Lüdenscheid rockt

Spontaner Jahresabschluß

Wir möchten nicht mit Schulden ins neue Jahr starten, daher reichen wir noch schnell einen Konzertbericht nach, zu dem wir bisher nicht gekommen sind. Los geht’s!

Ein blonder Weihnachtsengel hat unsere Pläne im Dezember etwas über den Haufen geschmissen. Nein, in dem Fall ist nicht von Andreas Schleicher die Rede, sondern von der Metal Queen der Herzen.
Wir hatten uns dafür entschieden, Doro Anfang Dezember in Duisburg einen Besuch auf ihrer Wintertour abzustatten, obwohl das Konzert in Lüdenscheid eine Woche später, näher lag. Aber dort sollten so viele Bands spielen und das lange Stehen macht sich in unserem Alter schon bemerkbar. ;- ) Außerdem ließ sich das Konzert im Steinhof mit anderen Besuchen verbinden. Lieb wie Doro aber nunmal ist, hat sie den Besuchern des Duisburger Konzertes ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gemacht und alle nach Lüdenscheid eingeladen. So eine Einladung schlägt man natürlich nicht aus. Daher haben wir uns sieben Tage nach Duisburg spontan auf den Weg ins Sauerland gemacht. Früh genug für die erste Reihe, standen wir dann vor den verschlossenen Toren der Schützenhalle.

Archer:
Dylan Rose Gesang, Gitarre
David Desilva Bass, Gesang
Keyhan Moini Schlagzeug

Archer begannen den Abend pünktlich und versuchten in der noch spärlich gefüllten Halle die Stimmung anzuheizen. Die Kalifornier supporten Doro auf der aktuellen Tour, so daß wir auch sie bereits in der Vorwoche gesehen hatten. Die Musik der Drei ging in Richtung Thrash-Metal, es verwunderte daher nicht, als sie neben ihren eigenen Liedern, ein Lied ihrer Landsleute Megadeth in ihr Set einbauten. Es war unverkennbar, daß dieser Song mehr abgefeiert wurde, als die Eigenkompositionen, weil es einfach bekannter war. Generell haben Archer die undankbare Aufgabe gut gemeistert und die überschaubare Menge auf den Abend eingestimmt. In Lüdenscheid haben sie bei uns einen besseren Eindruck hinterlassen, als noch in der Vorwoche, was sicherlich am besseren Sound lag. Die Band ging danach vor der Absperrung her und schüttelte fleißig einige Hände der ersten Reihen um sich für die Unterstützung zu bedanken. Währendessen wurden die Banner eingerollt und die Bühne umgebaut, denn es ging von Kalifornien in den Ruhrpott.

Mit AXXIS, der Band um Bernhard Weiß, sind wir bisher noch nicht wirklich in Berührung gekommen, obwohl sie schon 25 Jahre aktiv ist. Ich kann mich noch an eine Fernsehwerbung auf Tele 5 von Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger erinnern. Eine Freundin, die ungefähr so alt wie die Band selber ist, mag AXXIS sehr gerne, aber das war es schon mit Berührungspunkten. Bewußt gehört oder gesehen hatten wir noch nichts und waren dementsprechend gespannt, was auf uns zukommen würde. Es waren fünf sympathische Herren in schwarz, die der Halle recht ordentlich einheizten. Los ging es mit “Living in a Dream” und schon nach wenigen Takten fraßen die Zuschauer der Band aus der Hand.
Zu “Touch the Rainbow” holte Bernhard Weiß den zwölfjährigen Tizian auf die Bühne. Er versprach ihm, es würde nicht peinlich und hielt Wort. Tizian durfte bei der akustischen Präsentation des Liedes den Schellenkranz bedienen und auf ein Tomtom eindreschen. Er ließ es sich nicht zweimal sagen, sich auch die anderen Musiker aus der Nähe anschauen zu können und ging von rechts nach links über die Bühne, als wäre er die Situation gewöhnt. Zum Abschluß gab es noch ein Foto von ihm vor der Menge. Alles andere als peinlich.
Der Auftritt von AXXIS war ebenfalls alles andere als peinlich. Die Band hatte mit ihrem melodischen Hardrock die beachtliche Begeisterung im Publikum redlich verdient. Jedes Lied ging gut ins Ohr und verleitete nicht wenige Arme nach oben, um im Takt mitzugehen. Bernhard Weiß bewegte sich unentwegt, versuchte den Bandnamen zu tanzen und zeigte sich in den Ansagen sichtlich begeistert von der Stimmung in der Halle. Er forderte eine Wiederholung der Metalnacht am gleichen Ort im kommenden Jahr. Die inzwischen gut gefüllte Halle und wir, hätten nichts dagegen. Gerne wieder mit AXXIS, mit denen wir jetzt ein gutes Konzert verbinden. War ein guter Einstieg für die zwei Künstler, wegen denen wir gekommen waren. Als Bonus gab’s AXXIS. :- )

