Und dann war da Hansi

Die neunte Welle schwappt über Düsseldorf

Treue Leser des Plueschblogs werden wissen, daß wir Hansi Kürsch letztes Jahr zweimal auf Konzerten anderer Künstler als Gast gesehen und gehört haben. Letzten Samstag hatte er seine eigene Band dabei, um das neue Album “Beyond the Red Mirror” vorzustellen. Blind Guardian tüfteln lange an ihren Liedern, so daß zwischen Alben und den dazugehörigen Touren mehrere Jahre ins Land ziehen. Unser letztes Konzert an selber Stelle liegt bereits fünf Jahre zurück. Da konnten wir es uns nicht nehmen lassen, die Fahrt nach Düsseldorf anzutreten. Über siebentausend Menschen taten es uns gleich.

Relativ pünktlich betrat aber erst einmal die isralische Band Orphaned Land die Bühne und präsentierte ihre Mischung aus Metal mit orientalischen Klängen. Die sympathische Band eroberte die Zuschauer in Düsseldorf auf Anhieb, so daß Sprechchöre, die den Bandnamen riefen, nicht lange auf sich warten ließen. Die Band war sichtlich angetan von dem mehr als positiven Empfang und es zeigte früh bereits die gute Stimmung in der Halle.
Der Sänger von Orphaned Land stellte zuerst einmal amüsiert klar, er sei nicht Jesus. Bei Kobi Farhi besteht mit seinen langen Haaren, dem Bart und dem wallenden Gewand, wirklich Ähnlichkeiten mit dem weitverbreiteten Bild des Gottessohnes. Weiterhin erwähnte er, daß sie es auf ihren Konzerten schaffen, Christen, Juden und Moslems ganz ohne Politik und Religion friedlich in einem Raum zu versammeln, denn Heavy Metal verbindet. Auch diese Botschaft wurde jubelnd aufgenommen. Aber Orphaned Land waren nicht zum Predigen gekommen, sondern zum Musizieren und das taten sie eine gute dreiviertel Stunde. Wenn es nach den Zuschauern gegangen wäre, hätten sie länger spielen können.

Nach einer Umbaubause ertönten die ersten Töne von “The Ninth Wave”, dem Opener des neuen Albums, der ebenfalls das Konzert eröffnete. Dann fiel der Vorhang und gab den Blick auf die Bühne und die Band frei. Ziemlich mittig auf der großen Bühne saß Frederik Ehmke hinter seinem Schlagzeug. Rechts von ihm stand der langjährige Keyboarder Michael Schüren und links der Neuzugang, Bassist Barend Courbois. Die anderen drei Wächter nahmen mit Instrumenten und Mikro ihre Plätze am Bühnenrand ein. Das etwas sperrige Stück tat der Wiedersehensfreude keinen Abbruch. Als zweites Lied wurde ein Brecher vom zweiten Album gespielt und die Menschen bangten was die Haare hergaben. Mit dem dritten Song ging es das erste Mal an dem Abend nach Mittelerde. Wobei ich zugeben muß, daß “Nightfall” für mich in die Kategorie “Schunkelmetal” fällt, wird es immer begeistert aufgenommen. Überhaupt wurde jedes Lied lautstark mitgesungen und die Band stetig umjubelt, was die sympathischen Musiker dankbar und lächelnd annahmen. Nebenbei verkündete Hansi, daß alle Konzerte dieser Tour für ein Live-Album mitgeschnitten würden. Was aber die vorhandene Begeisterung nicht steigern konnte, denn Blind Guardian werden immer verdient abgefeiert, nicht nur bei Heimspielen.

