Geburt der späten Gnade

Aus dem Leben eines Saarländers

Jahrelang kennen wir ihn bereits, den Bexbacher Stammtischbesucher mit der Batschkapp. Wir haben ihn im Fernsehen mit seiner Familie zu Hause beobachten können und in regelmäßigen Abständen live in diversen Städten in der Umgebung.
In all den Jahren hat man jedoch kaum etwas biografisches von Heinz Becker erfahren. Höchste Zeit also, dass er uns in seinem neuen Programm “Vita. Chronik eines Stillstandes” selbst davon erzählt.

Eigentlich klingt der Titel viel zu philosophisch, dass ein Heinz Becker, der ursprünglich Willi heißen sollte, wirklich etwas damit anfangen könnte. Je mehr er jedoch aus seinem Leben berichtet (Jahrgang 49, just nach Kriegsende), umso offensichtlicher wird, wer ihn geprägt hat. Wenn er nämlich von seinen Eltern erzählt, könnte er genausogut sich selbst und Hilde meinen.
Im Grunde scheint seine Kindheit sehr traurig gewesen zu sein. Nach dem Krieg, als alles kaputt war, der Vater Kriegsheimkehrer und die einzige Zuwendung der Mutter das Fiebermessen gewesen zu sein schien. Vielleicht liegt es daran, dass im ersten Teil des Programms zwar gelacht wird, doch die Stimmung im Publikum auf ganz subtile Weise gedrückt ist.

Ein einschneidendes Erlebnis im Leben des jungen Heinz scheint seine Kommunion gewesen zu sein, zu der er von seinem Onkel Bernhard eine gute Uhr geschenkt bekommen hat. So gut, dass sie am besten gar nicht getragen wurde (“Stell dir mal vor, wenn da was draaan kommt”, so Mutter Becker) und ihr Dasein und Schicksal in der Wohnzimmerschrankwand fristen mußte. Und nicht nur bei Heinz, auch später beim Stefan war als einziger die Kommunionkerze schief. Das Leben scheint sich oft zu wiederholen.
Das Publikum erfährt zudem, wann Heinz seine erste Kapp’ bekam: Im Jahre 1970, am gleichen Tag, an dem Jahrzehnte zuvor bereits Kaiserin Sisi gekrönt wurde. Es erfährt auch von den unspektakulären Hochzeitsvorbereitungen mit Hilde, die sich nur durch das Buffet von der Verlobungsfeier unterschieden. Nicht zu vergessen auch der Skandal von 1961. Also jetzt nicht den Bau der Mauer, sondern die Scheidung seines Onkel Bernhards.

Zwischen den autobiographischen Erzählungen schwenkt Heinz immer wieder in die Gegenwart und teilt seine Meinung zu aktuellen Ereignissen, wie z.B. der Flüchtlingsprobematik mit. Selbstredend auf seine ganz persönliche Weise. So ist er überzeugt, dass die Übergriffe in der Silvesternacht wohl künftig mehr Frauen anlocken würde, jetzt, wo es so bekannt sei. ‘S Hilde gibt jedoch zu bedenken, dass dass dann wohl eher “was für die junge Leut” ist.
Es sind diese Art von Geschichten, die ein kollektives, dumpfes “Hohoho”- Lachen beim Publikum hervorrrufen. Die Art von “Das ist eigentlich GAR nicht zum Lachen”.

Heinz Becker war jedoch schon von jeher so angelegt, dass die offensichtlichen Stammtischparolen die eigenen inneren Ängste und Werte ansprechen und man arg ins Grübeln kommt, wie viele von den Vorurteilen zutreffen. Beispielsweise wenn er fragt: “Darf ich mich nicht bedroht fühlen?”
In jeder Stadt gibt es Heinz Beckers, die mit Halbwissen hausieren gehen und dies dann als Wahrheit und Tatsachen verkaufen. Gerd Dudenhöffer versteht es, durch den naiven Heinz stets aktuelle Gesellschaftskritik zu verpacken – höchst unterhaltsam, aber auch zum Nachdenken. Zum Ende läßt er den Heinz vor der Tür und kommt als Gerd Dudenhöffer für die Zugabe zurück, um aus seinen literarischen Werken vorzulesen.