AXXIS – Gallery of the Night

Nach dem Abgang der Band, begann wieder das Herumwuseln auf der Bühne. Das Schlagzeug wurde abgebaut und das nächste hereingerollt. Mittendrin ein britischer Kugelblitz. Blaze Bayley persönlich verteilte die Setlisten für seine Mitmusiker. Dabei handelte es sich nicht um Absolva, die den Briten auf den letzten eigenen Touren musikalisch begleiteten, sondern vier andere Musiker, die ihn nur bei diesem speziellen Iron Maiden Set unterstützten. Blaze wollte den Lüdenscheidern etwas besonderes bieten und Lieder der britischen Metal-Institution darbieten, bei denen er einige Jahre am Mikro gestanden und für die er zwei Alben eingesungen hat. Da Iron Maiden zum Standard-Repertoire der meisten Metaller gehören, fiel es Blaze nicht schwer, die anwesenden Fans mit Hits wie “The Trooper”, “Run to the Hills” u.a., zum mitsingen und -gehen zu animieren. Dazu fegte er wie gewohnt über die Bühne und poste mit den Musikern. Dadurch fiel nicht auf, daß Blaze vorher nie mit ihnen gespielt hatte. Alle wirkten,  als würden sie schon länger gemeinsam auf der Bühne stehen. Und die Musiker schienen die Stimmung in der Schützenhalle besonders genossen zu haben. Gerade der Bassist stand oft breit grinsend am Bühnenrand.
Das Lied “Fear of the Dark”, von dem wir eigentlich gehofft hatten, Blaze würde es später mit Doro im Duett singen, beendete das kurze aber starke Set des Briten und seiner Mitstreiter. Die Halle war spätestens jetzt auf Betriebstemperatur und fieberte dem Hauptact entgegen.

Blaze Bayley – Fear of the Pics

Vorher folgte der letzte Bühnenumbau des Abends. Der schwarze Vorhang wurde abgehangen und zum Vorschein kam das Backdrop, dessen Motiv das wohl bekannteste Warlock-Cover “Triumph & Agony” ziert. Nur ersetzte der Name der Sängerin das alte Bandlogo. Wer braucht schon Warlock, wenn Doro eine starke Band im Rücken hat. Und das schon seit Jahrzehnten, so feierte ihr Bassist im Sommer 25-jähriges Jubiläum in der Doro-Band und Nick hat nichts von seinem jugendlichen Charme verloren. Johnny Dee, der zweite Amerikaner im Team, sitzt schon seit beachtlichen 23 Jahren am Schlagzeug und hält ihr die Treue. Der Italiener Luca Princiotta und der dauergrinsende Niederländer Bas Maas an den Gitarren, vervollständigen die internationale Gruppe um die immer freundliche Düsseldorferin.

Wie von Doro und Band nicht anders gewohnt, ging es vom ersten bis zum letzten Ton ab. Selbst in der Vorwoche, als Doro gesundheitlich angeschlagen war, merkte man davon auf der Bühne nichts. Wenn der Begriff Powerfrau auf jemanden zutrifft, dann auf Doro Pesch. Keine Sekunde stillstehen, immer am Bühnenrand, nah an den Fans, so rockte sie auch in Lüdenscheid. Wobei die erste Reihe durch eine Absperrung etwas Abstand halten mußte.
Das Set bestand aus vielen alten Warlock-Titeln, daneben gehört das Titellied vom letzten Studioalbum, “Raise your Fist (in the Air)”, zur aktuellen Setlist, die gerne von Auftritt zu Auftritt variiert. Man glaubt ihr einfach, daß “Rock till Death” nicht nur ein Lied, sondern ihr Lebensmotto ist. Mit so einer Band im Rücken, kann nichts schiefgehen. Allen voran Nick, der sympathische Amerikaner, der hinter dem Bass zum Tier wird, rennt und springt über die Bühne als gäbe es kein Morgen mehr. Aber auch die beiden Gitarristen feuern die Fans unentwegt an. Eigentlich unnötig, denn die Stimmung war grandios und jeder Song wurde lautstark abgefeiert.

