerin Marie Fredriksson hat zur Zeit sehr mit den Nachwirkungen ihrer schweren Erkrankung zu kämpfen und absolvierte bislang alle Konzerte der Europatournee im Sitzen. Dafür war der Rest der Band umso agiler und startete rockig mit “Sleeping in my Car”. Sofort ging der gesamte Innenraum mit und feierte die Musiker von der ersten Note an. Per Gessle, die anscheinend kaum zu altern scheint, übernahm die Moderationen und Publikumsansagen und stand fast keine Sekunde still. Weiter ging es im von Per angekündigten Best-of Programm mit einem weiteren großen Hit: “The big L.”

Das Hitfeuerwerk setzte sich auch danach fort. Gut die Hälfte der Songs in der Setlist stammten von den Alben “Look Sharp” und “Joyride”, wohl die größten Erfolge der Schweden. Das einzige neuere Stück war “She’s got nothing on (but the Radio)”. “Spending my time” sorgte für den ersten ruhigen, emotionalen Moment. Nicht nur ist das Lied eine wunderschöne Ballade, wenn die zierliche Person auf dem Stuhl mit nach wie vor kräftiger Stimme die Zeile “I thank the Lord above that you’re not here to see me in this shape I’m in” sang, kamen einem dann doch die Tränen. Gänsehaut auch, als die gesamte Halle den Refrain alleine anstimmte.
Bei “Crash! Boom! Bang!” teilten sich Per und Marie die Strophen. Untermalt wurden die einzelnen Stücke durch stimmungsvolle Hintergründe auf riesigen jalousieähnlichen Wänden (quasi schwedischen Gardinen) und passende Lichteffekte.

Per suchte immer wieder die Nähe seiner musikalischen Partnerin und sein Lächeln schien des öfteren Freude darüber auszudrücken, dass Marie immer noch auf der Bühne sein kann. Wirkte Marie am Anfang noch etwas unsicher, taute sie im Laufe des Konzerts immer mehr auf und jeder der Mitmusiker agierte mindestens einmal gemeinsam mit ihr. Zeitweise hatte man das Gefühl, dass sie mehr aus sich herausgehen wollte, aber der Körper nicht dabei mitspielte.

Christopher Lundquist (Gitarre) und Magnus Börjeson (Bass) nutzten die gesamte Breite der Bühne, um hin und her zu laufen und das Publikum anzufeuern. Auch Backgroundsängerin Dea Norberg strahlte die ganze Zeit und schien eine Art Souffleuse für Marie zu sein, die öfters fragend zu ihr herüberzuschaute, ob der Text auch richtig war. Einzig Schlagzeuger Pelle Alsing trommelte mit einem einzigen Gesichtsausdruck den Abend vor sich hin, als sei er nur mal kurz zum Trommeln vorbeigekommen.

Im ruhigsten Teil des Konzerts, bei “Watercolours in the Rain/Paint”, welches Marie alleine unter der Begleitung von Dea am Keyboard bestritt, konnte sie beweisen, dass ihre Stimme nach wie vor facettenreich und kräftig ist, wenn sie auch nicht mehr so mühelos die ganz hohen Töne erreicht. Bei “How do you do” war der Knoten in der Lanxess Arena vollständig geplatzt, denn auch auf den Rängen gab es mittlerweile niemanden, der noch auf seinem Platz saß. “It must have been love” wurde ebenso gefeiert wie Christopher Lundquists musikalisches Cover von “Viva Colonia”. “Joyride” beendete schließlich unter farbenfrohem Luftballonhüpfen den offiziellen Teil. Als Zugabe gab es dann noch “Listen to your heart” und “The Look”, bei denen alle Beteiligten nochmal richtig aufdrehten.

Auch wenn Marie stark beeinträchtigt war, war es ein großartiger Konzertabend. Jeder Song von Roxette ist mit einer Erinnerung behaftet, die Band zeigte eine unbändige Spielfreude und nach wie vor besteht ein starkes Band zwischen Marie und Per. Es fällt zudem auf, dass Roxette vor allem in den späten 80er und 90er Jahren eine wahre Hitmaschine waren und wunderbare Popmusik geschrieben haben, die auch live zu überzeugen weiß.
Ich wünsche Marie weiterhin eine stabile Gesundheit, damit sie auch in Zukunft noch touren kann, vielleicht sogar wieder auf den eigenen Beinen.