Vielleicht auch eine Metapher? Am Ende siegt der Intellekt.

Dummknipser

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For Your Ears Only

From Remscheid with Love

Es gibt eine handvoll Lieder, die kennt jeder. Dazu gehört zweifellos das berühmte James Bond Thema von Monty Norman, das seit 1962 weltweit zum Synonym für den britischen Agenten wurde. Zu James Bond gehören nicht nur seine Walther PPK, der Aston Martin und der Martini, sondern vor allem auch die Titellieder. Nicht umsonst haben die letzten beiden Lieder zu “Skyfall” und “Spectre” den Oscar gewonnen.

Der Remscheider Musiker Christoph Spengler arrangierte und inszenierte am vergangenen Wochenende zwei exklusive Konzerte, mit 18 Liedern aus dem James Bond-Repertoire. Unterstützt wurde er von der niederländischen Sängerin Nicole Berendsen, mit der er schon mehrere Projekte verwirklichte. Schützenhilfe bekamen die beiden von keinem Geringeren als James Bond höchstpersönlich. Zumindest stimmlich, denn Dietmar Wunder ist die deutsche Synchronstimme von Daniel Craig, dem sechsten* Darsteller des smarten Agenten.

Eine Overtüre öffente die Tür ins musikalisches Bonduniversum, bevor Dietmar Wunder, stilecht im Smoking die Bühne betrat und am rechten Bühnenrand Platz nahm. Das erste Lied des Abends war gleichweg eines der bekanntesten und Nicole Berendsen schritt, passend zu “Goldfinger”, in einem goldenen Paillettenkleid ans Mikro. Nicht nur Dietmar Wunder, auch der Saal war sofort von der sympathischen Niederländerin angetan, die sich beherrschen mußte, zwischen den Liedern nicht zu sprechen. Die Chance dazu hatte sie erst gegen Ende des Programms, als sie sich von dem Moderator die Synchronisationsarbeit erklären ließ. Für sie Neuland, schließlich wird in den Niederlanden kaum synchronisiert.

Was zuerst wie eine Leinwand über der Band aussah, entpuppte sich schnell als kleine Bühne. Auf dieser Bühne, hinter einer angestrahlten Leinwand, tanzten vier Frauen, wie man es aus den Vorspannsequenzen jedes Bondfilms kennt. Gegen Ende hat sich Dietmar Wunder angeschlossen und wurde umtanzt, während er typsiche Bondposen mit Pistole einnahm.

Überraschenderweise wurden zwei eher unbekannte Bond-Themes

dargeboten. Zu “Underneath the Mango Tree” aus “James Bond jagt Dr. No”, tanzten sich die Bondgirls aus dem Hintergrund in Baströcken auf die Bühne. Und nach “Tomorrow never dies” folgte “Surrender”. Das eigentlich als Titeltrack gedachte Stück von K.D. Lang, das auf dem Soundtrack unter neuem Namen veröffentlicht wurde. Fand es jetzt nicht so geschickt, zwei Lieder, die “Tomorrow never dies” im Refrain haben, hintereinander zu spielen, aber darüber läßt sich sicherlich streiten.

Nicht streiten läßt sich darüber, daß es Christoph Spengler eindrucksvoll gelungen ist die Lieder auf die Bühne zu transportieren und den Stil und Charme zu treffen, für den der Gentleman-Agent bekannt ist. Dietmar Wunder vollendete mit seinen lockeren und informativen Moderationen das Gesamtpaket. Egal, ob er Fakten rund um Bond oder persönliche Erinnerungen als Bondfan einfliessen ließ.
Für mich, der seit Kindesbeinen die Filme unzählige Male gesehen, jeden Roman gelesen und die Musik immer griffbereit hat, war es ein besonderes Erlebnis, die Songs live zu erleben. Wenn die Musik den Raum erfüllt, sich Frauen im Hintergrund vorbeitanzen und ein Mann mit Smoking vor einem sitzt, kommt man sich vor, wie im Vorspann einer Mission des Meisterspions.
Nicole Berendsen hat eine tolle Stimme und die Lieder fabelhaft dargeboten, aber wenn man mit den Originalen aufgewachsen ist und im Ohr hat, kann sie nicht ganz mithalten. Was verständlich ist, schließlich kann nicht eine Frau wie Shirley Bassey, Nancy Sinatra, Tina Turner und Adele klingen. Welche Frau vereint schon vier Ausnahmestimmen? :- )