So ließen sich die Musiker nach “All we are”, das den regulären Teil beendete, nicht lange bitten. Luca und Bas lieferten sich ein Gitarrenduell, daß in “Unholy Love” mündete. Der Zugabenteil bei Doro ist immer ein Wunschkonzert. Es werden die Lieder gespielt, die sich die Fans wünschen. Das ist zwar bei Doro normal, aber schon etwas besonderes, denn normalerweise stehen die Zugaben fest. Nur bei Doro ist es Ehrensache, den Fans noch einige ihrer Lieblingslieder zu spielen. Bei ihrem Backkatalog ist das schon eine beeindruckende Leistung. Fleißig sammelte sie Wünsche aus den ersten Reihen, aber die Zeit reichte nur für eine Zugabe mehr als im Steinhof. “Revenge” beendete somit nach “Evil” den gelungenen Abend in Lüdenscheid. Natürlich ließ sie es sich nicht nehmen, direkt im Anschluß von der Bühne zu kommen um mit ihren treuen Fans zu quatschen und Autogramme zu geben. Die Aussage “You’re my Family” meint sie ernst.

Diese spezielle Verbindung zwischen Fans und Künstlerin machen die Konzerte immer zu etwas Besonderem, das man sich auch gut zweimal innerhalb einer Woche anschauen kann. Und so schlimm war das lange Stehen gar nicht, wenn man so gut unterhalten wird. Die vier Bands haben für einen gelungenen Jahres-Konzertabschluß gesorgt. Doro – Unholy Pics

Doro’s Konzert in Duisburg hat sich nicht groß unterschieden, daher ersparen wir uns einen zweiten Bericht. Möchten euch aber trotzdem ein paar Eindrücke des Konzertes nicht vorenthalten. Here are the Metalpics

Damit können wir schuldenfrei ins neue Jahr gehen. Auch 2016 werden Euch im Plueschblog alte Bekannte und neue Gesichter erwarten. Bis dahin wünschen wir allen Blogbesuchern einen guten Rutsch!

 

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Nachträglisses Türm’se

Swedisser Kasseler

Wollte is dieses Jahr jeden Monat einen Bismarckturm sehen und hat es fast geklappt’e. Aber weil is an einer Überass’ung gesessen habe, wollte is nis alles vorab posten’e. Das Ges’enk ist überreis’t und daher kann is endlis die anderen Fotos von meinen Turmreisen zeigen’e. Die Fotos und kurze Beriste dazu werde is hier nach und nach veröffentlissen’e.

Die Kasseler haben de Turm gut auf einem Berg versteckt und viel Wald herum gepflanzt, damit man ihn nis direkt sehen kann, ete.

War es nis einfach, erst einen Parkplatz und dann den Turm zu finden’e. Zum Glück gab es später ein Hinweisschild im Wald, ete. Bei s’wülem Wetter mußten wir einen bewaldeten Berg besteigen’e. Hart erarbeitete Fotos, aber der Blick auf die Stadt Kassel und die umliegenden Wälder von oben war sehr s’ön’e.

Und obwohl es sehr anstrengend war’e, sind wir von Kassel aus noch zu dem zweiten Turm in Mengerinhausen gefahren’e, aber das hatte is bereits im Frühjahr beristet, ete.

Vers’witzte Galerie

 

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Frohe Weihnachten

Der Plueschblog wünscht Allen
besinnliche Weihnachtstage und ganz viele Nüsse.

Wir bedanken uns bei den 50.000 fleißigen Besuchern,
den aktiven Kommentatoren und den stillen Mitlesern.
Nicht zu vergessen den Künstlern und Türmen, ohne die
unsere Galerien nicht so prall gefüllt wären.

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Der Arbeiter der Liebe ist zurück

Ein Abend mit einem Steiffen 

Wir sind am Mittwoch einem Licht nach Köln gefolgt, denn ein Stern am Schlagerhimmel hatte seine Niederkunft im Gloria angekündigt. So daß wir, fast genau ein Jahr nach unserem ersten Konzert, wieder vor den Toren eines deutschen Clubs standen und auf den Steiffen warteten. Und auf den Einlass, der sich leider um fast eine halbe Stunde verzögerte und uns etwas in der Kälte bibbern ließ. Grund könnten technische Probleme sein, denn als wir endlich im Warmen vor der Bühne unseren Platz einnahmen, stand Dr. Haseland, Tastenvirtuose und Hobbyelektriker, hinter dem immens teuren “Ferien vom Rock ‘n Roll”-Logo, schraubte, leuchtete und tat, aber leider ohne sichtlichen Erfolg. Das Roll widersetzte sich standhaft allen Versuchen und weigerte sich zu erstrahlen.

