Der Anfang von der Ende

! Nur fur der Menschen, der wissen was passiert, oder es vorab wissen wollen !

Köln 14.03.2014

Am Freitag, als wir uns bei Frühlingswetter Richtung Köln bewegten, kam uns ein Zitat von Ulrich Mayer wieder in den Sinn: “Die Zeit vergeht, auch wenn der Zeiger steht, Herr Tukur.” Und wie recht er damit hatte, denn als der Familie Popolski letzten Mai der Welt die traurige Mitteilung zukommen ließ, man würde im März 2014 auf Abschiedstour gehen, schien dieser März noch so weit weg zu sein. Wir sind uns sicher, daß der Herbst den Winter übersprungen hat und direkt in den Frühling übergegangen ist. Nur uns hat keiner was gesagt. Wie sonst hätte der Kalender es geschafft jetzt schon seine “März”-Seite zu zeigen!?

Obwohl wir früh waren, standen bereits gefühlte 1000 Menschen in einer langen Reihe auf dem Bürgersteig der Schanzenstraße. Zum Glück wartete diese Menschentraube, die hauptsächlich aus jungen Frauen bestand, nicht auf Janusz, sondern auf den Einlaß im Palladium. Wir eröffneten derweil auf der gegenüberliegenden Seite den Anfang der Schlange vor den Toren des E-Werks. Aufatmend und die kurzzeitig aufgetretenen Schweißperlen wegwischend, beäugten wir amüsiert das Treiben gegenüber und die Schlange vor dem Dixieklo.

Während des Wartens gesellten sich ein paar bekannte Gesichter zu uns und zusammen sicherten wir die erste Reihe, gespannt, was sich der Familie ausgedacht hatte. Die Tour steht unter dem Motto “Der Beste von der Beste”. Und damit sind nicht nur beliebte Lieder gemeint, auch ein paar bekannten Geschichten gehören dazu.
Etwas verspätet eröffnete der Familie mit dem traditionellen “Ras Popolski” unter dem Jubel des ausverkauften E-Werks. Bei den ersten Töne merkten wir, wie sehr wir der bekloppste Musiker seit September vermisst haben. Eindeutige Zeichen von Polkaentzug.

Wie gewohnt moderierte der älteste Bruder den Abend. Ungewohnt dagegen war die Anwesenheit aller Sänger während eines Konzertes, und schon bei “Born as a Popolski” teilten sich Bogdan, Andrzej und Dorota den Gesang. Die Stimmung im E-Werk war von Anfang an sehr gut und so hatten es die Drei nicht schwer das Publikum zum mitklatschen und mitsingen zu animieren. Ein Höhepunkt des ersten Teils war Pavels Präsentation eines unterschätzten Musikinstruments, auf den wir im nächsten Bericht näher eingehen werden.
Der Dobrze Horns kamen bei “We will rocka you” an den Bühnenrand um den Publikum noch mehr einzuheizen, bevor sie bei “Schöne Maid” einen erotisch aufgeladenen Tanz aufführten. Leider sollte das der einzige Soloteil der eineiigen Zwillinge sein. Wir hatten ein bißchen auf ihr Lied “Wir sind der zwei” gehofft.
Nachdem Mirek seine Stratocastri zum qualmen brachte, wurde wie üblich mit “I’m outta love” in die Pause geschunkelt. Einige Nummern gehören halt einfach zu einer Show der Familie, ohne die etwas fehlen würde.

Eröffnet wurde der zweite Teil mit “Insomnia”. In der polnischen Originalversion sehr hörenswert. Wobei ich bekennen muß, daß mir die Stimme von Isidor bei dem Lied und bei dem später im Programm aufgeführten Duett “Crying at the Discotheuqa” mit Dorota fehlt. So gut Bogdan und Danusz sind, ihren verstorbenen Cousin können sie nicht ersetzen.