Christoph Spengler hat mit seinen Mitstreitern ein ganz besonderes Konzerterlebnis kreiert, was auf große Gegenliebe gestoßen ist, wie man an den Standing Ovations erkennen konnte. Das ganze Teo Otto Theater stand auf, um sich bei ihm und den anderen Bühnenarbeitern zu bedanken. Bond und die Bondlieder sind halt ein Teil im Leben vieler Menschen und das schon seit über 50 Jahren, bzw. über 60, wenn man die Romane mit einrechnet.

A View To A Pic

*An alle Beckmesser und Erbsenzähler, ja, ich weiß, Bonds ersten Auftritt in “Climax!” und die vielen Bonds im 1967’er “Casino Royale” fallen bei der Zählweise unter den Pokertisch. :-)
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Tief im Westen, ete

Vor dem Hopsbonbon

Letztes Jahr stand eine Fahrt nach Bochum auf dem Plan von Karins’e und Holly, ete. Da habe is vorges’lagen’e, wir könnten doch vor dem Konzert kurz in den Stadtpark fahren’e. Dort steht nämlis’ auch ein Bismarckturm, der von den Bürgern zum beliebtesten Ausflugsziel gewählte wurde, ete. Er steht gar nis abseits, wie einige andere Türme, denen wir einen Besuch abgestattet hatten. Und sehr zu meiner Freude, hat sis auch unser Freund Steffen angeschlossen, der ursprünglis nur mit auf das Konzert wollte, ete.

Als wir im Stadtpark ankamen, erwartete er uns s’on’e. Für Steffen, der ebenfalls aus der hiesigen Region stammt’e, war das sein erster Turm.

Er hat es sis daher nis nehmen lassen, mit uns die ganzen Stufen bis zur Spitze zu erklimmen’e. Der Ausblick auf den Stadtpark, eine Zeche und einen Teil des Ruhrgebiets war der anstrengende Aufstieg wert, ete. Auch wenn wir von oben nis sehen konnten, wo Steffen jetzt wohnt’e. Wir haben es nis bereut, uns bei dem s’wülen Klima hochgekämpft zu haben’e. Der Turm is aber auch von innen sehr groß und sehr s’ön gestaltet, ete.
In der Mitte ist eine Runde Bank, auf der kann man sis ausruhen’e und kann sis in Ruhe die Informationstafeln und Bilder ans’auen’e.

Von da aus sind wir dann zum Zauberkasten gefahren’e. War ein s’önes Vorprogramm für das Konzert, ete. Unserem Freund hat es so gut gefallen’e, daß er sis noch weitere Türme mit uns ans’auen mös’te. Wir haben s’on einige in seiner Nähe für 2016 ausges’aut’e. Natürlis beriste is dann wieder hier davon, ete.

Ein Türms’e steht im Parke

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Warriors of Düsseldorf

Battle Hymns im ISS Dome

Dass es Bands gibt, die einen sein Leben lang begleiten, hatten wir bereits letztes Jahr bei Roxette festgehalten. Eben eine solche Band gibt den Startschuß in das Konzertjahr 2016.

