Spontaner Albtraum

Wicked Old Man

Einer, der stetig die Bühnen dieser Welt unsicher macht, ist Alice Cooper. So kam es, daß er kurz nach der Classic meets Rock Tour schon wieder mit seiner eigenen Show in Dortmund gastierte. Obwohl er regelmäßig in Deutschland unterwegs ist und er eine besondere Rolle in unserem Leben einnimmt, haben wir ihn seit 2011 nicht mehr live gesehen. Entgegen unseren Gewohnheiten war dieser Konzertbesuch nicht Monate im voraus geplant. Morgens vor der Arbeit ging es zum lokalen Ticketschalter und nach der Arbeit direkt nach Dortmund, wo es sich bereits eine handvoll Fans vor den Türen bequem gemacht hatten. Zu unserer Überraschung waren viele junge Fans darunter und viele weibliche. Alice scheint auch im hohen Alter nichts von seiner Anziehungskraft verloren zu haben.

Pünktlich ging es in die kleinere Westfalenhalle, die zwar nicht ausverkauft war, aber in der von Anfang an eine gute Stimmung herrschte. Als das Licht ausging und “The Underture”, das Intro zu seinem letzten Album erklang, gab es schon kein Halten mehr. Unzählige Hände wurden in die Luft gereckt um den Meister des Shock-Rock zu empfangen, der seine Jünger mit “Hello Hooray, let the Show begin” begrüßte. Danach feuerte er “House of Fire” ab, ein Lied aus seinem zweiten Frühling, dabei liegt der auch schon 25 Jahre zurück. Wie schnell die Zeit vergeht. Was man Alice allerdings nicht anmerkt. So sieht kein Rockopa aus, auch wenn er sich im Laufe der Show auf Stock und Krücke stützt. Gimmicks, die seit Jahren zu den entsprechenden Liedern gehören, wie die schwarze Schminke um Alice’ Augen. Ansonsten bewegt er sich über die Bühne, führt verschiedene bekannte und neue Utensilien vor und rockt zusammen mit der Band durch den Abend. Ermüdungserscheinungen bei Alice, Band oder Publikum sucht man vergebens. Es gibt halt nur einen Alice Cooper der die richtige Mischung aus Rock, Theater und Horror so humorvoll und stilsicher auf die Bühne bringt.

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An der Band hat sich seit der letzten Tour nicht viel getan. Lediglich sein alter Weggefährte Ryan Roxie ist zurück an der Gitarre. Die Band hatte viel Spaß auf der Bühne und alberte während der Show miteinander rum und kommuniziert mit Blicken und Gesten mit dem Publikum. Stellvertretend für Alice, der für gewöhnlich keine Ansprachen hält, sich auf die Show konzentriert und lediglich am Ende die Musiker vorstellt. Kurz nach dem Konzert verabschiedete sich Orianthi aus der Band, so daß wir im Nachhinein froh waren, die australische Blondine, und erste Frau in Alice’ Band, nochmal live erlebt zu haben. Sie paßte perfekt ins männnliche Bandgefüge und harmonierte gut mit Alice.

Die Show wurde in der zweiten Hälfte theatralischer, als Alice mit übergroßem Zylinder im Nebel erschien und die Zuschauer zu seinem Albtraum willkommen hieß. Eine Pfadfinderin mit Karte in der Hand lief über die Bühne, auf der Suche nach der Jugendherberge am Crystal Lake. Horror Fans wissen, daß das die Wirkungsstätte von Jason Vorhees ist, der nicht lange auf sich warten ließ und sein vermeintliches Opfer hinter die Bühne zerrte.
Bei “Feed my Frankenstein” wurde wieder ein kleines Labor, wie aus den Gruselfilmen der 1930’ger, aufgebaut. Alice trug einen blutverschmierten, langen weißen Laborkittel, bereit, sein Monster zu erschaffen. Und wie schon auf der letzten Tour schaffte er es, ein riesiges Abbild von sich zu erschaffen, das mit über die Bühne lief und das Lied zuende sang. Damit war es wesentlich textsicherer als noch 2011. :-)