Tack Så Mycket, Roxette & Band!

ROXpix

 

 

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Eroberer aus dem Weltall

Ace Frehley on Lead Guitar

Zwei Wochen nachdem wir KISS in der Hansestadt erleben durften, rief uns der Dritte der vier Originalmitgliederzu sich. Denn Ace Frehley war mit seiner Band und guten Songs im Gepäck in Bochum gelandet, um den Erdlingen eine gehörige Portion Rock um die Nase zu hauen. Genau wie Gene und Paul bewies auch der Space-Ace himself, daß Rock eine Frage der Einstellung und keine des Alters ist.

Der Star des Abends ließ die Zuschauer lange warten. Die Bühne ist nach der Vorband schon eine gefühlte Ewigkeit umgebaut, aber die Band schien den Weg dahin nicht zu finden. Eine gute Stunde dauerte es, bis “Fractured Mirror”, das instrumentale Schlusslied von Ace’s erstem Soloalbum, aus den Boxen ertönte und den Abend eröffnete.

Die Musiker nahmen Stellung und sobald Ace unter aufbrausendem Jubel auf der Bühne erschienen war, wurde mit “Rocket Ride” losgerockt. Sofort war das lange Warten vergessen. Es folgten zwei Titel von seinem letzten Album. Die Begeisterung im Publikum ließ auch bei den neuen Liedern nicht nach, was man manchmal bei Künstlern, die schon so lange die Bühnen auf der ganzen Welt unsicher machen, beobachten kann. Natürlich wurden Lieder von Ace’s ehemaliger Band, von denen zwei im Anschluß gespielt wurden, lauter abgefeiert. Kein Wunder, denn schaute man sich in der sehr gut gefüllten Zeche um, konnte man die Menschen ohne KISS-Shirt an einer Hand abzählen.

Bei “Love Gun” übernahm Scot Coogan das erste Mal am Abend den Gesang. Ansonsten trommelte er wie ein wildes Tier, zog Grimassen und erinnert mich ab und zu an Zed aus “Police Academy”. :-) Zusammen mit Chris Wyse am Bass lieferte er den ganzen Abend die solide Basis, auf der sich Ace und Richie mit ihren Gitarren austoben konnten.

Danach durfte Richie Scarlet “Breakout”, einem Lied von Ace’ Band “Frehleys Comet” aus den Achtzigern, zum Besten geben. Richie gehörte damals zur Band und Ace hat seinen ehemaligen Mitstreiter letztes Jahr wieder an Bord geholt. Obwohl er wahrscheinlich im gleichen Alter ist, schien er eine unbändige Energie zu haben. Richie war ständig in Bewegung, mal rechts, mal links poste mit der Gitarre, was das Zeug hielt und feuerte die Fans das ganze Konzert über an. Der Duracell-Hase wäre neidisch geworden. Auch an Richie konnte man sehen; Rock ist eine Lebenseinstellung die jung hält. Zu meiner freudigen Überraschung hat er dann später noch bei “2 young 2 die” das Mikro übernommen. Meinem Lieblingslied vom 89’er “Trouble walkin'”-Album. Ich hätte nicht gedacht, das Lied mal live erleben zu dürfen.

Ace schien gut drauf und die Kommunikation mit dem Publikum durch die Lieder und ein paar Ansagen sichtlich zu genießen. Er bewegte sich, auf seine manchmal etwas behäbige Art, den ganzen Abend über die Bühne um seinen Fans nahe zu sein und poste mit seinen Mitmusikern was das Zeug hielt. Wer nicht geglaubt hat, dem sei versichert “Ace is back and he showed you so”. ;-)
Chris Wyse bekam bei dem schwer groovenden “Strange Ways” die Möglichkeit, sein Gesangstalent unter Beweis zu stellen. Ironischerweise setzt Ace damit das Prinzip um, das hinter KISS stand: vier gleichberechtigten Musiker, von denen jeder singen sollte.  Während auf der aktuellen KISS Tour davon nicht mehr viel zu sehen ist, zeigte der neue Komet wie es geht. Auch wenn Ace der Star ist, vermitteln die anderen Musiker nicht den Eindruck, nur die Backingband zu sein. Schaute man sich die Ace Frehley Band an, lag die Betonung wirklich auf Band. Zumindest auf der Bühne schienen alle gleichberechtigt und vor allem gut eingespielt zu sein. Und Spaß an ihrer Arbeit zu haben. Während eines Solos von Richie bewarf Ace ihn mit Picks und lachte sich selber darüber kaputt. Die gute Laune übertrug sich unmittelbar auf die Anwesenden im Saal.