Manowar waren meine Eintrittskarte in metallische Musik, als mir im Jahr 1996 mein Brieffreund Achim diese, seine Lieblingsband, ans Herz legte. Man muß dazu sagen, dass ich Mitte der 90er Jahre vorwiegend in der Art Musik zu Hause war, die man damals auf Bravo Hits- Samplern fand. Eben das, was in den Charts lief. Und dann direkt Manowar, eine Band, die schon immer polarisierte.
Die in den Achtzigern stolz in Fell und Leder auf Promofotos posierten. Deren Liedtexte meistens folgende Worte beinhalten: ” Sword. Die. Kill. Fight. Odin. Brothers. Hail. Valhalla.”
Und die natürlich härter als alles waren, was ich zuvor kannte, daher wäre es wohl glatt gelogen, wenn ich behaupten würde, dass es direkt bei mir zündete. Da es die Zeit vor youtube und Internet war; man also nicht erst jederzeit in jedes Lied reinhören konnte, kaufte ich mir zunächst die Single-CD zu “Courage”, einer Rockballade mit tollem Text. Es gefiel mir und Stück für Stück wanderte der CD- Backkatalog der Alben in mein Regal. So auch “The Triumph of Steel”, welches bis heute wohl mein meistgehörtes Album ist, was wahrscheinlich an “Master of the wind” liegt. Ein Song der mir wahnsinnig viel bedeutet, wohl mein Lieblingssong aller Zeiten ist und auch mein Lebensmotto beinhaltet:

“For any day that stings, two better days it brings. Nothing is as bad as it seems.”
“Für jeden schlechten Tag kommen zwei bessere. Nichts ist so schlimm, wie es scheint”.

Der Ruf von Manowar war in den letzten Jahren nicht der beste. Vor allen Dingen die Großspurigkeit von Bandchef Joey de Maio, legendäre Interviews in Metalzeitungen, gespickt mit Aussagen, von denen man hoffte, dass er sie nicht ernst meinte, haben das Ansehen der Band nicht gerade verbessert. Mir war es jedoch immer recht egal, was Joey so von sich gab, und dass die neueren Alben nicht die Klasse der alten erreichten. Denn Manowar hat Eric Adams, für mich einer der besten Sänger im Metal, der jeden Song mit seiner Stimme veredeln kann.
Man möge mir diese ellenlange, sehr persönliche Einleitung verzeihen, aber es war mir wichtig, den Stellenwert dieser Band für mich hervorzuheben. Holly’s Band ist Manowar weniger, nichtsdestotrotz hat er organisiert, dass mir die Eintrittskarten für das Konzert in Düsseldorf zu Weihnachten geschenkt wurden. In all den Jahren meines Fan-seins habe ich es nämlich nie geschafft, Manowar live zu erleben und mußte mich mit den Live-DVDs begnügen.

Nun war es also endlich soweit!

Welcher Song könnte das Konzert wohl besser eröffnen als “Manowar”? Wenn es schon keine Bandvorstellung a`la “Joey deMaio am Bass, Eric Adams Gesang, Karl Logan an der Gitarre und Donnie Hamzik am Schlagzeug” gibt, stellen sie sich halt musikalisch vor. Der gut gefüllte Innenraum ging mit, auf den Rängen war es etwas ruhiger.Der Bühnenaufbau war gigantisch (vor der Halle stand dementsprechend eine ganze Flotte von Trucks) und stellte einen riesigen Tempel dar; im Inneren eine große Videoleinwand, auf der stets zu den Songs passende Animationen oder Filme liefen. Hinzu kam die passende Lightshow, Nebelfontänen, sowie Feuerbälle. Allerdings hätte man sich die beiden Bildschirme an den Bühnenrändern sparen, bzw. diese noch etwas versetzen können, denn von unserem Winkel aus sah man z.B. Karl Logan kaum und Donnie Hamzik gar nicht.

Zurück zur Musik, denn die hörte buchstäblich nicht auf. Keine Ansagen zwischen den Songs, keine Ansprachen oder Interaktion mit dem Publikum: Manowar hauten einen Song nach dem anderen raus und keiner davon war eine Ballade zum Luftholen.

Die Songauswahl beschränkte sich überwiegend auf die Alben “Warriors of the world” und “Gods of War”. Einen ersten Stimmungshöhepunkt stellte “Kings of Metal” dar, denn der ganze Innenraum stand Kopf und ging mit. Im Anschluß folgte ein Solo von Karl und Manowar zollten einigen “Fallen Brothers” aus der Metalwelt und ihrer Crew zu den Klängen von “Heart of Steel” Tribut. Großer Jubel vor allem, als u.a. Ronnie James Dio oder Lemmy eingeblendet wurden. Aber auch Christopher Lee wurde geehrt und der “Erfinder des Heavy Metal”: Richard Wagner. Es ist bekannt, daß Joey den deutschen Komponisten sehr verehrt, aber die These, dass dieser den Metal erfunden hat, scheint mir ein wenig weithergeholt. Karl’s Solo ging direkt in Joeys Bass-Solo “Sting of the Bumblebee” über. Hätte man auch weglassen können, aber man kommt wohl nicht drum herum.