Dansuz ergriff bei zwei ruhigeren Lieder das Mikro. Darunter das leiseste Lied des Abend, unterstützt von Mirek. Wenn ich die Mimik richtig gedeutet habe, hatte er sichtlich Mühe, um nicht zu heftig in die Saiten zu greifen. Dorota, ließ  alle Anwesenden wissen, warum sie kein Mann handeln könnte; sie sei zu “Polkalicious”. Was ein weiteres neues Lied an dem Abend war und zusammen mit dem Korsett und den Hotpants, die der Heisseste von der Heisseste trug, die Temperatur in der Halle wieder steigen ließ. Und das Barometer erklomm unermessliche Höhen, als der Botschafter der Liebe zurück auf die Bühne kam. An dieser Stelle wollen wir noch nicht zuviel verraten, dazu haben wir noch Zeit, aber es war der erotische Höhepunkt des zweiten Teils.
Alle drei Sänger waren, wie schon zu Beginn, wieder gemeinsam auf der Bühne und so sangen sie zusammen das Abschlußlied und Motto dieser Tour “Polka’s coming home”. Unter Mithilfe des gesamten Saales versteht sich.

Und das Mitsingen ging direkt in lautstarke Zugabe-Rufe über, denn natürlich ließen die Zuschauer der Familie nicht einfach verschwinden. Als Janusz, der den ganzen Abend schon lebhafter in seinem Schatten gestanden hatte als bei vorangegangenen Touren, sich zielstrebig eine Gitarre schnappte und zum Mikro ging, wollte ihn Pavel davon abhalten. Er mußte sich dem Votum des ihn ausbuhenden Publikums beugen und der trubste Tasse gab bei “Cherry Cherry Lady” wiedermal alles. Zu meinem Liedwesen wurde der Hüpfteil des Liedes, der früher ein fester Bestandteil war, aber irgendwann einem Megafon weichen mußte, nicht wieder eingeführt. Nass und oben ohne, halfen ihm seine besorgten Onkel nach dem Lied wieder zurück in Hemd und Pullunder um eine Unterkühlung zu vermeiden. Und als wieder die ganze Familie auf ihren Plätzen war, verabschiedeten sie sich musikalisch mit “Ras Popolski”.

Auch zum zweiten Mal vermittelten die Kölner unüberhörbar ihren Wunsch nach mehr. Mehr Musik und mehr Familie. Es blieb den polnischen Künstlern nichts anderes übrig, als nochmals Ihre Instrumente in die Hand zu nehmen um die Masse zu beruhigen/bespielen. Für die letzten beiden Lieder gehörte Andrzej die Bühne, der mit “Sexy Bomba” zum letzten Mal an dem Abend der Hütte zum Kochen brachte, bevor er sein Heimweh mit dem Lied “Zabrze, ich komm aus dir” ausdrückte. Nicht nur Janusz hatte da eine Träne im Auge, auch die Zuschauer. Zu schnell waren diese zweieinhalb Stunden Programm vergangen.

Der Ende? Noch nicht, denn nach der Polka ist vor der Polka. :-)

Galeria Fotoski 1

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Die Plagen von Bochum

und der Meister des Lichts

Nachdem Jan Plewka vor zwei Wochen unser Konzertjahr eröffnete, eröffneten Iced Earth am vergangenen Donnerstag unser Heavy New Year. Im ersten halben Jahr stehen wieder mehr Konzerte der rockigeren und härteren Töne auf dem Programm. Wir müssen uns also doch keine Sorgen machen, im Alter ruhiger zu werden. ;-)

Passend zu unserem Aufbruch rieselten Schnee und Regen vom Himmel und schienen fast, den Namen der Hauptband unterstreichen zu wollen. Zum Glück war es nur ein kleiner Abschnitt auf der Strecke, der uns seine weißen Wiesen zeigte. Trotzdem kamen wir früh und gut in Bochum an. Wie immer so früh, daß wir uns nach Einlass einen guten Platz sichern konnten. Dieses Mal fand man uns aber nicht in Bühnennähe, sondern auf dem Balkon im hinteren Bereich, der einen freien Blick auf die gesamte Bühne und ein paar andere Fotoperspektiven bot.

Um 19.30 begannen die Australier von Elm Street, der noch nicht ganz gefüllten Zeche einzuheizen. Sie spielten typischen, durchschnittlichen Metal, ohne große Ausbrüche nach oben oder unten. Einen guten Endruck hat allerdings der Musikgeschmack des Sängers bei dem weiblichen Teil des Plueschblogs hinterlassen, trug er doch ein Manowar-Shirt und Tattoo. Die Menge ging nur allerdings vereinzelt mit. Das änderte sich nachdem die Kalifornier von Warbringer nach dem Bühnenumbau loslegten. Unter uns füllten inzwischen schon mehr Besucher die Halle, die gut mitgingen und sich in Stimmung für den Hauptact brachten. Unseren Geschmack traf der Thrash-Metal mit den eher geschrieenen als gesungenen Texten nicht.