An dem Abend wurde bewiesen, daß gute Rocksongs kein großes Brimborium benötigen. Trotzdem dürfen zwei kleine Showeinlagen beim Spaceman nicht fehlen. Bei “New York Groove” spielte er die Gitarre, die im Rhythmus leuchtet und bei “Shock me” die Gitarre mit dem Loch. ;-) Wenn Ace beim Solo alleine auf der Bühne steht, fängt die Gitarre an zu leuchten und qualmen. So gehört es sich seit 1977 und so war es auch 2015 in Bochum zu sehen. Ace lief von rechts nach links über die Bühne, zog eine Qualmwolke hinter sich her und gab den Fans in der ersten Reihe die Möglichkeit, die Gitarre zu berühren. Die Zeit scheint still zu stehen, wenn er die Saiten zum glühen bringt. Dann steht da kein älterer Herr mit Sonnenbrille, dann steht da der Gitarrengott vom Planeten Jendell. :-)

“Rip it out” beendete das Konzert und die Band verließ unter verdient tosendem Applaus die Bühne. Richie Scarlet, der am Bühnenrand stand, lugte immer wieder um die Ecke um zu sehen, wann die Zeit für die Zugaben gekommen war. Zum Glück ließen diese nicht so lange auf sich warten, wie der Beginn des Gigs. Bei den zwei KISS-Liedern, die dann folgten gab es kein Halten mehr.  Die Fans jubelten und feierten, da bin ich mir sicher, die ganze Band ab. Denn die vier spielfreudigen Musiker haben die Ohren und Herzen der Fans mit ihrem druckvollen und rohem Sound wahrlich erobert. Nur schade, daß Kometen sich nicht so häufig sehen lassen.

Photo Invaders

 

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Synästhetik in Oberhausen

Es gibt nur einen Gott: JustusPeterBob

Nach zwei randvoll gefüllten Tagen in Hamburg hieß es am Donnerstag schon wieder den Heimweg antreten. Allerdings nicht auf direktem Weg, denn wir konnten uns einen Abstecher nach Oberhausen nicht verkneifen. Dort würden nämlich am Abend drei liebgewonnene Satzzeichen auf der großen Bühne der König-Pilsener Arena einen kniffligen Fall lösen.
Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die 3 Fragezeichen, gingen dieses Jahr erneut auf große Tour, die sie auch dieses Mal nur in die größten Hallen der Republik führte. Bei freier Platzwahl in einem Saal, der 13.000 Menschen faßt, ist frühes Anstehen am Austragungsort angebracht. Dank schönem Wetter und angenehmer Gesprächspartner verging die Wartezeit jedoch wie im Flug und als sich pünktlich um 18 Uhr die Türen öffneten, waren noch Plätze in der ersten Reihe frei.

Zu beobachten, wie sich die riesige Halle hinter einem, langsam mit Menschen bis auf den letzten Platz füllt, läßt einen immer wieder sprachlos zurück. Schließlich hat man es hier nicht mit Rockgrößen à la KISS oder Metallica zu tun, sondern mit Hörspielsprechern. Normalerweise lauscht man ihnen alleine oder zu zweit beim Einschlafen. Dies nun gemeinsam mit Tausenden anderen zu teilen, wirkt immer wieder surreal, aber man spürt bei jedem einzelnen die Sympathie für die Akteure.

Wie bei den anderen Live-Hörspielen, waren die Hauptpersonen zunächst nur akustisch präsent. Die drei Detektive fanden sich plötzlich versehentlich in einem Heißluftballon wieder, der auf einem abgelegenen Berg notlanden mußte. Danach erschienen Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck auch in Person auf der Bühne und ernteten den ersten donnernden Applaus des Abends. Man merkte ihnen die Freude über den Empfang sichtlich an. Die Geräusche wurden von Jörg Klinkenberg beigesteuert. Es war interessant zu beobachten, dass die Art und Dauer der Geräusche sich danach richtete, was der gerade Sprechende im Moment trieb. Als z.B. der japsende Justus Jonas nicht schnell genug zu seinen Partnern aufschließen konnte, wurde eben so lange das Geräusch des Laufens durch Kies gemacht (“Komm endlich mal an, du hast Text”).