Wer öffentlich solche verrückten Experimente durchführt, muß sich nicht wundern, wenn sich andere Personen ängstigen und Maßnahmen ergreifen. So dauerte es nicht lange bis sich jemand Alice schnappte und in eine Zwangsjacke steckte um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Während des Liedes wurde er von einer Krankenschwester drangsaliert, gespielt von seiner Frau. Die meldete sich nach Jahren der Abstinenz zurück auf der Bühne und ersetzte ihre Tochter, die von 2000 bis 2009 diverse Rollen übernahm und sich scheinbar für die mißratene Erziehung an ihrem Vater rächte. Nicht selten hatte sie seinen Kopf in der Hand. Oder er ihren. Eine typische amerikanische Familie. Wahrscheinlich…
Selbst ein Ehering hielt Alice nicht davon ab, zu versuchen die Dame in weiß zu erwürgen. Die Strafe folgte auf den Fuß und damit der Höhepunkt jeder Show: die Guillotine wurde reingerollt.

Wenn die Klinge fällt und der Kopf rollt, gröllt das Publikum am Lautesten. Es ist zwar ein simpler Trick, doch er ist immer wieder lustig anzusehen und paßt einfach in die Gruselstimmung eines Cooper-Konzerts. Die Einlage ist halt nichts für zarte Gemüter, denn nach der Exekution holt der Henker den Kopf aus dem Korb, kommt zum Bühnenrand und zeigt ihn den begeisternden Zuschauern. Er gibt ihm einen langen Kuss, um dann das Blut in die Menge zu spucken. Erwischt hat es die Dame neben uns. :-)
Jetzt folgte die titelgebende Auferweckung. Auf der Bühne wurden vier Grabsteine, von Jim Morrison,  John Lennon, Jimi Hendrix und Keith Moon, eingeblendet. Alice erscheint und singt die Lieder der Toten. Die Coverversionen sind zwar nicht schlecht, wir hätten uns aber lieber vier Lieder von Alice selber gewünscht, schließlich hat er in seiner Laufbahn genug gutes Material geschrieben.

Neben dem Zylinder gehören einfach die schwarze Lederhose- und jacke zu dem Outfit, mit dem wir Alice verbinden. Da gehört er rein und es kommt zusammen was zusammen gehört. In dieser Montour spielte er zwei seiner bekanntesten Nummern, “I’m eighteen” und “Poison”, und leitete damit den Abschluß dieser kleinen Horrorshow ein. Sowohl auf, wie vor der Bühne wurde nochmal alles gegeben und die Lieder frenetisch abgefeiert. Folglich ließen die Zugabenrufe nicht lange auf sich warten. Alice, der weiß was er seinem Publikum schuldig ist, spannte niemanden in der Westfalenhalle lange auf die Folter und kam mit goldenem Jackett und Zylinder zurück. Bunte Luftballons wurden von Helfern in die Halle geworfen. Genau wie “School’s out” dürfen die Ballons bei einem Alice Cooper Konzert nicht fehlen. Während die Band Gas gab und Alice die Leute aus der Schule entließ, wurden die Ballons von den Händen des Publikums immer wieder weitergereicht. In Bühnennähe brachte Alice oder einer der Musiker die Ballons zum Platzen. Als kein Ballon mehr übrig war und die letzten Noten verstummten, beendete das angehende Saallicht diesen Rock-(Alb)traum

Bei Alice wird man nie enttäuscht und bekommt immer was man erwartet: eine neunzig minütige Rockshow. Wobei Show wirklich wörtlich zu verstehen ist. Eine grandiose Band, die die immer leicht wechselnde Setlist perfekt zum Leben erweckt und Alice den Rücken stärkt. Wir haben uns gefragt,  warum wir dieses Mal zögerten hinzugehen. Beim nächsten Mal werden wir die Karte an der Pinnwand wieder wochenlang vor Vorfreude anstarren wenn es wieder heißt: “He’s back”. ;-)

Raise the Pics

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https://youtu.be/4UFMfEMBK50
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Unter Geistern

Bleibt alles anders

Letztes Wochenende war es wieder soweit. Wir sattelten unsere Pferde und ritten in den Wilden Westen. Zum Glück liegt der Wilde Westen wesentlich näher, als man glauben mag, denn er befindet sich im benachbarten Sauerland. Fast seit Menschengedenken ;-) werden dort jedes Jahr die Geschichten von Karl May am Leben erhalten. Das Interesse an den Abenteuern von Winnetou und Old Shatterhand hat seit Erscheinen der Romane nichts von ihrer Anziehungskraft verloren und bringt jedes Jahr nicht nur alte Fans, sondern auch neue ins beschauliche Elspe. Dieses Jahr lockten die Festspiele mit zwei Besonderheiten. Nicht nur ein Geier sollte die Bühne unsicher machen, sondern ebenfalls der renommierte Schauspieler Martin Semmelrogge. Wir waren gespannt.