Die Instrumente der Vorbands wurden abgebaut und die Instrumente der Hauptband gestimmt und in Stellung gebracht. Der Lichttechniker neben uns bereitete sich mit Skelettmaske und Wikingerhelm auf seinen Auftritt vor. Das Saallicht ging aus und der rhythmische Schlagzeugbeat des Titelliedes des aktuellen Albums setzte ein. Kaum legte die Band mit “Plagues of Babylon” los, war die gut gefüllte Halle auch schon fleißig am mitsingen und reckte Fäuste und Hände in die Höhe. Und erfreuliche wenige Displays. Die ersten vier Lieder stammten von den letzten beiden Alben und damit wurde deutlich, daß Iced Earth mit dem neuen Sänger wieder voll da sind und sich die neuen Stücke nicht vor den Klassikern verstecken brauchen.

Der erste Klassiker des Abends ist eines unserer Lieblingslieder; “The Hunter”. Und was schon auf der Livescheibe klar wurde, Stu’s Stimme paßt auch zu den Klassikern. Es war unser drittes Iced Earth Konzert und das erste mit Stu Block hinterm Mirko, denn wir haben auf jedem Konzert einen anderen Sänger erlebt.
Jon Schaffer hat sich einen würdigen Nachfolger für Matt Barlow ausgesucht, der es auch als Frontmann versteht, die Menge einzubinden und mitzunehmen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Tim Owens, der zwar gesanglich nichts zu wünschen übrig ließ, aber durch seine Sonnenbrille und sein Gehabe etwas distanziert wirkte. Noch dazu schaute er immer auf den Bühnenboden vor sich, als würde er die Texte ablesen. Stu war immer an vorderster Front, machte einen sympathischen und ehrlichen Eindruck und einen verdammt guten Job.

“The Hunter” war eine Überraschung im Set, denn das Lied, eines unseres Lieblingssongs, wird auf dieser Tour nicht immer gespielt. Die nächste Überraschung folgte direkt im Anschluß. Wie schon auf Platte, steuerte Hansi Kürsch, seines Zeichens Frontmann von Blind Guardian, in der Zeche den Gastgesang zu “Among the living Dead” bei. Wobei es eher ein Gastgeschrei war, aber immerhin. Das nächste Mal werden wir Hansi wieder als Gast auf der Bühne einer anderen Musikerin sehen, aber dazu im Mai mehr an dieser Stelle. In Bochum ging es unterdessen mit “Burning Times” von dem “Something wicked…”-Album weiter. Ein Lied, bei dem man einfach mitgehen muß. Das sah die Menge genauso und wurde immer enthusiastischer und feierte die Band die ganze Zeit ab. Für uns war es interessant, von oben einen Blick auf die tobende Masse zu werfen und zu sehen, wo wir sonst stehen.

Aber genauso interessant war es, dem Lichttechniker zuzuschauen, der ab und an unsere Blicke von der Bühne wegzog. Die ganze Zeit über feierte er die Band ab, bangte, hüpfte und machte fast nebenher das Licht auf der Bühne. Zumindest machte es den Eindruck, als wäre es nebenher, aber er wußte genau was er tat. Auch wenn er eher den Anschein eines wahnsinng gewordenen Pianisten erweckte, der mal hier und mal da in die Tasten haute. Der Mann war eine Show für sich und Iced Earth sollten sich überlegen, auf der nächsten Live-DVD eine Bild-in-Bild Funktion einzubauen, die den Techniker zeigt. :-)

Mit “A Question of Heaven”, der weibliche Gesang kam dabei vom Band, beendeten Iced Earth unter Jubel den regulären Teil der Plagues-Setlist.  Natürlich ließ es sich die Band nicht nehmen, für eine Zugabe zurückzukommen. Und die fiel sogar um ein Lied länger aus als üblich, denn vor “Dystopia” spielten sie “The coming Curse”. Vielleicht als Belohnung für das begeisterte Publikum. Vielleicht, weil Bochum eine spezielle Bedeutung für Stu hat.
Auf jeden Fall stand Hansi die ganzen Zugaben über am Bühnenrand und schaute sich das Treiben an. Bei “Watching over me” konnte Stu nochmal beweisen, daß ihm auch die ruhigeren Töne liegen, bevor dann das obligatorische “Iced Earth” den Abend nach fast zwei Stunden Show abschloss.

