Von Nussschalen, Hagelkörnern und Seebären

Nut …äh… Butjadingen 2013

Vor zwei Wochen ging es wieder in meinen wohlverdienten Urlaub an die Nordsee. Wie bereits im Vorjahr machten wir einen Zwischenstopp, bevor wir in unseren Urlaubsort weiterfuhren. Diesmal übernachteten wir bei zwei Bekannten, die mich mit Handschlag begrüßten. Sehr sympathische Menschen, diese Wesermärscher.

Am nächsten Tag machten sie mit uns eine Rundfahrt um die Halbinsel Butjadingen, auf der wir uns befanden. Ich muß gestehen, für mich machte sie einen ganzen Eindruck. Habe allerdings vergessen zu fragen, wo die andere Hälfte ist. Dafür habe ich erfahren, daß wir gar nicht an der Nordsee waren. Das viele Wasser hinter dem Deich waren die Weser und der Jadebusen. Ich war also unter falschen Voraussetzungen von zuhause weggelockt worden. Der Schock wich schnell, als wir in einem Geschäft einen neuen Rucksack für Lutz und mich fanden. Mein alter, liebgewonnener Reisebegleiter löst sich langsam auf und die neue Tasche, in der ich letztes Jahr Büsum und London unsicher gemacht habe, ist einfach zu eng. Der neue Rucksack bietet mehr Platz und nach der Woche habe ich ihn direkt liebgewonnen.

Am nächsten Tag verließen wir Nordenham in Richtung Burhave, wo wir die ganze Woche einquartiert waren. Dort verstauten wir unser Gepäck und wollten uns gerade zum ersten Fußmarsch zum Deich aufmachen, als dunkle Wolken aufzogen. Wir entschieden uns, erst einmal abzuwarten. Diese Entscheidung sollte sich nur wenige Minuten später als richtig erweisen, denn auf Burhave ging ein unglaublicher Hagelschauer nieder. So etwas habe ich in meinem Murmeltierleben noch nicht erlebt und glaubt man alteingessesenen Burhavenern, hat es so etwas dort in den letzten fünfzig Jahren nicht gegeben. Es war also ein ganz besonderes Naturschauspiel, auf das ich gerne verzichtet hätte. Nachdem der Hagel abgezogen war trauten wir uns dann doch noch raus, wo Wiesen und Autos weiß waren und aussahen, als hätte es geschneit.

Am folgenden Tag war das Wetter wieder freundlicher gestimmt. So kamen wir trockener Pfote nicht nur auf den Wattensteg, der ins Meer, bzw. ins Watt führt, sondern sogar in den nächsten Ort. Fedderwardersiel hat einen kleinen Hafen und dort kam wirlich so etwas wie Nordseefeeling auf. Ich unternehme gerne Schiffstouren, nur fuhren von dort keine Schiffe zur Insel Nussum, so daß dieses Jahr meine Pfoten einzig die Planken der Fähre betreten haben. Dafür hatte ich das Glück und durfte in Fedderwardersiel ein interessantes Hafenpraktikum absolvieren. Was dies alles beinhaltete, kann man in der Galerie sehen. Und die Kniffelbären haben den Aushang zu einer interessanten Fahrt nach Helgoland entdeckt, aber auch die fand leider nicht während unseres Aufenthaltes statt.

Die Sonne begrüßte uns am nächsten Morgen nach dem Aufstehen und wir nutzen das schöne, klare Wetter für einen Abstecher nach Bremerhaven. Mit der Fähre setzten wir über und gingen an alten Schiffen vorbei zu einem Hochhaus, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen. Von dort hatten wir einen unglaublichen Blick in alle Richtungen, soweit das Knopfauge schauen konnte. Der einzige Nachteil war der kalte Wind. Zum Glück gehe ich nie ohne Schal aus dem Haus.
Danach ließen wir uns noch auf einem Schiff durch den Hafen fahren, um uns die riesigen Frachter und Windkraftanlagenteile anzuschauen. Die Größe war schon beeindruckend, besonders für so eine kleines Murmeltier wie mich.
Die Entscheidung an dem Morgen, nach Bremerhaven zu fahren erwies sich abends als richtig, denn die Rückfahrt auf der Fähre war schon so kalt, daß ich in meinem Rucksack geblieben bin und bis wir wieder in Burhave eintrafen, waren die dunklen Wolken schon da.