Weiter ging es mit der Geschichte: Beim Umschauen in der Umgebung entdeckten sie ein mysteriöses Institut, zu dem sie nur Einlaß bekamen, da Peter Shaw anscheinend eine rare Gabe zu besitzen scheint: Die Eigenschaft, Töne als Farben wahrzunehmen. In dem Institut stießen sie auf ein Orchester von Synästhetikern, unter der Leitung des Japaners Yamada, die mit ihrer Musik andere Sinneseindrücke wie Farben oder Geschmack erzeugen können. Als sie dann auf Chloe (gesprochen von Tanja Fornaro) trafen, die ihre verschwundene Schwester im Institut suchte, ahnten die Detektive, dass nicht alles mit rechten Dingen zuging. Insbesondere Yamadas Gehilfin Kappelhoff (Traudel Sperber) schien nichts gutes im Schilde zu führen, so daß sich die drei Fragezeichen aus einer mißlichen Lage befreien mußten.
Insgesamt hat mich die Geschichte nicht so sehr in den Bann gezogen. Insbesondere das Ende kam sehr plötzlich und aprupt.

Da “Phonophobia” ein komplett neues Stück ist, welches nie “nur” ein Hörspiel war, sondern direkt für die Bühne geschrieben wurde, wird es durch optische Gimmicks unterstützt. Allein durch die Live-Musiker und den Aufbau der Bühne mit seinen gigantischen Paneelen, die unterschiedlich beleuchtet und gedreht werden konnten, hatte das Stück fast schon einen Theatercharakter. Eine feste Kamera mit Fischaugenobjektiv bot interessante und urkomische Gesichtsausdrücke der Fragezeichen und war eines der Highlights im ersten Teil. Trotz der etwas dünnen Geschichte war es ein Genuß, allen Agierenden auf der Bühne zuzusehen. Die Chemie stimmt einfach zwischen ihnen und läßt viel Raum für Improvisation und Scherze. Wir würden jederzeit wieder hingehen.


Da im Vorfeld das Fotografieren während der Show untersagt wurde, gibt es nur ein paar Bilder vom Schlußapplaus.

Diese Fotos schmecken nach Erdbeere

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Es geht rund

Moin Moin,

liebe Plueschfreunde. Ich bin Wuschel. Zwar bin ich relativ neu in der Plueschcommunity und wohne erst seit anderthalb Jahren mit den anderen zusammen, aber letzte Woche durfte ich auf meinen ersten großen Ausflug in die weite Welt. Murmel wollte nicht, weil die Fahrt nicht ans Meer ging und Sverry hatte einen Arzttermin, daher fiel die Wahl auf mich. Und deswegen darf ich jetzt ein paar Zeilen zu Karinsches Fotos schreiben. Hoffentlich gefällt’s Euch.

Nach der Ankunft habe ich den Rest des Tages in einem Hotelzimmer verbracht, weil ein Konzert auf dem Plan stand. Ich war aber gar nicht böse drum, denn die ganzen Eindrücke von der Fahrt nach Hamburg wollten auch verarbeitet werden, denn es sollten am folgenden Tag noch einige mehr werden. Relativ früh sind wir zu den Landungsbrücken und haben eine Rundfahrt auf einer echten Bärkasse gemacht. Ein paar Bedenken hatte ich, ob ich vielleicht seekrank würde, aber scheinbar war einer meiner Vorfahren ein Seebär. Mir hat das Geschaukel auf der Elbe nichts ausgemacht.

Die Fahrt führte erst durch die Speicherstadt und es war schon sehr eindrucksvoll, unten durch die Schlucht der hohen Häuser zu schippern. Timo, unser Kapitän hat locker und lustig einige Daten und Fakten zu den ganzen Gebäuden geliefert. Danach ging es an der Landungsbrücke vorbei in den Containerhafen. Was genauso beeindruckend war, neben den riesigen Schiffen herzufahren. Für mich als kleinen Bär wirken die Riesen ja noch um einiges größer. Und wie viele Container die geladen hatten war sehr beachtlich. Vielleicht bin ich auch mit so einem Container rüber gekommen und genau hier ausgeladen worden, aber daran kann ich mich leider nicht erinnern. Da war ich noch zu klein für.