Schlag auf Schlag folgten im Anschluß ausnehmend schnelle Lieder: “King of Kings”, “Hand of Doom”, “The Lord of Steel”, “House of Death”, “The Dawn of Battle” und schließlich “Hail and Kill”, bei dem der ISS Dome kochte und selbst auf den Rängen stehend mitgegangen wurde.

Damit hätten wir den Hauptteil auch schon fertig und Joey suchte das erste Mal verbal mit dem Publikum Kontakt. Zu jedem Manowar-Konzert gehört eine Ansprache von Joey, die sich im Grunde so zusammenfassen läßt: “Fuck the world, schwing dein Ding und hau weg die Scheiße”. Manche fragen sich vielleicht kurzzeitig, ob sie plötzlich bei einem Standup-Comedy-Act gelandet sind, aber die Ansagen sind legendär. Die Nachricht, die Joey allen vermitteln möchte (zwischen den ganzen “Shit”s und “Fuck you”s), ist jedoch prinzipiell gut: Mach und tu das, was du selber willst, egal, was andere über dich sagen. Als Zugaben hatten Manowar noch ” Warriors of the world united” und den Gassenhauer “Black wind, fire and steel” zu bieten, bevor das Licht auf der Bühne ausging und “The Crown and the ring” vom Band lief.

Viele Stimmen im Internet kritisierten die kurze Spielzeit von knapp 90 Minuten. Klar haben Manowar früher bedeutend länger gespielt und ich hätte gegen 3-4 Lieder mehr auch nichts einzuwenden gehabt. Wir sprechen hier jedoch – mit Ausnahme von Joeys Ansprache- von reiner Spielzeit. Andere Bands mögen vielleicht 2 Stunden füllen, dazwischen sind jedoch immer noch Ansagen, Bandvorstellungen, längere Solos, etc. Zudem spielt ein Alice Cooper oder KISS auch nicht wesentlich länger. Es erscheint einem jedoch gefühlt länger, da es meist noch eine Vorguppe gibt, Bühnenumbauten, etc und der Hauptact selten um 20:15 Uhr beginnt. Man kann sagen, Manowar haben so lange gespielt, wie ein Tatort dauert. ;-)
Dass manche sogar das Fehlen einer Vorband bemängeln, will mir allerdings nicht in den Kopf. Klar entdeckt man ab und zu neue Perlen, meist wünsche ich mir jedoch, dass endlich der Hauptact beginnt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich den Abend sehr genossen habe. Der Sound war für mich super und Eric Adams singt die höheren Töne noch genauso problemlos wie auf CD. Ein Kritikpunkt ist allenfalls die Setlist, bei der eindeutig einige Hits fehlten, u.a. natürlich Master of the wind. Der Preis der Eintrittskarten war zwar stattlich, doch die kann man sich ja notfalls wieder schenken lassen. ;-) Überhaupt sahen viele Fans das Preis-Leistungsverhältnis als Abzocke, denn umgerechnet kostete eine Spielminute einen Euro und auch beim Merchandise kosteten T-Shirts 35 €. Schon happig, allerdings gilt sowohl für Eintrittskarten, als auch für Shirts: Man muß sie nicht kaufen.
Ich für meinen Teil habe den Konzertabend nicht bereut und wenn die “Metal Warriors” in Zukunft nochmal den Weg nach Deutschland finden, bin ich in jedem Fall wieder dabei. Gerne dürfen sie dann die Setlist ändern und mehr Songs aus den Alben vor “Warriors of the world” berücksichtigen.


In diesem Sinne, Hail and Kill zusammen!