Nach den anstrengenden Tagen in Fedderwardersiel und dem Ausflug nach Bremerhaven entspannten wir am Mittwoch etwas auf dem Strandspielplatz. Am Donnerstag ließen wir uns mit einem kleinen Touristenzug durch die Gegend fahren und hatten einen kurzen Aufenthalt in Tossens. Dort gingen wir an den Strand, an dem schon langsam die Drachentage vorbereitet wurden. Ich muß gestehen, ich habe mir Drachen immer anders vorgestellt; größer, schuppiger und Feuer speien konnte auch keiner.
Trotz des strahlenden Sonnenscheins sorgte der Wind für eine frische Temperatur. Aber natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, hier mal ins Watt zu gehen. Es ist wesentlich fester und angenehmer, als der Schlick in Burhave. Allerdings wurde es immer tiefer, je weiter man zur Wasserkante kam. Holly ist fast bis zu den Knien versunken, so daß man von mir kaum noch meine Öhrchen gesehen hätte. Aus Sicherheitsgründen habe ich mich in meinen Rucksack zurückgezogen.

Das schöne Wetter des Tages haben wir genutzt und sind nach der Rückkehr in Burhave direkt ins Auto und zu einem schwimmenden Moor, dem Sehestedter Außendeichsmoor. Dort konnte man auf einem Bohlenweg durchgehen, der aber nach wenigen Metern schon seon Ende fand. Wir standen vor einer kleinen Hütte und darin konnte man Fenster aufmachen und ins Moor schauen. Von Außen sah es bestimmt wie ein Adventskalender aus. Die dunklen Wolken, die aufzogen liessen uns an dem Tag noch trocken in unsere Unterkunft kommen, regneten sich abends aber richtig aus. Die letzten beiden Tagen blieben trüb und man konnte die Sonne über der dichten Wolkendecke und dem Nebel nur erahnen. Eigentlich ist grau eine schöne Farbe, aber es steht nicht jedem. Dem Himmel steht blau/weiss besser. ;-) Natürlich ging es trotzdem jeden Tag an den Deich und auf den Wattensteg. Wenn wir schon einmal da waren.

Auf dem Rückweg haben wir nochmal einen kurzen Halt in Nordenham eingelegt um uns zu verabschieden, bevor es auf die Autobahn Richtung Siegen ging. Zuhause erwartete uns dann blauer Himmel und Sonnenschein. Ein Murmeltier kann halt nicht alles haben, zumindest hatte ich ein paar erholsame Tage und ein interessantes Praktikum. Wobei auf der Couch selten Stress herrscht, nur habe ich dank der Seeluft sehr gut geschlafen und im Notfall hätte ich zum Einschlafen eines der vielen Deichschafe zählen können. :-)

Halbinsel auf ganzen Fotos

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Schokoschaumwaffelhappen in Siegen

Ansichten eines minimalpigmentierten … Eumels 

Der April hielt viele Termine für uns parat und wir kamen mit dem Veröffentlichen nicht nach. Der Mai dagegen ist wesentlich ruhiger und damit sich trotzdem etwas im Blog tut, haben wir uns ein paar Berichte für den neuen Monat aufgespart. Wir begeben uns jetzt auf die Zeitreise, zurück zum 12.04.2013.

Waren wir am Vortag noch zu den finnischen Monstern nach Köln gereist, sollte uns einen Tag später ein Kölner einen Besuch in Siegen abstatten. Seit wir Johann König 2005 nur interessehalber mal live erleben wollten, haben wir jedes Programm von ihm gesehen. Mehrfach.
Wie üblich waren wir überpünktlich vor der ausverkauften Halle und die Schlange wurde zusehends länger. Kurz vor Einlass führte die Menschenmenge vom Eingang des kleineren Gläsersaals an der Halle lang Richtung großem Saal, machte eine 90-Grad-Kurve, ging an der Außenwand der großen Halle entlang, bog dann wieder links ab, bis bestimmt vor den Haupteingang der Siegerlandhalle. Den konnten wir nicht sehen, fanden uns aber in unserem Vorhaben früh zu sein, bestätigt. Es gab nämlich Diskussionen und unserem Begleiter war das zu früh, so daß er nachkommen wollte. Er konnte sich beruhigt Zeit lassen, denn wir konnten ihm einen Platz in der ersten Reihe frei halten.