Nach dem schnelleren “Lost in the Twilight Hall” kam Frederik nach vorne, zu einem kleineren Schlagzeug, denn die Band rückte für zwei Akustiknummern enger zusamen. Gespielt wurden “Miracle Machine” vom neuen Album, gefolgt von einem Klassiker der Band, dem vertonten Vers aus dem “Herr der Ringe.” Beim zweiten Lied bewies die gesamte Halle ihre Textsicherheit und entlastete Hansi. “Lord of the Rings” war quasi die Generalprobe für das, was noch kommen sollte. Aber erst einmal schloß sich das fünfzehn minütige “And then there was Silence” an den akustischen Teil an, als jeder wieder an seinem Platz stand und saß. Eine Mitsingpassage im Lied nutzten die Zuhörer hemmungslos, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Hansi fragte, wie oft die Passage noch gesungen werden sollte, gab fünf Durchläufe vor und zählte mit. Danach wurde das Lied zwar beendet, doch sobald die letzte Note verstummte, erklang die gleiche Passage wieder aus über siebentausend Kehlen. Für einige Minuten gab es für die Band keine Chance, das Wort zu ergreifen, denn sobald sich Hansi dem Mikro näherte, schwoll der Gesang wieder an. Die sechs Musiker waren sichtlich begeistert. Passenderweise wurde der “reguläre” Teil mit “And the Story ends” beendet, nachdem der Chor aus tausender Kehlen verklungen war.

Natürlich war das noch nicht alles und die Band ließ die anwesenden Zuschauer nicht lange ihre verdiente Zugabe einfordern und “War of Wrath”, das gesprochene Intro kündigte das erste Lied des zweiten Blocks an. Blind Guardian bewiesen mit den drei schnellen Nummern “Into the Storm”, “Twilight of the Gods” und “Valhalla”, daß sie noch genug Energie übrig hatten. Und die Menge bewies die gleiche Energie und sang wieder einmal dankbar die Zeilen mit, wobei natürlich gerade “Valhalla” zum Mitgrölen einlud.

Auch als Blind Guardian die Bühne erneut überglücklich verließen, verstummte die Halle keineswegs und forderte lautstark den “Bard’s Song” ein. Zuvor drehte die Band erst einmal am Rad. Das epische “Wheel of Time” startete den dritten Block des Abends, bevor endlich und von allen der herbeigesehnte Höhepunkt eines jedes Konzerts der Krefelder kam. Wieder vorne am Bühenrand versammelt, spornte Hansi das Publikum an, indem er erwähnte, daß es die Aufnahme aus Düsseldorf auf’s letzte Live-Album geschafft hätte. Das ließen sich die Fans natürlich nicht zweimal sagen und folglich brauchte Hansi gar nicht ans Mikro, den Gesang übernahmen die Fans. Ich finde es immer wieder erstaunlich, daß eine Ballade das Aushängeschild für eine Metalband ist, besonders, wenn man beobachtet, wie gerade die älteren, schnelleren und härteren Nummern herbeigewünscht werden. Aber egal, denn “The Bard’s Song (In the Forest)” garantiert immer Gänsehaut pur. Das Lied sollte man auf jeden Fall einmal auf einem Konzert miterlebt haben.

Zum Abschluß gaben Blind Guardian nochmal Gas und hielten den Zuschauern den (roten?) Spiegel vor. Zumindest sollte es der Abschluß sein. Die Band versammelte sich schon zur Verbeugung vorne am Bühnenrand, aber die Rufe nach “Majesty” waren so laut und anhaltend, daß die Band klein beigab, Frederik nochmal vom Chef hinters Schlagzeug geschickt wurde und das Leierkasten-Intro das Eröffnungslied vom Debutalbum ankündigte. Zum letzten Mal an dem Abend wurde gebangt was das Zeug hielt. Damit endete ein grandioses Konzert.