Pictures of Steel

 

 

 

 

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Lebensweisheiten vom schwarzen Mann

Voodoo in Würgendorf

Los geht’s im neuen Jahr mit einem alten Bekannten. 2009 haben wir Dave Davis bei einer Aufzeichnung vom “Satire Gipfel” in München kennen und schätzen gelernt. Bis dato kannten wir den afrikanischen Klomann mit weißem Kittel und Haube nicht, aber er war der Star des Abends. Zumindest für uns. Zweimal haben wir sein erstes Progamm danach noch live gesehen, aber beim zweiten Programm haben wir ausgesetzt.
Mit seinem dritten Live-Programm “Afrodisiaka”, gastierte er im kleinen und gemütlichen Heimhoftheater. Und damit gebührt ihm die Ehre, den Plueschblog im neuen Jahr zu eröffnen und etwas Farbe hereinzubringen.

Seit unserer letzten Vorstellung hat Motombo seinen weißen Kittel und die Haube abgelegt. Oder steht dort doch Dave Davis auf der Bühne? Die Linie zwischen Künstler und Kunstfigur verschwimmen bei dem neuen Programm. Auf jeden Fall hat der Maximalpigmentierte eine neue Berufung gefunden, er möchte das weiße Material im Raum coachen. Direkt am Anfang verschaffte er sich eine Übersicht, über die anwesenden Menschen. Nicht nur die ersten Reihen wurden direkt angesprochen, auch der einzige Türke im Raum weiter hinten wurde von der Bühne aus begrüßt. Besonders über die Familie aus Afrika im Partnerlook, freute sich Dave sichtlich.

Genau um die Vielfältigkeit der Gesellschaft dreht sich Afrodisika. Es geht darum, daß wir alle aus dem gleichen Material sind, egal wie die Oberfläche aussieht. Der Mann aus Nfuddu hält den Deutschen den Spiegel vor und weist sie daraufhin, wie gut sie es haben. Sie haben nur verlernt, es zu sehen. Außerdem sollten wir uns nicht von den Medien beeinflussen lassen und uns vor allem nicht einreden lassen, wie wir auszusehen haben. Jeder Mensch sollte sich und andere akzeptieren, wie sie sind. Wichtige Botschaften in einer Zeit, in der viele Menschen das glauben, was ihnen täglich vorgesetzt wird und diesem Zerrbild nacheifern.

Zu den ganzen ernsten Themen gesellten sich noch die wichtigen. Nebenbei wurden nämlich noch alle weiblichen Probleme auf fünf Ursachen zurückgeführt und damit gab es die Lösung für sämtliche Beziehungsprobleme. Coaching für alle Lebenslagen. Bei allen Themengebieten kam das Lachen nie zu kurz, denn der Schokokrieger referierte nicht nur trocken, er würzte seine Ansichten mit amüsanten Anekdoten aus seinem erfahrungsreichen Leben. Dadurch schlug dem sympathischen Coach von Anfang an große Begeisterung im kleinen Theater entgegen und das Material kam aus dem Lachen nicht heraus. Dabei verfiel er den ganzen Abend über immer mal wieder in die kölsche Mundart, aber auch sächsich, nordisch oder gar russische Akzente hatte der Schamane drauf. Diese lebendige Art veranschaulichte die Erfahrungen, die der Afrikaner in Deutschland mit anderen Menschen, Freunden, Kollegen und an Karneval gemacht hat, auf sehr unterhaltsame Weise.
In der Zugabe hatte Prinz Nougat einen letzten Tipp parat. Die Menschen im Saal sollten aufhören, ihr Leben durchzuplanen und anfangen, im Jetzt zu leben. Jeden Tag etwas Verrücktes machen. Mit dieser Weisheit zum Schluß, entließ er die Menschen nachdenklich lachend in die kalte Januarnacht. Coaching gelungen.

Unsere leichte Skepsis, weil beim letzten Auftritt, bei dem wir anwesend waren, nicht jeder Gag gezündet hat, war völlig unbegründet. Dave Davis hatte, mit oder ohne Motombo, das Publikum von Anfang an in der schwarzen Hand. Die in lustige Erlebnisse eingebettete Gesellschaftskritik ist sehr gelungen und es gibt in den ganzen zwei Stunden keinen Durchhänger. Vor diesem schwarzen Mann muß man keine Angst haben, nur zuhören. Es lohnt sich.

Fotodisiaka

 

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