Die Fahrt hat sich gelohnt. Auch wenn die Zeiten, in denen Iced Earth eine drei Stunden Show ohne Vorbands spielen wie noch 2002, vorbei sind. Wir konnten uns etwas den Winterschlaf aus dem Körper bangen und uns davon überzeugen, daß Iced Earth 2.0 auf Kurs sind. Hoffen wir nur, daß Stu länger bleibt und wir bei unserem vierten Konzert nicht den vierten Sänger sehen werden. ;-)
Jon scheint nicht nur einen Sänger, sondern auch seinen Weg gefunden zu haben, denn live und auf Platte hat die Band lange nicht mehr so gut geklungen. Für uns hieß es danach, auf nach Siegen, aber hier geht’s jetzt nach Babylon. ;-)

Pics of Babylon

 

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https://youtu.be/WaKHyPcbA9Y

 

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Der Klang der Stille

Jan Plewka in Siegen

Ende Januar und das kulturelle Jahr nimmt wieder Fahrt auf!
Es beginnt mit einem Besuch im Siegener Apollo Theater, welches Jan Plewka mit seiner Anwesenheit beehrte. Vor ziemlich genau 4 Jahren machte er bereits mit seinem Programm “…singt Rio Reiser” hier Station, dieses Mal haben er und seine 4-Köpfige Band Lieder des legendären Duos Simon & Garfunkel im Gepäck. Obwohl wir auf diesem Gebiet nicht so bewandert sind und nur die bekannten Klassiker kennen, haben wir uns nach etwas Überlegung dann doch Karten besorgt – sogar noch in der ersten Reihe. Schließlich reden wir über Jan Plewka, Sänger von Hollys liebster deutscher Band – und seien wir ehrlich: Viel mehr Lieder von Rio Reiser kannten wir auch nicht.

Vor dem musikalischen Teil fand im oberen Foyer des Theaters eine kurze Frage-und Antwort Session statt, moderiert vom stellvertretenden Intendanten des Apollo: Jan Vering. Jan Plewka, Gitarrist Marco Schmedtje und Lieven Brunckhorst berichteten gut gelaunt von der Entstehungsgeschichte des Bühnenprogramms. Leo Schmidthals schaute vom aus Rand zu. Auf die Frage, wie es Jan im Apollo gefallen würde, antwortete dieser gut gelaunt: “Retro – aber geil”.

“Sound of Silence” ist wohl das bekannteste Stück von Simon & Garfunkel und ganz im Geiste der Stille begann auch der Abend. Nach und nach betraten die Musiker die dunkle Bühne und nahmen bei ihren Intrumenten Platz; Jan an einem kleinen Tisch, fast direkt vor uns. Abwechselnd rezitierten sie eine Strophe des übersetzten deutschen Textes von Sound of Silence; der jeweils Sprechende tauchte sein Gesicht in das Licht eines Feuerzeugs. Simpel, aber durchaus wirkungsvoll, denn auch die schnatternden Frauen hinter uns verstummten und wurden, wie das restliche Publikum ganz von der Stille gefangen.

Im Rhythmus der klickenden Feuerzeuge begann dann der nächste Song “The Boxer”. Nach und nach jedoch setzten die Instrumente ein und auch auf der Bühne wurde es langsam Licht. Allmählich wurde auch klar, was Herr Vering mit seiner kurzen Anprache vor Beginn des Konzerts gemeint hatte: “Für das Jan Plewka – Publikum: Es wird eine moderate Lautstärke heute. Für das Theaterpublikum: Es wird laut!” Viele Songs bekamen ein rockiges Gewand, allerdings war auch genug Platz für leise, atmosphärische Töne.
Im Licht der Scheinwerfer konnten wir dann auch erfreut feststellen, dass auf der Bühne 3/5 von Selig anwesend waren, denn außer Leo Schmidthals am Bass hatte auch Stoppel Eggert am Schlagzeug platzgenommen!