Die Aufteilung, neunzig Minuten Konzert und sechzig Minuten Zugaben ist auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich. Auf den zweiten Blick bleiben aber zweieinhalb Stunden, in denen Blind Guardian bewiesen, daß sie zu den besten und sympathischsten Metalbands gehören. Nicht nur haben sie es geschafft, in ihrer Setlist kein Album auzulassen und daß, obwohl drei der gespielten Lieder je zehn Minuten und länger gehen. Sie vermochten es auch, daß Alle vor und auf der Bühne, an diesem Abend die Halle zufrieden, begeistert und lächelnd verlassen haben. Und wahrscheinlich noch lange an Lagerfeuern Geschichten darüber zum Besten geben werden.
And the Bericht ends.

Imaginations from the Mitsubishi Electric Halle

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Musikalische Lesung

Polnische Pausenüberbrückung

Etwas über ein Jahr ist es her, daß wir das letzte Mal in den Genuß eines Konzertes der Familie Popolski gekommen sind. Seitdem geht jedes Familienmitglied eigenen Projekten nach und die Band hat Pause. So ganz kann es der älteste Bruder aber nicht lassen, die Geschichte seiner Familie in die Welt zu tragen. Im Herbst veröffentlichte er ein Buch, in denen er die wichtigsten Stationen von Opa Piotr und seinen Nachfahren niederschrieb. Die Entstehung der Popmusik inklusive, versteht sich. Wir freuten uns sehr auf dieses Wiedersehen und waren gespannt, was Pawel für uns und die Zuschauer vorbereitet hatte.

Ein erster Blick auf die Bühne verriet, daß nicht nur gelesen, sondern auch musiziert werden sollte. Ein Kofferschlagzeug, ein Keyboard, eine Gitarre und ein Cassettenrecorder waren zu sehen und sollten im Laufe des Abends zum Einsatz kommen. Pünktlich betrat das Familienoberhaupt die Bühne und begrüßte das begeisterte Publikum. Er brachte den Dortmundern erst einmal die polnische Sitte des Wodkatrinkens bei. Mehrere Tabletts mit kleinen Pinchen wurden durchgereicht und jeder konnte sich eines nehmen.
Danach fing er an, die Geschichten vom Opa zu erzählen. Nicht aus dem Buch, sondern aus dem Kopf versorgte er die Anwesenden mit Anekdoten aus dem Leben seines Vorfahren. Seinen Lesesessel und die dazugehörige Brille brauchte Pawel nicht oft, denn tatsächlich gelesen wurde während der Lesung erstaunlich wenig. Die meiste Zeit stand er am Bühnenrand. Nicht eingeschränkt durch sein Schlagzeug wie bei den Konzerten, bewies er sein Talent als Unterhalter und bezog das Publikum die ganze Zeit mit ein. Spontan und lustig ging er immer wieder auf einige Zuschauer ein und fragte z.B. höflich nach, warum es einige Nachzügler nicht geschafft hatten pünktlich vor Ort zu sein.

Einem echten Popolski liegt die Musik im Blut, so war klar, daß sie auch an diesem Abend nicht zu kurz kommen sollte. Nachdem Pawel den anwesenden Nichtmusikern das Kofferschlagzeug erklärt hatte, demonstrierte er, wie einige Hits des Opas entstanden waren. Angekündigt hatte er ein weiteres Familienmitglied als Gast auf der Bühne, in der ersten Hälfte wurde aber nur der trubste Tasse per Liveschaltung nach Zabrze eingebunden. Janusz durfte die Dortmunder über die Leinwand begrüßen. Gerade die weiblichen Zuschauer freuten sich sehr, ihn zu sehen. Erst in der zweiten Hälfte mußte Pawel die Bühne mit der Heißesten von der Heißesten teilen. Dorota betrat unter Jubel die Bühne und durfte wieder für ihre Männersuche werben, bevor sie zu ihrer Stratocastri griff, selbstverständlich in polkarot. Zusammen mit Pawel am Keyboard gab sie ein paar neue Lieder zum Besten. Zu “I got the Polka” stand dann auch der ganze Saal und unterstützte die Beiden. Es wurde lauthals geklatscht und mitgesungen, nur zum Schunkeln konnte sich niemand durchringen. Zusätzliche Unterstützung bekamen sie von Elvek und Janusz per Schaltung in den Plattenbau. Gerade in diesen Momenten wurde, zumindest uns, deutlich, daß irgendwas fehlte. Wir haben mehr auf das Treiben im Zabrzer Plattenbau geschaut, als auf die Bühne in Dortmund. Das machte den Spaß bei Konzerten der Familie aus, daß immer jemand auf der Bühne irgendeinen Blödsinn während der Lieder gemacht hat. Wenn Pawel, wie in alten Tagen, seine Restkondition am Schlagzeug ausläßt, hatten wir “Das war der unglaubliche Popolski-Show” im Ohr und warteten auf die große Bandverbeugung. Bestehend aus zwei Personen war sie im Fritz-Henßler-Haus erheblich kleiner, als vor unserem geistigen Auge. Wir sind halt familiengeschädigt. ;-)