Irgendwie war dieses Jahr alles ein bißchen anders und trotzdem blieb alles wie gewohnt. So war der der Überfall auf den Zug der Central Pacific Railroad, der jedes Jahr auf’s neue gestoppt wird, direkt im Prolog des Stückes zu sehen. Dort überfiel die titelgebende Gangsterbande die Geier die Bahn. Dabei konnte man einen ersten Blick auf den Anführer werfen, der seine Bande vom Rand des Wasserfalls beobachtete und zusah, wie sie eine mitreisende Familie ermordeten. Der angeschossene und für tot gehaltene Sohn wurde von Indianern gefunden und mitgenommen.

Danach sprang die Handlung ein paar Jahre in die Zukunft, ins Jahr 1885 zu Helmers Home. Sara Helmer betrieb,  eine kleine Farm und Station für Durchreisende, die sie mit Essen und anderen nützlichen Dingen versorgte. Der Junge von einst, war inzwischen zu einem jungen Mann herangewachsen und hörte auf den Namen Bloody Fox, den er von den Indianern erhalten hatte.  Die Suche nach den Mördern seiner Eltern hatte er nicht aufgegeben und suchte immer noch am Llano Estacado nach ihnen.
Die Postkutsche lieferte umgehend ein paar Reisende ab, zu denen nicht nur der alte Bekannte Juggle Fred gehörte, der seine Freunde und die Zuschauer in Elspe mit ein paar Zaubertricks verblüffte, sondern ebenfalls der Mormonenpriester Tobias Preisegott Burton. Auftritt Martin Semmelrogge.

Zu dieser illustren Gesellschaft stießen Old Shatterhand, der auf seinen Blutsbruder wartete und ein paar zwielichtige Gestalten, die Geier. Schnell wurde klar, daß sich hinter der Fassade des Mormonenpriesters der Anführer der Gangsterbande, Weller versteckte. Er gab sich noch nicht zu erkennen, sondern spielte den göttesfürchtigen Mann um Informationen zu erhalten und sich dafür einsetzte, daß Sara ihre Munition den Geiern gab.

Winnetou ritt auf die Bühne und wurde Zeuge eines schlechten Omens, denn wenn sich Cochise sehen läßt, bedeutet es drohendes Unheil. Auftritt Geier.
Der soviel beworbene Geier flog einmal über die komplette Naturbühne. Da Geier sehr energiesparend und nie höher als nötig fliegen, flog der Geier Jack auch in seiner Rolle als Cochise nur knapp über dem Boden, daher war der Flug weitaus unspektakulärer als angenommen. Später durfte er noch einen zweiten Auftritt bestreiten und einmal zum Wasserfall fliegen.

Winnetou fand den Weg zu Helmers Home und seinem Freund Old Shatterhand. Und wie bei Bud Spencer und Terence Hill dauert es auch bei diesen beiden Haudegen nicht lange, bis es zu einem Faustkampf kommt. Und so bekommen die Geier ihre erste Abreibung. Als sie später die Farm überfallen wollen, sind es aber nicht die beiden Blutsbrüder, die das verhindern, sondern ein in schwarz gekleideter Geist. Generell hatte Winnetou dieses Jahr relativ wenig zu tun, stand doch Bloody Fox eher im Mittelpunkt. Quasi ein junger Old Shatterhand. Selbst der Komantschenhäuptling Schiba Bigk, der später das Kriegsbeil gegen die Weißen ausgräbt, läßt sich auf keine Diskussion mit dem Apachen ein, sondern zeigt ihm die kalte Schulter und schickt ihn weg. War das doch sonst immer die Stelle eines Kampfes im Stück. Später bekam Winnetou dann natürlich noch die Chance, seine Überlegenheit im Zweikampf zu demonstrieren, aber vom sonst immer angerufenen Gottesurteil war dieses Jahr keine Rede. Fast, als wolle man gezielt Vergleiche zu dem heimlichen Star der Bühne, Meinolf Pape, der letzte Saison nach 50 Jahren in den Ruhestand geritten ist, vermeiden. Wir hatten das auch vor, aber es fällt schwer. Tim Eberts Häuptling ist im Vergleich doch etwas blass und er strahlt nicht die Energie und das Charisma seines Vorgängers aus. Aber schauen wir mal, wie er sich in fünfzig Jahren schlägt, dann ist ein Vergleich fairer. :-)