Die Rundfahrt ging noch durch andere Becken und an verschiedenen Schiffen vorbei. Wir mussten sogar durch eine kleine Schleuse, bevor wir wieder am Ausgangspunkt ankamen. Am Ende hat mich Timo gesehen und als blinden Passagier enttarnt. Ich wurde im Rucksack auf die Bärkasse geschmuggelt, aber er hat nur gelacht und ich habe ihm für die netten Erläuterungen Geld in die Kapitänsmütze geschmissen. Meine erste Fahrt auf dem Wasser habe ich sehr genossen. Zwar habe ich nicht alles behalten, was der Kapitän erzählt hat, aber es war schon sehr schön.

Danach ging es direkt weiter, vom Wasser auf die Straße. Da wir alle vorher noch nie in Hamburg waren, wollten wir uns natürlich noch mehr von der Stadt anschauen und sind direkt in die nächste Rundfahrt. Zum Glück wurde mir von den vielen Rundfahrten nicht schwindelig. Während wir bei der ersten Fahrt auf der Elbe unterwegs waren, fuhr der Bus weitestgehend am zweiten großen Hamburger Fluß vorbei, der Alster. Hier hieß der Führer, der den Mitreisenden unterhaltsam Art alles erklärte, was es zu sehen gab, Willi. Zum Glück blieb der von ihm angedrohte Test am Ende der Fahrt aus, denn ich befürchte, ich hätte nicht alle Fragen beantworten können. Waren halt sehr viele Informationen und Eindrücke an dem Tag, für einen kleinen Bärenkopf.

Nachdem wir neunzig Minuten später wieder am Ausgangspunkt ausgestiegen waren, haben wir überlegt, was wir genauer unter die Lupe nehmen wollten. Ich habe den Michel vorgeschlagen, denn von dort sollte man einen Blick über die ganze Stadt haben. Zum Glück war die Kirche nicht weit von unserem Standpunkt entfernt und meine beiden Mitreisenden waren einverstanden. Aber nur, weil ein Lift bis zur Aussichtsplattform fuhr. Es war unglaublich windig dort oben. Zum Glück verhinderten Gitter, daß große Besucher oder kleine Bären vom Turm geweht wurden. Den Ausblick verhinderten die Gitter logischerweise nicht und der war wirklich atemberaubend. Wie groß so eine Großstadt ist, sieht man erst von oben.

Danach haben wir mit einem Eiskaffee eine Rast an der Alster gemacht. Viele Schwäne und Enten waren ebenfalls vor Ort, um sich einfach treiben zu lassen. Nachdem der Kaffee alle und die Kräfte wieder zurückgekehrt waren, ging es zurück zu den Landungsbrücken, unserem zentralen Punkt des Tages. Dort haben wir uns ein gemütliches Restaurant gesucht und den Tag lecker ausklingen lassen. Mit Blick auf die Elbe versteht sich. Ich glaube, ich verstehe jetzt, warum Murmel so gerne an die See fährt. Irgendwas Beruhigendes hat es, auf’s Wasser zu schauen. Es war ein sehr erlebnisreicher Tag und eine tolle, wenn auch nur kurze Fahrt. Aber weil mir die Hafenrundfahrt so gut gefallen hat, darf ich nächsten Monat auf die nächste. Ich freue mich schon.

Elbgalerie

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Warten auf’s KISS-Kind

Creatures of the Innenraum

Immer wenn wir auf unserer Fahrt an die Nordsee durch Hamburg gekommen sind, haben wir uns vorgenommen, die Stadt bei Gelegenheit genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei dem Gedanken ist es geblieben. Da müssen erst vier Amerikaner in die Hansestadt kommen und dort ihr vierzigjähriges Jubiläum feiern, damit wir unser Vorhaben endlich umsetzen. So haben wir am Dienstag unsere sieben Sachen gepackt und uns auf den Weg in den Norden gemacht.