Im Vorfeld haben wir uns von sämtlichen Schnipseln des neuen Programms ferngehalten und waren gespannt, was sich der Johann in seinem Sabbatjahr, welches er sich als Burnout-Prophylaxe nahm, ausgedacht hatte. Die Bühne sah aus, wie man sie von Johann gewöhnt ist. Rechts standen ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit seinem Gedichtbuch und ein paar Utensilien, links das Keyboard. Allerdings war die Couch der letzten Tour einem kleinen Podest, mit einem großen, felligen Etwas gewichen. Man durfte gespannt sein, was es damit auf sich haben würde.

Pünktlich wurde das Saallicht gedimmt und Johann betrat im hellblauen Hemd und sichtlich ergraut die Bühne. Frau und Kind(er) scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben, obwohl Johann auf seine Gesundheit achtet und im Biosupermarkt einkauft. Wobei sich ihm der Unterschied zwischen Behinderten- und Frauenparkplatz nicht erschließt. Im Laufe der Schilderung seiner Erlebnisse des letzten Einkaufs wies er auf seine eigene Art, durchaus bissig auf einige Ungereimtheiten im Umkreis von Bio und FairTrade-Läden hin.
Die Frau hinter uns hatte auch hörbar Spaß an einigen Ausführungen und lachte sehr individuell und laut. Johann fragte, ob sie den Witz jetzt erste verstanden habe, was dem Lachen keinen Abbruch tat, eher im Gegenteil. Trotz der anhalten Störung machte die depressive Stimmungskanone weiter im Programm.

Er setzte sich auf den Stuhl und erzählte, wie er Hörspiele aus seiner Jugend wiederentdeckt hätte. Er ließ es sich nicht nehmen, dem Publikum ein paar Ausschnitte aus den Fällen der “Fünf Freunde” vorzuspielen. Bei einigen Stellen brach er ab und fragte, wie es wohl weitergehen würde. Der Punkt erinnerte uns etwas an das Rainald-Grebe-Konzert. Trotzdem wundert man sich heute, was so alles für Jugend geeignet schien. Vor allem Bezeichnungen, wie Neger, die heutzutage aufgrund übermäßiger political correctness aus alten Büchern getilgt werden. Sogar Negerküsse, Mohrenköpfe und Mohrüben bekommen neue Bezeichnungen, damit sich bloß niemand auf die Füße getreten fühlt.
Türken in weiten Pluderhosen dürfen allerdings weiter in Kinderbüchern ihr Unwesen treiben, denn Vorurteile sind gar nicht schlecht und schützen uns vor Löwen in der Wohnung. Oder so ähnlich.

Ein paar Nummern untermalte Johann musikalisch und setzte sich vor sein Keyboard. Später versuchte er sich dann lässig auf seinen übergroßen Fellsack zu setzen, was allerdings ein paar Minuten dauerte, bis er ihn bezwungen hatte. Wobei ihm eine Blick auf seine Uhr verriet, daß er zwanzig Minuten schneller war, als geplant. Die junge Frau hinter uns ließ bei Besteigung der Sitzgelegenheit wieder die gesamte Halle an ihrem Spaß teilhaben. Johann meinte, sie müsse am Ende der Vorstellung sitzen bleiben, damit er sich ein Bild von ihr machen könne. Bisher sei sie nur ein Geräusch für ihn.

Nachdem er den Abstieg geschafft hatte, griff er wieder zu seinem Büchlein und las eine kleine Geschichte vor. Er schilderte seine Begegnung mit einem älteren Ehepaar an der Kasse und übernahm dabei alle drei Rollen. Familienerlebnisse mit seinen zwei Kindern Hein-Mück und Lass-das, sowie der Katze Hektopascal durften natürlich nicht fehlen. Meistens gehen mir Nachwuchsgeschichten von Comedians auf den Keks, aber Johanns Art und Weise, sich dem Thema zu nähern, erheitern mich. Es wirkt nicht so aufgewzungen, sondern genauso abgedreht wie seine anderen Erzählungen.

Auch wenn sich durch das Programm kein roter Faden zieht, kommen am Ende die verschiedensten Elemente in seiner kleinen Abschlussgeschichte wieder zusammen.  Diese Geschichten, die alles wieder aufgreifen mag ich, denn dadurch habe ich das Gefühl, daß sich der Vortrag schließt.  Teile davon waren ziemlich abgedreht, aber genau diese absurden Gedankengänge machen einen Teil von Johann’s Reiz aus. Entweder man mag es, oder nicht. Das Publikum und unser Begleiter schienen es zu mögen, denn unter donnerndem und verdientem Applaus verließ er die Bühne.