Vielleicht liegt Winnetous Kürzertreten an Martin Semmelrogge, der als Weller mehr Zeit auf der Bühne verbringt, als für Bösewichte üblich. Zumindest bekommt man den Eindruck. Er spioniert, noch immer in Verkleidung als Mormonenpriesterm, einen Treck aus, angeführt von Markus Lürick. Markus Lürick spielt in den letzten Jahren immer die lustigen Nebenrollen, dieses Jahr den schottischen Diamantensucher. Er kann sich mit seiner sympathischen Art neben seinem bekannten Kollegen beweisen, der ihn später mit seiner Bande entführt.

Winnetou und Old Shatterhand verfolgen die Geier zusammen mit Bloody Fox und stellen diese am Wasserfall. Vor Wasserfall ist in diesem Jahr eine Hängebrücke installiert, von der aus Weller seine letzten Worte ausstößt, bevor er von Bloody Fox zur Strecke gebracht wird. Von einer Explosion, die die Hängebrücke teilt, wird Weller in die Tiefe gerissen. Bloody Fox hat den Tod seiner Eltern gerächt. Nebenbei gab er sich als Geist zu erkennen, entsorgte das schwarze Kostüm und schloß Sara in die Arme. Happy End, zu dem Winnetou und Old Shatterhand dieses Jahr sehr wenig beigetragen haben. Es mag ein subjektiver Eindruck sein und ist auf keinen Fall als Kritik gemeint, denn auch 2014 erfüllt Elspe wieder alle Erwartungen an eine unterhaltsame Vorstellung, mit reitenden Indianern, spannenden Faustkämpfen, knallenden Schusswechseln und einem sprudelnden Wasserfall zum Finale.

Wie gewohnt ritten alle Beteiligten unter dem Jubel der Zuschauer zum Schluß über die Bühne. Traditionell werden die Helden beklatscht und die bösen Buben ausgebuht. Als Martin Semmelrogge auf die Bühne ritt und dem begeisterten Publikum mit seinem Hut zuwinkte, war sich das Publikum unsicher ob es klatschen oder buhen sollte. Es war ein komischer Mischmasch zu vernehmen, der aber die Begeisterung nicht verhehlen konnte. Verdient war die Anerkennung auf jeden Fall. Die begeisterten Zuschauer strömten zum Ausgang und die Schauspieler in die Gaderobe. Da es die ganze Vorstellung über geregnet hatte, waren sie sicherlich froh, aus den nassen Kostümen zu kommen.

Wir reiten nächstes Jahr wieder in den Wilden Westen und können nur jedem empfehlen, auch einmal das Pferd zu satteln und das Navi an der Satteltasche auf Elspe einzustellen. Howgh! :-)

Fotourteile

 

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Schau was kommt von Draußen rein

es wird ein kleiner Geier sein.

Gestern hatten wir kurz das Fenster auf um durchzulüften, da flog uns dieses possierliche Tierchen zu.

Er ist noch etwas schüchtern und verstört. Die Couchgang hat ihn direkt interessiert beäugt und beruhigt. Jetzt beraten sie, ob er einen Platz auf der Couch erhält. Vielleicht nimmt es unsere Eule Hedwig unter ihre Fittiche.

Wir halten Euch auf dem Laufenden und bis dahin arbeiten wir am nächsten Bericht. Vielleicht ahnt der eine oder andere anhand des Tieres schon, von was der handelt. ;-)

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Sitzmetal

Farben in der Straße

Nein, hiermit sind nicht Kinderzeichnungen aus bunter Kreide gemeint, vielmehr ist dies die wörtliche Übersetzung des aktuellen Tourneenamens von Tarja Turunen. War die hübsche Finnin erst vor gut einem halben Jahr im Lande, kam sie im Mai für eine Handvoll Konzerte wieder nach Deutschland.