Bei KISS stellt sich die Frage, ob Sitz- oder Stehplatz gar nicht, denn die Antwort kann nur Innenraum lauten. Wir stellten uns dementsprechend früh vor der O2 World in Hamburg an und waren erwartungsgemäß nicht die Ersten. Trotzdem reichte es für einen Platz in der zweiten Reihe, leicht links, direkt vor unser aller Lieblingsdemon. (Auch wenn er im Alter etwas von seiner Bedrohlichkeit verloren hat und eher an Opa Munster erinnert. ;-)) Wenn nach der Vorband der Vorhang mit riesigem Logo die weiteren Auf- und Umbauten auf der Bühne verdeckt, stellt sich die erste leichte Aufregung ein. Ich kann nicht erklären warum, aber alleine das über die jahrzehnte liebgewonnene Logo in dieser Größe vor sich zu sehen ist schon etwas Besonderes. Wie Weihnachten, wenn man vor der Tür steht und darauf wartet, daß der Weg zum Weihnachtsbaum und den Geschenken freigegeben wird. :-)

Als das Hallenlicht ausging und der Vorhang nach dem traditionellem Intro: „Alright Hamburg. You wanted the Best and you got the Best. The hottest Band in the World: KISS!” unter lauten Explosionen zu Boden fiel, sind die Strapazen des Tages vergessen. Auf der aktuellen Tour kamen KISS nicht auf kleinen Hebebühnen von der Hallendecke runter, sondern sie standen direkt hinter dem Vorhang und konnten sofort losrocken. Lediglich Eric Singer schwebte auf seinem erhobenen Schlagzeugpodest ein. In Hamburg gab es kein Halten mehr, als die Band das Konzert mit zwei Klassikern aus ihrem Repertoire begann. Beim dritten Lied, eigentlich DER Opener für ein Konzert, wurden die Stimmen um uns herum nochmal lauter. Ich war sehr überrascht, denn “Psycho Circus” ist “nur” 17 Jahre alt und mir war nicht bewußt, daß es so einen hohen Stellenwert hat. Für mich schon, denn wie gesagt, ist das Lied mit der Zeile “Welcome to the Show”, wie kein weiteres prädestiniert, eine Show zu beginnen. Paul Stanley spielte mit den Fotografen im Graben und Gene Simmons das ganze Konzert über mit den ersten Reihen. Er poste was das Zeug hielt. Auch Tommy Thayer, der Jungspund im Bunde, poste mit seiner Gitarre und war ständig in Bewegung. Eric Singer hatte ein neues, durchsichtiges und beleuchtetes Schlagzeug. Auf seinem neuen Podest war er gut zu sehen.

Wir waren sehr gespannt auf die neue Bühne und etwas enttäuscht, als Gene im Voraus erzählte, sie würden die Spinnenbühne der letzten Monster-Tour nicht mitbringen. Die hätten wir gerne in Aktion erlebt. Hinter dem Schlagzeug waren vier riesige LED-Streifen, die bis zur Decke reichten und vier weitere, die daran anschlossen und über die Bühne gingen. Es sah etwas wie ein übergroßer Schuhkarton aus, erzeugte aber eine tolle Wirkung. Zumindest vorne. Wir wissen natürlich nicht, in wie weit der Effekt sich auf die Ränge überträgt. Wenn nur die Musiker groß im Hintergrund eingeblendet werden, empfinden wir so große LED-Wände als sehr ablenkend und waren daher skeptisch. KISS setzten die Wände aber dezenter und passender ein. Manchmal waren es nur simple Animationen, oder einfache Farbstrukturen, die direkt die Atmosphäre auf der Bühne änderten oder das Logo, daß über unseren Köpfen erschien. Besonders schön waren die eingeblendeten Aufnahmen der Bandgeschichte der letzten vierzig Jahre während „Do you love me“. Mir persönlich hat das Video bei „War Machine“ gefallen. Während des Stückes fliegt ein Drache über die Leinwand und speit Feuer. Immer dort, wo er hin spie, kamen die Flammen aus dem Boden. Denn Feuersäulen und –bälle gehören zu KISS wie Make-up, Gitarren und Plateauschuhen.

Der Drache trug nicht zufällig Gene’s Maske denn natürlich durfte ebenfalls der Demon himself während des Liedes zur Fackel greifen und Feuer spucken. So gehört es sich und so muß es sein. Genauso wie sein Solo nicht fehlen darf. Zwar gab es Probleme mit dem Bass und andere Geräusche wurden nicht passend eingespielt, aber daß hinderte ihn nicht daran, Blut zu spucken und zur Hallendecke zu fliegen. Egal wie oft wir das sehen, es wird nicht langweilig und bleibt eine coole Einlage. Besonders, wenn man so hautnah dran ist. Entgegen der letzten beiden Touren, sang Gene von der Plattform unter dem Hallendach wieder das „richtige“ Lied. Auf den letzten beiden Touren wurde „God of Thunder“ ersetzt, kehrte aber zum Jubiläum zurück in die Setlist.