Er gab dann irgendwann auf, und die Bühne für Shane Alexander frei. Der Amerikaner betrat mit über zwanzig Minuten Verspätung und einer akustischen Gitarre die Bühne. Schlicht und sympathisch bestritt er mit seinen ruhigen Liedern das Vorspiel. Die Stücke wußten durchaus zu gefallen, aber musikalisch paßten sie nicht zum Hauptact. Was man den verhaltenen Reaktionen und der anhaltenden Unruhe im Gloria anmerkte. Für uns war es ein netter, ruhiger Einstieg in den Abend, aber wahrscheinlich war es einfach der falsche Rahmen, bei dem die Qualitäten von Shane Alexanders Liedern nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdienten. Beim letzten Lied übertrug er den Zuschauern die Verantwortung für ein paar Oh, Oh, Ohs und da sangen alle mit.

Der positive Aspekt einer Vorband, die nur eine akustische Gitarre benötigt, ist der schnelle Bühnenumbau. Daher dauerte es, sehr zur Verzückung des vor Vorfreude platzenden Publikums, nur einen kurzen Moment bis sich das Bernsteinzimmer der guten Musik selber anpries. Er ließ die Zuschauer direkt wissen, wie gut es war, daß er hier war. Der Jubel im ausverkauften Saal schien ihm zuzustimmen. Wenn der Christian kommt, herrscht einfach überall zügellose Freude und eine ekstatische Hochstimmung.
Die Menge hing dem vor Sexappeal strotzenden Sängers vom ersten Ton an den Lippen und sang alle Lieder mit. Auf die Textsicherheit kam es auch bei dem Stück “Du und ich” vom neuen Album an, denn Christian fragte einige Frauen, ob sie es kannten, weil er eine Duettpartnerin benötigte. Maren durfte dann zum Playback auf die Bühne und den weiblichen Part mimen. Sehr zu Begeisterung des Publikums, das direkt eine Zugabe von der blonden Neuentdeckung einforderte, die Maren aber erst in den Zugaben geben konnte. Wo auch sonst. :- )

Generell ist es immer wieder bewundernswert, wie sympathisch und gekonnt Christian Steiffen mit dem Publikum vor und auf der Bühne umgeht. Neben Maren hat er kurzerhand Sabine auf die Bühne gebeten, die mit ihm tanzen wollte. Das ließ sich der Arbeiter der Liebe natürlich nicht zweimal fragen, denn wenn er eines kann, außer singen, ist es das Tanzbein schwingen, inklusive Überwurf. Daran merkt man seine jahrelangen Erfahrungen auf Tanzflächen und vor allem auf den den Bühnen der Nation und den unterschiedlichsten Leuten davor. Nichts schien den Steiffen aus der Ruhe zu bringen. Er meisterte alles mit Charme und Contenance.

Mit zwei Alben im Gepäck war er nicht mehr auf Stücke von anderen Künstlern angewiesen und stellte die Setlist aus seinen beiden Scheiben zusammen. Ohrwurm folgte auf Ohrwurm und jedes Lied wurde abgefeiert. Wobei viele natürlich auf DEN Steiffen-Hit “Sexualverkehr” gewartet hatten und entsprechend laut mitgrölten.
Mehrmals am Abend teilten die Zuschauer lautstark ihre Sympathie für den Mann an den Tasten mit. Es ist schwer, gutes Personal zu finden, so daß nicht nur Christian, sondern auch die Fans Dr. Martin Haseland zu schätzen wissen. Wie immer wechselte dieser an dem Abend behende zwischen den Instrumenten, die rechts und links auf der Bühne aufgebaut waren. Was leider ungespielt blieb, war die kleine Trompete, die im Hintergrund lag. Was viele nicht wissen, das Original Haseland Orchester ist nicht nur eine Koryphäe an Keyboard und Orgel, sondern auch eine Kapazität am Blechblasinstrument. Hoffentlich findet sein Können auf diesem Instrument irgendwann wieder den Weg in ein Programm.