Hatten wir in Düsseldorf erst 2 Wochen zuvor Doro gesehen, rief Tarja uns in dieser Stadt in einen für uns historisch bedeutsamen Bau. Im Stahlwerk erlebte ich nicht nur mein erstes Rock-Konzert überhaupt, der Protagonist erwies sich letztendlich als unser Amor, den wir dort gemeinsam gesehen haben und ohne den der Blog nicht existieren würde. Aber zurück zur Gegenwart, denn auch dieses Konzert war etwas Spezielles: ein bestuhltes Metalkonzert. Warum man so etwas plant, entzieht sich unserer Kenntnis, aber wir waren neugierig, wie dies funktionieren würde. Obwohl wir verhältnismäßig spät und erst ca 1 Stunde vor Einlaß da waren, reichte es für einen Platz in der ersten Reihe. Freie Fotosicht war also garantiert.

Der Abend wurde musikalisch von der niederländischen Band “The Name” eingeläutet, die soliden, jedoch unspektakulären Metal mit weiblichem Gesang darboten. Nach nur ungefähr 6 Stücken war bereits wieder Schluß und die Bühne wurde für Tarja vorbereitet und ein halbtransparenter Vorhang aufgezogen. Bald setzte das Intro ein und Tarja und ihre Band legten mit “In for a kill” los. Der Vorhang fiel und keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Der ultimative Beweis, dass Sitzplätze für ein Metalkonzert völlig fehl am Platz sind. Dies ist bei Tarjas klassischen Konzerten nachvollziehbar, aber nicht bei einer Show, bei der mitgegangen, geklatscht und gefeiert werden soll.

Das Bühnenbild war geprägt von gespannten Stoffbahnen, die während der Show verschiedenfarbig ausgeleuchtet wurden. Überhaupt spielten Lichteffekte bei den Shows in diesem Jahr eine größere Rolle und sorgten, wie der Name der Tour bereits beinhaltet, für farbige Akzente.
Die Publikumsreaktionen waren von Anfang an euphorisch und sind nicht mit den Anfangstagen von Tarjas Solokarriere zu vergleichen. Der sympathischen Sängerin merkt man zudem an, dass sie die enorme Unterstützung zu schätzen weiß und sie wird auch nicht müde, dies in den Ansagen zu erwähnen. Das neue Album dominierte die Setlist: Gleich 8 Stücke waren an diesem Abend von “Colours in the dark” vertreten, unter anderem die gelungene düstere Coverversion von Peter Gabriel’s “Darkness”.

Zwischendurch fanden sich mit “I walk alone”, “Anteroom of Death”und “Die alive” Songs, die mittlerweile einen festen Platz in Tarja’s Shows  haben. Sehr positiv zu erwähnen ist, dass sich Tarja mittlerweile schon so als Solokünstlerin etabliert hat, dass sie nun auf Nightwishkompositionen komplett verzichten kann. Kein “Nemo” oder “Wishmaster”, lediglich “Over the hills and far away” blieb als Überbleibsel aus der Nightwish-Zeit (jedoch aus der Feder von Gary Moore, somit keine Komposition von Tuomas Holopainen). Nicht jedem ist diese Tatsache wohl aufgefallen, denn als Tarja ihr Stück “Medusa” mit dem Worten “I wrote this song a long time ago” ansagte, brüllte tatsächlich jemand “Nemo”.

Die Bandkonstellation war die selbe wie im letzten Jahr und man merkt den Musikern ihre langjährige gemeinsame Tourerfahrung an. Es wurde viel gescherzt und gelacht, insbesondere Mike Terrana schien einen Clown gefrühstückt zu haben und schnitt fröhlich Grimassen. “Victim of Ritual” läutete schließlich die Zugaben ein und Tarja gestikulierte dem Publikum, es solle doch nach vorne an den Bühnenrand kommen. Einige schienen darauf nur gewartet zu haben, jedenfalls war der Mob nicht mehr zu halten und die Leute sprangen buchstäblich über die Stühle, um Tarja ganz nahe zu sein. Während der letzten drei Songs des Abends hatte man dann wirklich das Gefühl, auf einem Metalkonzert zu sein, denn vor der Bühne wurde es richtig eng und wild.  Nach “Until my last breath” sollte eigentlich Ende sein, doch Tarja brachte es angesichts der Ekstase der Düsseldorfer nicht über das Herz, die Bühne zu räumen. “Ciaran’s Well” beschloß dann jedoch endgültig den Abend.