“Der wissen der Wenigste” ist mehr ein flottes Stand-up-Programm, als eine nüchterne Lesung. Natürlich kennen die Leser des Buches und die Besucher der Konzerte, einige der vorgetragenen Geschichten. Dem Spaß tut es allerdings keinen Abbruch, dafür bringt der Älteste die Erlebnisse sehr lebhaft und amüsant rüber. Ein paar neue Erlebnisse streut er ein und zusammen mit dem gekonnten Einbeziehen des Publikums vergingen die zweieinhalb Stunden wie im Flug.

Es war sehr schön, die zwei (vier?) Familienmitglieder wiederzusehen. Auch wenn uns der Abend mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückließ. Die Beiden haben wirklich sehr kurzweilig und lustig durch den Abend geführt, aber es gab Stellen, an denen wir der ganze Familie vermisst haben; gerade bei den Liedern fehlte etwas und wir hielten immer Ausschau, ob sie nicht doch hinter dem Vorhang hervortraten. Mal schauen, wie lange die undatierte Pause andauert. Bis dahin, kann man sich die Zeit mit dieser “Lesung” gut vertreiben. Im Herbst geht’s weiter, also haltet Ausschau nach den Terminen. Wir tun’s auch. :-)

Erlesene Fotos

 

 

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Zwei auf einen Streich’e

Elks in the Temple

Nis alle Tiere sind so zuverlässig wie is’e, denn die Wetterfrösche hatten eigentlis s’lechteres Wetter gemeldet’e. Entgegen der Prognosen s’ien die Sonne vor blauem Himmel, so daß wir kurzents’lossen einen Ausflug ins benachbarte Hessen unternommen haben, ete. S’ließlich würde is Eus gerne jeden Monat einen neuen Bismarckturm zeigen’e.

Unser erstes Ziel war der Turm in Wetzlar. Es ist kein ris’tisser Bismarckturm, sondern ein umgebauter Wachturm, ete. War der erste Turm mit eigenem Burggraben. Oder heißt das Turmgraben? Bin is mir nis sicher’e.
Eine Absperrung verwehrte uns leider den Zutritt hinauf zur Spitze, ete. Konnten wir nur von unten knipsen’e.  Muß is sagen, nachdem is vier Türme gesehen habe, gefällt mir der Turm in Hagen bisher am besten’e. Mal s’auen, was noch so kommt.

Auf dem Rückweg kam etwas Besonderes, ein Bismarcktempel. Haben wir uns durs die Dillenburger Wälder den Weg zu einem kleinen Pavillon auf dem Berg erkämpft’e. Kann man von dem achteckigen Tempel direkt auf die Dillenburg auf der gegenüberliegenden Seite s’auen’e.  Interessant, was außer de Fisse und die Türme so zu Ehren von de Bismarck benannt wurde, ete.

Daß is de Bismarck mal treffe, hätte is nis gedacht’e. Aber am Fuße des Berges konnte is mir de Mann ans’auen, dort stand eine große Statur auf einem Sockel, ete. Danach ging es auch s’on wieder zurück’e. Sonntagsausflug beendet, aber wieder viel gesehen’e.