 Dafür griff Christian Steiffen sich seine Gitarre und rief Shane Black zum Eiervergleich zurück auf die Bühne. [Keine Angst, es wurde keine schräge Jugendsünde eines bebrillten Musikers nachgestellt. Obwohl man dazu genau drei Männer braucht. ;- )] Die Drei besangen nur “Die dicksten Eier der Welt”. Der Christian kann halt alles: Singen, tanzen, gut aussehen und Gitarre spielen. Und noch viel mehr, denn was uns letztes Jahr schon begeistert hat, ist die unbändige Energie des Steiffen. Vom ersten bis zum letzten Ton ist er unentwegt in Bewegung. Er springt, tanzt, singt und lächelt sich scheinbar mühelos durch seine Konzerte. Ein echter Entertainer der alten Schule, mit neuen Liedern. Meistens zumindest. Eins klingt einem bekannten Wolkenlied sehr ähnlich. Aber kein Grund um in Selbstmitleid zu verfallen, schließlich sind alles andere Eigenkompositionen, die direkt übers Ohr ins Herz gehen.

Eine kleine, persönliche Geschichte leitete das letzte Lied des Abends ein. Mit dem Titelstück des neuen Albums ging das Konzert ruhig und etwas nachdenklich zuende. Natürlich nur musikalisch. Im Gloria gab es kein Halten mehr und die Musiker wurden verdient und laut abgefeiert. Man merkte nicht nur dem Publikum, sondern auch Christian Steiffen die ehrliche Freude über den Zuspruch der anwesenden Zuhörer an. Er fand es sichtlich gut, daß sie hier waren. Lange ist er über Land getingelt und hat sich seine Fans erspielt. Und die Christianisierung ist nicht aufzuhalten, wie das ausverkaufte Gloria bewiesen hat.

Im Zugabenblock zog Christian Steiffen nochmal alle Register. Brachte die Menschen mit “Ich fühl mich Disco” ins schwitzen, bildete zur “Flasche Bier” eine Polonaise und schritt mit allen Anwesenden im Rücken durch den Zuschauerraum. Nachfolgend durfte Maren die eingeforderte Zugabe geben und sich den drei Musikern anschließen. Denn, unterstützt von Shane Alexander, wurde zum zweiten Mal an diesem Abend Christians größter Hit gespielt. Neunhundert Menschen teilten erneut lautstarkt ihre Lust auf “Sexualverkehr” mit. Danach gab es keinen im Gloria, der nicht die Einschätzung des Künstlers teilte. Er war wunderbar. Der Steiffen und der Abend.

Die Jünger der Christianierung wollten ihn aber nicht ohne weitere Zugabe gehen lassen, schließlich forderten sie diese seit dem zweiten Lied ein und so wurde noch “Ein Leben lang” vom ersten Album angestimmt. Passend zur Jahreszeit folgte als Rausschmeisser dann noch das Lieblingsweihnachtslied des Künstlers: “Leise rieselt der Schnee.” Nach diesen Zugaben war dann wirklich Schluß und Christian verließ endgültig die Bühne. Die faule Sau.

Vier Konzerte stehen dieses Jahr noch für Christian Steiffen, das Original Haseland Orchester und die Leuchtschrift an. Danach haben die Drei Zeit zum Energie tanken, um im neuen Jahr wieder neu zu erstrahlen, denn im Frühjahr wird die Tour auf bundesdeutschen Bühnen fortgesetzt. Geht hin und laßt Euch in die Arme dieses Ausnahmekünstlers fallen. Ihr werdet es nicht bereuen. Seine Konzerte bieten nicht nur Zuflucht vorm Rock ‘n Roll sondern auch Ferien vom Alltag.

Die dicksten Fotos der Welt

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Metro fahren in Remscheid

Heimspiel

Nachdem das Konzert in Bestwig leider abgesagt/verschoben wurde, freuten wir uns umso mehr auf den Konzertabend des Schleicher-Orchesters in der Komplettbesetzung in Remscheid.
Auch für den Protagonisten ist der Abend etwas ganz besonderes, denn dies ist das erste komplette Solo-Konzert von Andreas Schleicher in seiner Heimatstadt. Sehr zu unserer Freude wollen das noch viele andere Besucher erleben, denn die Klosterkirche in Lennep ist mit 140 Personen gut gefüllt. Zwei davon haben wir mitgeschleppt, aber wie wir den Rückmeldungen entnehmen konnten, haben sie das Mitkommen nicht bereut. ;- )

Um kurz nach acht geht es mit “Kurz vor acht” los und Andreas tritt von der Empore, musikalisch begleitet von den Jungs, hinunter zum Publikum. Schönes Bild: Der blondgelockte Engel schwebt in der Kirche hinab. ;-) Der Song ist ein idealer Einstieg in ein Schleicher-Konzert, denn mit seinen ruhigen Tönen wird der Zuhörer langsam in den Abend geführt.