Natürlich schaffte er es wieder nicht ins Taxi und sang als Zugabe den Siegenern und Angereisten zwei Lieder. Untermalt mit seinem unnachahmlichen Tanzstil. Zuerst das Lied aus dem letzten Programm “Ich hab burnout”, was seinerzeit schon für Kontroversen in seinem Gästebuch führte. Danach sang er sein neues Lied “Auf der Autobahn”.
Wie er danach ganz privat als René Otzenköttel erzählte, hat das Lied nicht weniger Diskussionen ausgelöst und ihm nicht nur erboste Beschimpfungen von Vegetariern, sondern sogar Briefe von der PETA eingebracht. Die damit einmal mehr bewiesen haben, daß Ironie nicht Jedermanns Sache ist.
Wir fanden nicht nur die Lieder, sondern das gesamte Programm wieder sehr, sehr lustig. Der Zusatztermin im Juni 2014 lachte uns geradezu vom Plakat herunter an. ;-)
Aber ob das blonde “Geräusch” wirklich wie angeordnet nachsitzen mußte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Johann, Johann, Johann

 

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Zoo-Impressionen

Aug’ in Aug’ mit Tiger

An einem schönen Frühlingstag entschieden meine Freundin und ich uns für einen spontanen Ausflug in den Wuppertaler Zoo. Unter der Woche ist es sehr angenehm, da sich der Besucherstrom in angenehmen Grenzen hält und man entspannt durch das Gelände schlendern kann. Der Wuppertaler Zoo ist wunderschön, sehr geplegt und bietet viele Tiere, die sich in geräumigen Gehegen den Besuchern präsentieren.
Pinguin, Löwe & Co

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The Mystery of time

Wie 3 1/2 Stunden im Flug vergehen

Der April ist konzerttechnisch ein sehr bunter Monat und veranschaulicht zudem sehr deutlich unseren breit gefächerten Musikgeschmack. Er begann mit deutscher Popmusik, ging dann über zu Hard Rock, machte einen Polka-Abstecher und endet nun mit einem amtlichen Metalkonzert. Und was für eines es werden sollte! Aber ich greife vor.

Dafür, dass wir in der Regel immer zu den Ersten vor der Halle gehören, waren wir an diesem Donnerstag immens spät. Erst eine gute halbe Stunde vor Einlaß fanden wir uns dank diverser Staus vor der Turbinenhalle in Oberhausen ein. Die Schlange schwarzgekleideter Menschen war bereits von der Straße aus zu sehen und wir hatten uns längst von einem Platz in den vorderen Reihen verabschiedet. Von Näherem betrachtet gab es jedoch einige Lücken in der Reihe der Wartenden, so dass wir uns ein gutes Stück nach vorne mogeln konnten. Die Türen öffneten sich netterweise 10 Minuten vorher und – wer hätte das gedacht? – plötzlich waren wir dann doch in der dritten Reihe links. Nun galt es allerdings noch 90 Minuten vor der Bühne totzuschlagen, denn der Konzertbeginn war auf 20:30 Uhr festgesetzt. Immerhin gab es keine Vorgruppen und man war vor den Frühblüherpollen geschützt.

Avantasia ist das große Projekt von Edguy- Frontmann Tobias Sammet. Das erste Album „The Metal Opera“ erschien im Jahr 2000 und scharte bereit damals schon bekannte Größen der Heavy Metal Szene um sich, wie z.B. die Sänger Michael Kiske oder Kai Hansen. Auf späteren Alben gaben sich dann Jorn Lande, Bruce Kulick, Eric Singer und sogar Meister Alice Cooper die Ehre, um nur ein paar zu nennen. Nun touren Avantasia dieses Jahr im großen Gefolge auf den Bühnen in ganz Europa – ohne Vorgruppe. Mir sind vor allen Dingen die ersten drei Alben im Kopf geblieben, mit den Folgealben bin ich nicht so ganz warm geworden, daher war ich sehr auf diesen Abend gespannt.