Tarja bietet eine gute Show, keine Frage. Live machen die Lieder noch einen Tick mehr Spaß als auf CD und die Tatsache, dass ihre Shows als “fotofreundlich” deklariert werden, freut natürlich die Fotografin. :-) Allerdings frage ich mich, wieso die gleiche Show beim gleichen Veranstalter mittlerweile fast 10 € mehr kostet als noch vor einem halben Jahr. Sollten die Ticketpreise für die nächste Tour ihr Niveau halten, wird uns Tarja sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Pictures of Ritual

 

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Das Ende der Funkstille

Du und ich, wir 3

Keine Angst, die Drei haben sich nicht aufgelöst, sie sind, mit einer sichtbaren Veränderung, wieder auf deutschen Bühnen unterwegs. Die Poster am Eingang mit dem durchgestrichenen Oleg Pop machen es schon erkennbar, er hat die Funkstille verlassen. Nachdem er in den letzten Jahren genug Trinkgeld gesammelt hat, ist er zurück in seine russische Heimat und hat seinen Traumjob beim Moskauer Staatsballet angenommen.

Es dauerte eine Weile, bis sich die verbliebenden Musiker mit der neuen Situation abgefunden und wieder den Weg ins Rampenlicht gefunden haben. Wobei man ein Zirkuspferd wie Roy Sanders nicht lange von einer Bühne fernhalten kann. Bert Kortheim hat das eingesehen und mit Herrn Sanders ein neues Programm ausgearbeitet. Zur Hilfe kam Bert der Therapeut des amerikanischen King of Superparty. Leider war Herr Sanders noch nicht ganz richtig auf die neue Medikation eingestellt, so daß ihm Bert während der Show immer wieder Pillen zum Aufputschen oder zur Beruhigung geben mußte.

Wobei man die Anspannung an diesem Abend nachvollziehen kann. Waren doch auch wir gespannt, wie sich die beiden als Duo schlagen würden. Nach dem ersten Lied “Love is Air” war aber klar, sie können es noch. Dieser Mann mit den glatten blonden Haaren hat einfach Las Vegas im Blut und die Zuschauer im Griff. Schon bei dem ersten Lied hatten alle Anwesenden viel Spaß. Dieser Spaß sollte den ganzen Abend nicht nachlassen. Was unter anderem an Berts Übersetzungen liegt, die er von Roy Sanders englischen Ansprachen aus dem Ärmel schüttelt.

Klassiker wie “Im Wagen vor mir”, “Sunshine Reggae”, “Looking for Freedom” durften natürlich nicht fehlen, wurde aber durch neue Nummern wie die sehr lustige “Felicita”-Version oder der Neunziger-Medley, in dem sich ein Siebziger Lied eingeschlichen hat. [Sehr zu unserer Feude, denn es handelt sich um ein KISS-Lied. ;-) ]  Zu den neuen Liedern hat sich ein neues Instrument eingefunden, die Nasenflöte. Eine Nummer, auf die man sich freuen kann. Bert und das Publikum hatten gleichermaßen Spaß zuzuschauen, wie Roy dieses Gerät meisterte und versuchte ihm die passenden Töne zu entlocken.

Ansonsten ist ein Abend mit der Funkstille schwer zu beschreiben. Es ist schon sehr speziell, aber ebenfalls sehr, sehr lustig, wenn man sich drauf einläßt. Bert und Roy mußten sich auch das eine oder andere Mal ein Lachen verkneifen, was nicht immer geklappt hat. So ist es halt bei einer improvisierten Show, die zwei Tage vorher kurz zusammengewürfelt wurde. Genau das macht den Reiz aus. Beide Seiten wissen nicht wirklich was passieren wird und beide Seiten haben Vergnügen an der Vorstellung. Wenn sympathische Künstler Freude an der Arbeit und auf der Bühne haben, überträgt sich das immer auf Publikum. Gerade in so einem kleinen, intimen Rahmen, wie dem Zauberkasten, oder dem Wohnzimmertheater, wo wir sie bereits gesehen haben.

Für uns war es auf keinen Fall die letzten Show der Funkstille, denn es war ein erfolgreicher Einstand für die zwei 3. Was sich an den leicht verwackelten Fotos zeigt, denn die Kamera ruhig halten geht bei der Funkstille nicht. :-)

Wir haben natürlich nur die besten Fotos rausgepickt und die findet ihr hier:
Fotosi di basta calzone

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