Generell steigert sich der Spannungsbogen gerade im ersten Teil, was mir an diesem Abend insgesamt aufgefallen ist: “Nur mit dir” und “Füße in Beton” bedienen eher die leisen Töne, akustisch untermalt von “Andre Krengels Acoustic Embassy” und Marcus Möller an den Percussions, und auch der “Wellenklang” geleitet die Mädels sanft in den Abend. Diese steigern dann mit “Bis hier” und “Hunger nach Fisch” das Tempo, um dann bei “Genau mein Tag” und “Flaschengeist” mit dem gesamten Orchester eine vollständige Klangexplosion zu erreichen. Dies reißt auch das Publikum mit, denn die Reaktionen werden von Mal zu Mal euphorischer. In der ersten Reihe muß man sich beinahe festhalten, um nicht von den virtuosen Höhepunkten der letzten beiden Songs förmlich umgeblasen zu werden. An dieser Stelle auch ein Kompliment an den tollen Sound, für den erneut Thomas Naatz verantwortlich war.

Am Anfang scheint es Andreas etwas schwer zu fallen, in den Abend zu kommen, aber in der Heimatstadt zu spielen (obwohl Lennep nicht direkt Remscheid zu sein scheint, wie wir lernen durften), ist mit Sicherheit eine aufregende und spannende Sache. Das legt sich jedoch schnell und Andreas kann mit seinen gewohnt charmant-lustigen Ansagen überzeugen und das Publikum einbeziehen. Auf der Suche nach Worten, die sich auf “operieren” reimen, kommt an diesem Abend eine Antwort, die wir in den ganzen 7 Konzerten, denen wir beiwohnen durften, auch noch nie gehört haben: “Bleiben, wie sie sind”. Reimt sich jetzt nicht auf “-ieren”, aber die Message dahinter stimmt.

Der zweite Teil schickt einen (mich zumindest) immer wieder auf eine emotionale Achterbahnfahrt, natürlich wegen “Anderer Stern”. Da nimmt man sich fest vor, heute mal nicht zu weinen, aber das Vorhaben scheitert bereits schon während der Ansage zum Song. Doch auch die restlichen Zuhörer zieht der Song in seinen Bann, vor allem wegen der emotionalen Darbietung.
Die “Kleine Reise” und natürlich “Children” läßt einen anschließend jedoch den Kloß im Hals schnell schlucken. Beim zweiten “Hunger nach Fisch” haben die Damen wieder Pause und beschäftigen sich mit Mitgrooven und Pantomime (richtig, Frau Hangen?).

Als kleines Bonbon steht am heutigen Abend bei den Zugaben ein seltener Song auf dem Programm. “Metro” hat Andreas vor etlichen Jahren komponiert und unlängst auf einer privaten Feierlichkeit noch einmal zum Besten gegeben. Da an diesem Abend viele Freunde und Bekannte im Publikum sind, wurde das Stück kurzerhand mit in die Setlist aufgenommen. Eine Kombination aus Reinhard Mey (Strophe) und den Ärzten (Chorus), so der Komponist, die wirklich rockt und bei den Remscheidern (Bremerhavenern, Xantenern, Kölnern, Düsseldorfern, Siegenern….) sehr gut ankommt. “Ab 30” bildet auch in Remscheid das furiose Finale und entläßt freudige Gesichter in die laue, aber stürmische Herbstnacht. Wie immer ein toller Konzertabend, von dem wir uns noch viele weitere wünschen.

Apropos wünschen: Unserer Ansicht nach wäre es Zeit für ein Album “Mädchen UND Jungs”, auf dem dann u.a. “Flaschengeist, “Kurz vor acht”, “Kleine Reise”, “Wurm” und “Metro” zu hören sind, denn diese Stücke sind es allemal wert, auf CD gepreßt zu werden.
Bitte? :-)

Fotos nach Acht

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