Pünktlich um halb neun erlischt das Saallicht und unter den Tönen des Intros „Also sprach Zarathustra“ betreten die Musiker die Bühne. Felix Bohnke, langjähriger Edguy- Kollege von Tobias, nimmt als erstes seinen Platz am Schlagzeug ein. Es folgen Andre Neygenfind am Bass, Sascha Paeth und Oliver Hartmann an den Gitarren, Michael Rodenberg am Keyboard und Amanda Somerville und Thomas Rettke am Backgroundgesang. Mit „Spectres“ vom neuesten Studioalbum wird der Konzertabend eröffnet und die Reise durch 6 Alben Avantasia beginnt. Tobias Sammet selbst erscheint schließlich auf der Treppe hinter Felix und beweist sofort, dass er gut bei Stimme ist. Die Bühnenkonstruktion, die sich über zwei Ebenen erstreckt, erlaubt den Künstlern viel Bewegungsfreiheit und dadurch, dass jeder zwischendurch die Plätze wechselt und mit jedem agiert, wirkt das Zusammenspiel sehr harmonisch.

Beim zweiten Song „Invoke the Machine“, tritt der erste Gastsänger ins Scheinwerferlicht: Ronnie Atkins, Sänger der dänischen Gruppe Pretty Maids, gesellt sich zu Tobi. Sein „dreckiges“ Stimmorgan passt gut in die schnellen Stücke des neuen Albums und bildet einen Kontrast zu der hohen, klaren Stimme von Tobi. Auf die Frage, wer denn wohl das erste Avantasisa Album kennt, bebt die ausverkaufte Turbinenhalle und die 3000 Fans heißen einen weiteren Protagonisten willkommen: Michael Kiske singt gemeinsam mit Tobias zwei Klassiker: „Breaking away“ und „Reach out for the light“. Herr Sammet ist in seinen Zwischenansagen stets zu Scherzen aufgelegt und feixt mal gerne mit seinen Kollegen. Auch Paul Stanleys legendärer Spruch der KISS Reunion – Tour in Oberhausen wird oft zitiert: „Oberhausen!! Your Hausen is my Hausen!!“ und das Publikum reagiert frenetisch.

Ein weiterer Gast ist Magnum Sänger Bob Catley, mit 65 Jahren der Älteste auf der Bühne und dessen rechte Hand niemals stillsteht. Oder er übersetzt das Gesungene simultan in Gebärdensprache. Man weiß es nicht. Bei „Scales of Justice“ hat Thomas Rettke als Leadsänger seinen Moment im Programm. Überhaupt bekommt jeder auf der Bühne ausreichend Aufmerksamkeit und wird entsprechend gewürdigt. Der letzte Gastsänger ist Mr. Big Frontmann Eric Martin, der seine Deutsch- Kenntnisse zum Besten gibt: „Komm in mein Schloß und ich zeige dir meine Avantasia – Plattensammlung“. Obwohl er sich Mühe gibt, hätte ich mir lieber Jorn Lande gewünscht, insbesondere bei „Promised Land“. Nicht falsch verstehen: Er wirkt sympathisch und nett, gesanglich hinkt er meiner Meinung nach jedoch etwas hinterher. Begeistert nimmt er zur Kenntnis, dass viele Metal Fans spontan den größten Hit von Mr Big singen können: „Tobi with you“ (oder war es doch “To be wie you”?)
Die einzige Frau auf der Bühne liefert sich ebenfalls ein Duett mit Tobias, z.B. bei „Sleepwalking“ und „Farewell“. Amanda Somerville ist nicht nur hübsch, sie hat zudem noch eine unglaubliche Bühnenpräsenz und weiß sich zu bewegen. Über ihre tollen Stimme muß man nicht diskutieren.

Die Sänger wechseln sich regelmäßig ab, doch den Fluß der Show beeinträchtigt dies nicht im geringsten. Alles wirkt wie aus einem Guß und jeder hat zwischendurch auch eine Pause. Alle bis auf einen: Felix „Alien drum bunny“ Bohnke hat an diesem Abend kaum einen Moment zum Verschnaufen. Respekt vor dieser Leistung, stundenlang konstant Schlagzeug zu spielen und dabei noch zu Scherzen aufgelegt zu sein. Wo der Duracell-Hase langsamer wird, fängt Felix gerade erst an. ;)
Auf Effekte mit Feuer, Konfetti und dergleichen, wird an diesem Abend verzichtet. Atmosphäre wird durch die gewaltige Lightshow und wechselnde Hintergründe auf einer großen Leinwand hinter der Bühnenkonstruktion erzeugt. Es gibt auch keine einheitlichen Kostüme, lediglich Tobias gibt sich als „Toy Master“ mit Zylinder, Frack und wechselnden Jacken.