Net vergesse: Wetzlar

Gegenüber von der Dillenburg

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Klassenfahrt ins Bergische Land

Ganz großes (Tisch)Tennis

Manchmal kommen Dinge im Leben zusammen, die einfach vorbestimmt sind. Wir hatten seit Weihnachten Eintrittskarten für Badesalz im Februar; dieser Termin wurde jedoch wegen Krankheit ausgerechnet auf den 19.03.2015 verschoben. Vor wenigen Wochen hieß es dann, dass auch dieser Tag aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sei. Für uns bedeutete diese glückliche Fügung aber: Wir können doch noch nach Wiehl! Das dortige Gastspiel von Andreas Schleicher samt seines großartigen Orchesters hätten wir uns nur ungern entgehen lassen, denn so nah sind sie uns geografisch bislang noch nie entgegengekommen.
Die Mädchen und Jungs hatten sich wieder versammelt, um im März auf eine kleine Frühjahrstour zu gehen. Da solche Termine, bei denen die große “Wohlfühlbesetzung” gemeinsam musiziert, rar gesät sind, beschlossen wir, so viele davon wahrzunehmen wie möglich. Zumal das letzte Konzert in Schwelm bereits 1 1/2 Jahre zurückliegt.

Los ging es also am Donnerstag in Wiehl, bzw. im schönen Burghaus Bielstein. Bereits kurz nach Einlaß waren schon mehr Leute anwesend, als im Dezember in Bonn, was uns positiv überraschte und für die Künstler freute.
Als Andre Krengel, Jörg Siebenhaar Konstantin Wienstroer und Heiko Braun die Bühne betraten, waren auch fast alle der 120 Stühle besetzt. Zum Einstieg wurde mit “Kurz vor Acht” ein neues Stück präsentiert, welches “Wirklich wichtig” ersetzte und inhaltlich perfekt paßt, da es die Gedanken und Erfahrungen eines Künstlers kurz vor dem Auftritt beschreibt. Andreas lief singend durch das Publikum Richtung Bühne und begrüßte nach dem Song sichtlich erfreut die zahlreichen Besucher. Wie bei den anderen Konzerten mit dieser Besetzung bestritten die Jungs die ersten Lieder alleine und die Mädels stießen wie gewohnt erst bei “Wellenklang” hinzu.

In dieser Formation hatten wir das Indigo Streichquartett bisher noch nicht gesehen; neben Monika Schleicher und Gesa Hangen waren an diesem Abend Heike Haushalter, sowie Sophie Richter mit dabei. Letztere sprang für Gudrun Edelkötter ein und hatte zuvor nicht einmal mit den anderen gemeinsam geprobt. Für uns unfaßbar und faszinierend zugleich, denn man hörte es absolut nicht heraus. Daran erkennt man wohl einen professionellen Musiker.

Nach “Bis hier” durfte Andre Krengel einen Schwank aus seiner Jugend zum Besten geben. Wiehl war ihm noch aus seiner Schulzeit bekannt, da eine Klassenfahrt ihn dorthin geführt hatte. Obendrein habe er hier eine Tischtennismeisterschaft gewonnen. Ab und zu spiele er heute noch gegen seinen blinden Bandkollegen Jörg Siebenhaar. Dieser gab daraufhin zu, dass er Andre immer gewinnen lasse. Das ist Jörg: Nicht nur ein wunderbarer Musiker, sondern auch humorvoll mit einer großen Portion Selbstironie. Großartiger Mensch.
Es macht große Freude, die Musiker zu beobachten, denn jeder einzelne “lebt” die Musik, was sich in Mimik und Gestik während des Spielens widerspiegelt und im gleichen Zuge auch das Publikum mitreißt. Die Reaktionen der Wiehler Zuschauer waren von Anfang an euphorisch und es herrschte eine tolle Kommunikation zischen Bühne und Publikum.