Nach dem Donnergott folgte mit “Parasite” ein älteres Lied, über das ich mich sehr gefreut habe. Wobei die Setlist einige Überraschungen bot und Lieder aus jeder Dekade dabei waren. Besonders der „Creatures“-Block war super, gehören doch „I love it loud“ und „War Machine“ zu Gene’s besten Stücken. Das Titelstück hatten wir live noch gar nicht gehört. “Lick it up” dagegen schon. Neu war lediglich die Plattform, die Paul und Tommy bei dem Lied die Chance gab, sich die fast ausverkaufte Halle aus der Höhe anzuschauen. Das Schlagzeug erhob simultan dazu Richtung Hallendecke.

Nach “God of Thunder” durfte Paul wieder durch die Halle fliegen und auf einer kleinen Bühne im hinteren Bereich landen. Wenn er an seinem Stock hängt und quer über die Köpfe der Zuschauer gezogen wird ist es schon ein tolles Bild. Von dort spielte er „Love Gun“ und kehrte erst zum letzten Lied zurück auf die Hauptbühne. „Black Diamond“ beendet in der Regel immer den regulären Teil eines KISS Konzerts und es war das einzige Stück, bei dem Eric Singer den Gesang übernahm. Was bei der neuen Show schade ist. KISS präsentieren sich immer als vierköpfige Band, Tommy und Eric gehen bei der neuen, gestrafften Show und den verkürzten Solo-Einlagen allerdings etwas unter. Beiden hätte jeweils ein eigenes Lied im Scheinwerferlicht zugestanden. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau, denn die Halle feierte KISS die ganze Zeit über ab und forderten auch ohne Verzögerung ihre Zugabe ein, die die Band nur zu gerne gab. Alle vier kamen lachend zurück auf die Bühne um dem Publikum den Rest zu geben.

Zwar forderte Paul das Publikum auf, sich ein Lied zu wünschen, aber wie eigentlich alles bei KISS, ist auch das Show. Gespielt wurden nämlich die üblichen drei Lieder von der Setlist. Den Anfang machte „Shout it out loud“, gefolgt von „I was made vor lovin’ you“. Beides Lieder, die jeder in der Halle problemlos mitsingen konnte und es tat. Bei dem obligatorischen Rausschmeißer „Rock and Roll all Nite“ bestiegen Gene und Tommy zwei in der Bühne versteckten Plattformen, die sie nicht nur in die Höhe, sondern auch im Konfettiregen über die Köpfe der Zuschauer brachten. Das Starchild zerkloppte währenddessen vor dem ebenfalls in der Höhe trommelten Catman seine Gitarre. Rocker werden auch im Alter nicht ruhiger. Aber wer will das schon. KISS boten alle klassischen Elemente auf einer neuen, vielleicht kargen, aber super eingesetzten Bühne.

Böse Zungen bemängeln, KISS würden seit der Reunion 1996 immer die gleiche Show auffahren und lediglich die Bühne ändern. Wir sehen es anders. Bei KISS weiß man was man bekommt: eine gute Rockshow. Und das seit vierzig Jahren. Zwar verzichtet Paul Stanley inzwischen auf seine gesungenen Ansagen nach jedem zweiten Lied und Gene Simmons darf mehr Lieder zum Besten geben, aber dafür geht es Schlag-auf-Schlag. Keine Verschnaufpausen, anderthalb Stunden purer Rock. Wir haben weder Kosten noch Mühen bereut, uns die bekannte Band und die unbekannte Stadt anzuschauen. (Der Hamburgbericht folgt in Kürze.) Eine Tour zum fünfzigsten Jubiläum scheint aufgrund des Alters der Musiker eher unwahrscheinlich, aber wir gehen davon aus, KISS noch mal auf deutschem Boden zu Gesicht zu bekommen. Noch scheinen sie nicht genug von den Bühnen dieser Welt zu haben. Und wir nicht von ihnen. Dem Jubel der Menge nach zu urteilen sind wir da nicht die Einzigen.

Pictures from the Innenraum

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