Das Publikum scheint nicht müde zu werden (obwohl in den ersten Reihen nach zwei Stunden die ersten kapitulieren und sich aus dem Gewühl verabschieden) und jubelt, klatscht und singt was das Zeug hält. Tobias und Co. werden nicht müde zu erwähnen, dass die Oberhausener wohl das bisher beste Publikum der Tour waren. Was sonst wie Lobhudelei wirkt, erscheint am heutigen Abend jedoch absolut glaubwürdig.
„Dying for an Angel“ wird als letzter Song angekündigt, doch jedem ist klar, dass da noch etwas kommt. Der Zugabenblock besteht ausnahmslos aus Liedern der ersten beiden Alben. Bei „The Seven Angels“ und „Avantasia“ mobilisiert das Publikum die letzten Kraftreserven und geht hundertprozentig mit. „Sign of the Cross“, vom gesamten Ensemble sehr kraftvoll präsentiert, bildet nach 3 ½ Stunden den Abschluß eines Wahnsinns – Konzerts, das wieder Lust geweckt hat, die alten CDs noch mal hervorzukramen und in die neueren intensiver reinzuhören. Oft entdeckt man nach einem Konzert Qualitäten in einem Song, die einem vorher nicht bewusst waren.
Ein Konzerterlebnis wie dieses (3 ½ Stunden ohne Vorgruppe) gibt es heutzutage sehr selten und wer melodischen Metal mag, kommt an einem Avantasia – Konzert nicht vorbei. Bleibt zu hoffen, dass dieses Ensemble noch weitere Touren plant (vielleicht ja dann mit Jorn Lande ;)).

Dying for pics

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Nusstruvko

Świstak na drodze

Am Mittwoch hatte ich einen ziemlich aufregenden Tag, der anders verlief als vorgesehen. Ich wollte eine Freundin überraschen, die mich letzten Monat besuchte und das Erinnerungsfoto mit mir vergessen hatte. Meine Mitbewohner fuhren auf ein Konzert, auf dem auch besagte Dame erwartet wurde. Also habe ich kurzerhand die heimische Couch verlassen und bin mitgefahren.
Ursprünglich hatte ich mich auf eine Wartezeit im Auto während des Konzerts eingestellt um danach mit ihr zu posieren. Allerdings wurde ich auf dem Weg nach Wiehl überredet, doch mit in die Halle zu gehen. Normalerweise interessieren mich Konzerte nicht sonderlich, aber ich hatte schon so viel über der Familie Popolski gehört und sagte zu. Zum Glück war mein Reiserucksack im Auto, denn ich hatte gar keine Karte.

Die Wiehltalhalle scheint die Sporthalle der örtlichen Schule zu sein. Wir mußten ein paar Treppenstufen hoch und mein Rucksack kam vor die Bühne. Eigentlich hatten alle mit einem Stehkonzert gerechnet, aber es gab nur Stehtische. Schon zu Beginn war es sehr warm in der Halle und als dann die Lampen über uns zum Konzertbeginn angingen, war der Raum von einer Sauna kaum zu unterscheiden. Zum Glück war noch kein Hochsommer. Mit Fell und Schal möchte ich mir das Szenario gar nicht ausmalen.

Das Konzert begann mit Ras Popolski und vor dem zweiten Lied zeigte Pavel erst einmal, wie man in seiner Heimat Wodka trinkt und schmiss eine Runde für die Besucher.  Obwohl das Pinnchen für meine Statur geeignet schien, habe ich nicht zugegriffen. Ich vertrage nicht viel Alkohol und dann noch welcher aus Kartoffeln. Bei Nusslikör hätte ich allerdings nicht widerstehen können.


Nach und nach füllte sich die Bühne mit allen Familienmitgliedern. Besonders gut hat mir “Crack with somebody” von Dorota gefallen. Die eineiigen Zwillinge bewegten sich trotz der erhöhten Temperaturen im Raum unentwegt und schienen viel Spaß zu haben. Zumindest verbreiteten sie diesen. Janusz hatte es gut, er durfte im Schatten stehen.
Danusz wurde immer von einem anderen Mitglied geführt, denn er sieht quasi überhaupt nichts. Trotz des Handicaps spielte er famos Keyboard. Gesanglich ist er für die leiseren Stücke wie “Hello/Goodbye” und “Ein bißchen Spaß muss sein” zuständig. Mit “I’m out of Love” wurde dann erst einmal in die Pause geschunkelt.