Auch der zweite Teil des Abends begann mit einem neuen Stück: “Wurm”. Hiermit ist allerdings weniger das Tier in der Erde gemeint, sondern vielmehr der Ohrwurm, der einen packt und nicht mehr losläßt. Der Song groovt, lädt zum Mitwippen ein und der Refrain bohrt sich mit jedem Mal tatsächlich tiefer und tiefer in den Gehörgang. :-) Zudem wurde im Rahmen dieses Stücks ein weiteres Bandmitglied vorgestellt, das sich bislang sehr im Hintergrund gehalten hatte: Jacques, ein freundlich lächelndes Rhythmusgerät, das später im Programm noch groß rauskommen sollte. Gemeinsam mit Heike Haushalter atmete sich Andreas anschließend in das Intro des englischsprachigen Stücks “That’s it”.

Im zweiten Teil spielten die Jungs erneut “Hunger nach Fisch” und die Mädels hatten kurz Pause und schienen sich zu langweilen. Gesa z.B. entwickelte eine lustig anzusehende Schattenspielchoreographie. Die gute Laune hielt sich bis zum letzten Song vor der Zugabe und erreichte seinen vorübergehenden Höhepunkt in einem Lachanfall, der in der Ecke der Streicherinnen begann und sich dann auf die gesamte Band ausweitete, sodaß sich die musikalische Improvisation während “Perfekter Song” etwas länger hinzog als geplant.

In der Zugabe “Ab 30″schlug die Stunde von Jacques, der, unterstützt von Heiko Braun, zu Hochform auflief und ein minutenlanges Klackersolo präsentierte. Völlig zu Recht gab es am Ende stehende Ovationen für alle.  Da die von Andreas eigentlich angesagte Aftershowparty mit Schaum anschließend jedoch nicht stattfand, fuhren wir schließlich Richtung Heimat und freuten uns schon auf den nächsten Tag.

 

Der Freitag war dann ein Heimspiel für Andreas, der irgendwo zwischen Remscheid und Wuppertal lebt (in einem kleinem Dorf, umgeben von Römerlagern, das erfolgreich Widerstand leistet). Unsere Anfahrt war im Gegenzug länger, aber entgegenkommenden Arbeitgebern und einer entspannten Verkehrslage sei Dank waren wir letztendlich doch pünktlich um 19 Uhr vor Ort und durften liebe, bekloppste Gesichter begrüßen.

Interessant, dass in Wuppertal anscheinend alle Veranstaltungsräume mit einer Mittelsäule konzipiert sind. Schnell war ersichtlich, dass es auch an diesem Abend sehr voll werden würde, denn es wurden sogar noch zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt. Auf der Bühne hatten die Musiker etwas mehr Platz und bekamen sogar eine sündhaft teure Stehlampe als Deko. Leider stellte sich diese nicht als Schattenspielkompatibel heraus.
Es schienen im Publikum viel Familie und viele Freunde und Bekannte von Andreas und der Band anwesend zu sein, es waren jedoch auch viele “Zugereiste” dabei, wie sich herausstellte (und Nordenham war tatsächlich nicht die weiteste Entfernung!).

Die Setlist war die gleiche wie am Vortag und der Sound war auch an diesem Abend dank Thomas Naatz großartig. Die leisen Töne und die heiteren Momente wurden genauso wunderbar präsentiert und schafften eine ganz besondere Atmosphäre: Bei “Anderer Stern” hätte man eine Stecknadel fallen hören können und bei “Children” mußte man um die Stabilität der Mittelsäule bangen, da das Publikum so tobte.
Einige Mitglieder von Andreas’ Wuppertaler Chor, die anwesend waren, sorgten bei “That’s it” für einen ungeprobten Überraschungsmoment und ergänzten den letzten Teil des Stücks mit schönen Harmonien. Wieder ein Bespiel für die stete, lebhafte Kommunikation zwischen Bühne und Zuschauerraum. Wuppertal war restlos begeistert und schneller, als es allen lieb war, wurde schon wieder “Ab 30” als letzter Song gespielt.

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Abschließend eine kleine Anmerkung, die ich gerne sagen möchte: Wir sind in unseren vergangenen Berichten von Andreas’ Konzerten schon oft inhaltlich auf die Songs eingegangen, dass dies in diesem Bericht nicht so sehr der Fall ist. Es sind aber auch die kleinen Anekdoten und spontanen Situationen, die sich live immer wieder neu ergeben, die ein Merkmal von Schleicher-Konzerten sind. Diese Momente sind besonders, sprechen Emotionen an und daher erachten wir sie als erwähnenswert. Wir sind zudem keine professionellen Journalisten, sondern in erster Linie Musikliebhaber und schätzen die Menschen, die diese Musik machen, zu sehr, um einfach nur nüchtern von einem Konzertabend zu berichten.
Daher haben uns Andreas & Co. auch im Herbst an der Backe, wenn sie die bereits angekündigten Zusatzkonzerte geben. :-)

Pop.Fotos.Wiehl.

Pop.Fotos.Wuppertal.

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https://youtu.be/7m_Qs_aCmwM
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Türme und Freu(n)de

Blauer Himmel und steinige Türme

Bin is gestern nach Hagen gefahren’e.
Nis’t nur, weil wir uns de nächste Bismarckturm auf unserer Liste ans’auen wollten, ete, sondern wir wollten auch ein paar Freunde vor Ort treffen’e. Habe is de Snoopy, ein befreundeter Reisehund, lange nis gesehen’e. Der Bismarckturm in Hagen steht etwas versteckt und die Fahrt auf die immer enger werdenden Straßen war ein kleines Abenteuer, ete. Hätte kein Elk entgegen kommen können.  Aber wir habe es ges’afft und es hat sis gelohnt’e. Nis nur wegen der Snoppy, ete.

Um den Turm herum stehen einige Bänke für Besucher und zum Turm gehört ein kleines Kiosk, ete. Ausflügler können sis hier mit Erfrischungen und Souvenirs eindecken, wenn der Turm geöffnet hat’e.  Wir durften einen Blick in den Kiosk werfen, obwohl er nicht geöffnet hatte. Danach haben wir den Turm unter die Lupe genommen und es ist der größte bisher, den is gesehen habe, ete. Vielleis’t liegt das an dem hohen Steinpodest auf dem er steht’e, aber er kam mir höher vor als die anderen Türme, ete.

Genau wie der Kiosk wurde der Zaun, der momentan noch den Turm eins’ließt, um Rabauken und Unholde ferzunhalten’e, und der Turm selber für uns aufgemacht’e. Gut, daß Snoopy so gute Verbindungen hat, ete.

Wir sind dann de Stufen hoch und konnten den Ausblick über die Stadt und den blauen Himmel genießen’e. Passend zu unserem Ausflug kam nämlis der Frühling raus, ete.
Von oben haben wir einen Blick auf Hagen und den Hauptbahnhof geworfen’e. Die anderen beiden Türme hatten nis so einen s’önen Ausblick muß is gestehen, ete.

War es eine große Freude einen neuen Bismarckturm zu erkunden und Freunde wiederzusehen’e. Kann is jedem , der keine Angst vor enge Straßen hat’e, nur empfehlen mal dahin zu fahren’e. Der Turm demnächst wieder regelmäßig für Besucher geöffnet. Und der Kiosk auch, ete. ;-)

Ist auch interessant, zu vergleichen, daß jeder Turm ein bißchen anders  aussieht’e.
Is bin gespannt, welchen Turm is als nächsten sehen werde, ete.

 

Turm und Tiere-Galerie

Förderverein Bismarckturm Hagen e.V.

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