Die Halle schien nicht polkafest für das Polkafest zu sein. In der Pause kamen ein paar Helfer und versuchten die Menschen fünf bis sechs Meter nach hinten zu schieben. Dem aufmerksamen Lichtverantwortlichen Herrn Friele ist aufgefallen, daß die Lichttraverse wackelte und es sollte verhindert werden, daß Zuschauer von Lampen erschlagen wurden, oder das Gerüst durch zuviel Bewegung in der Halle umkippte. Das Konzert wurde nicht fortgeführt, bevor der Teil vor der Bühne geräumt wurde und so rückten die Leute widerwillig Stuck fur Stuck nach hinten. Seltsamerweise war die Stimmung in der zweiten Hälfte besser.

Vielleicht lag es auch am Sänger des heutigen abends – Cousin Elvek. Er ist sehr groß. Im Vergleich zu mir würde ich sogar sagen, er ist sehr, sehr groß. Nur irgendwie mochte ich ihn direkt, vielleicht, weil er mich an einen Nussknacker erinnerte. Mit “Beating like a Polka Drum” und “Polkaface” heizte er den Zuschauern noch mehr ein und animierte sie zum Mitklatschen. Mir persönlich hat später sein Lied “Suspicious Nuts” am besten gefallen. Er scheint seine Schuhe allerdings noch nicht richtig eingelaufen zu haben, denn bei unüberlegten Bewegungen hat es ihn umgerissen. Die Tatsache wußte er gekonnt zu kaschieren und so ist es bestimmt nicht jedem in der Wiehltalhalle aufgefallen.

Jeder Musiker bekam an dem Abend seinen Moment im Scheinwerferlicht. Mirek durfte auf seiner Stratocastri ein Solo des Jüngsten spielen, Henjek und Stenjek zeigten ihre Tanzfähigkeiten, Pavel seine Schlagzeugkünste nur Janusz mußte auf seinen Auftritt verzichten. Dazwischen wurden viele lustige Geschichten erzählt, vorzugsweise von Pavel und mit Bildern ausgeschmückt. Auch Mareks Filmkarriere wurde dokumentiert. Dorota darf sich nun bei “Gute Freunde kann niemand trennen” auf einem Hocker räkeln und ihre attraktiven Beine zeigen. Der Dobrze Horns spielten zusammen mit Danusz und Mirek ein kleines Medley und mir zu Ehren (nehme ich an) das Lied: “Murmel, Du mußt doch nicht um deine Nüsse weinen”.

“What’s up” beendete den Auftritt. Auf “Cherri, Cherri Lady” wurde verzichtet, um in den letzten Minuten nichts zu riskieren, denn bei Pavel’s Schlagzeugsolo geriet die Traverse schon ziemlich in Schwingung. Für das Karinsche und Holly war es das erste Konzert ohne das Lied des Jüngsten, aber ich muß gestehen, ich habe es nicht vermisst. Kirschen sind nicht meine Früchte, eher Erdbeeren (die gehören zur Familie der Nüsse).
Dem Applaus und der Hoffnung der Wiehler zum Trotz ging das Saallicht an und verkündete das Ende des Auftritts.

Ich habe noch ein paar Minuten gewartet, bevor ich Jasna überraschte, die mich sofort freudig in den Arm nahm, um sich ablichten zu lassen. Allerdings lief sie noch mit mir durch die Halle, um mich einem der Musiker vorzustellen. Ich war ziemlich überrascht und bekam kein Wort raus, als ich mit beiden fotografiert wurde. Aber ich glaube, er war genauso perplex.

Daß schwarze Katzen Unglück bringen ist belegt, aber ob das auch auf Murmeltiere bei Konzerten zutrifft weiß ich nicht. Im Internet konnte ich keine Daten zu dem Thema finden. Wahrscheinlich ist das Phänomen noch nicht wissenschaftlich untersucht worden. Aus Sicherheitsgründen werde ich weitere Konzerte erst einmal meiden. Wobei danach noch eine sehr freundliche, polnische Dame ihre zarten Finger in meinem Fell hatte…

Der Abend verlief ganz anders als geplant, auch für die Musiker, aber es war eine nette Abwechslung zum Alltagstrott auf der Couch.

Nussknacker und andere lustige Gestalten

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