Bei “Cecilia”, dass in der Version dieses Abends eher in Moll gehalten war, holte sich Jan eine Zuschauerin aus dem Publikum, die er von auf einem Stuhl auf der Bühne verschwinden und hinter dem Schlagzeug wieder auftauchen ließ. Ziemlich früh im Programm folgte ein weiterer großer Hit: “Bridge over troubled water”. Jan fand, er habe schon genug geleistet und sich eine Pause verdient und ließ das Publikum alleine singen. Für die Textunsicheren hielten Leo und Marco Pappschilder mit dem Text hoch und Stoppel gab mit einem Zeigestock das Tempo vor. Schöne Idee und besonders der Chorus klang aus hunderten Kehlen sehr schön.

Jan kam zurück und bahnte sich während “50 Ways to leave your lover” in einem beige-güldenen Anzug (der die modischen Empfindungen doch sehr spaltete) durch die Reihen des Publikums seinen Weg zur Bühne. Manche Songs bekamen auch einen deutschen Text, wie z.B. “50 Ways…” oder “Love me like a rock”.  Die Musiker ließen sich zudem für jedes Stück etwas besonderes einfallen. Bei “Feeling Groovy” setzte sich Instrumentenvirtuose Lieven eine Discokugel auf den Kopf und gab ein Saxophonsolo zum Besten, nebenbei einige geniale Lichteffekte erzeugend. Bei “Old Friends” setzten sich Jan und Marco auf den Bühnenrand und schafften es, rein akustisch, ohne Mikrofon, eine Lagerfeuerstimmung zu erzielen.

Natürlich durfte eine Dame an diesem Abend auch nicht fehlen: “Mrs. Robinson”. Diese rockte gewaltig los und die Band hatte während des Stücks für Solodarbietungen Gelegenheit. Jan Plewka kommunizierte sogar mit “Mrs. Robinson”, indem auf eine Leinwand Filmausschnitte aus “Die Reifeprüfung” projiziert wurden (der Film, in dem der Song zu hören war). Eine weitere nette Idee, die das Gesamtbild abrundete. Der Kreis schloß sich, indem als letztes reguläres Stück nochmals “Sound of Silence” dargeboten wurde – wieder auf eine ungewöhnliche Weise. Jan setzte sich wieder an seinem Tisch und tauchte sein Gesicht in den Schein einer Lampe. Die Strophen sang er, doch die Worte “Sound of Silence” blieben aus und – eben still. Das Publikum war sich unsicher, ob dies eine Aufforderung war, “Sound of Silence” zu singen oder die Pause einfach so stehen zu lassen. Ich persönlich glaube, es ist gewollt, dass an diesen Stellen nichts zu hören ist, doch einige im Siegener Publikum bestanden immer wieder darauf, die Worte zu singen.

Jan und Band erhielten völlig zu Recht zum Schluß stehende Ovationen und besangen in den Zugaben noch einmal Mrs. Robinson. Ich glaube, selbst das Theaterpublikum hatten Jan & Co überzeugt (wie das Paar jenseits der 60, das bei den Zugaben vor die Bühne stürmte und ausgelassen tanzte) und es hat sich niemand an der Lautstärke gestört .
Ein einzigartiger Musikabend ging zu Ende. Für mein persönliches Empfinden ist ein Theater auch der richtige Rahmen für “Jan Plewka singt Simon & Garfunkel”, da das Programm so viele theatralische Aspekte beinhaltet, die bei einem “normalen” Konzert in einer Halle nicht umsetzbar wären. Der Abend machte unheimlich Spaß, da die Musiker Spaß und Freude ausstrahlten und die Musik toll und rockig war. Sehr angenehm fand ich auch, dass der Fluß nicht durch eine Pause unterbrochen wurde. Fazit: Sollte Jan Plewka mit diesem Programm in Eure Nähe kommen: Hingehen!

Dank der freundlichen Genehmigung von Herrn Vering können wir Euch auch eine Galerie präsentieren:

Pics of Silence

Sound of Silence:

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https://youtu.be/g1M2YIxJC7U

 

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Musikalisches Münsterland

Corgan Pine – Hunt the Dog

Die Welt ist ein Dorf und dieser Spruch trifft seit dem Internet mehr denn je zu.  Wir machen heute einen Sprung vom harten Leben in South Central LA ins beschauliche Münsterland. Dort haben sich vergangenes Jahr fünf junge Menschen zusammengefunden, um gemeinsam zu musizieren.

Die Band
Jan Gesang, Gitarre
Mario Gitarre
Julius Bass
Jano Saxophon
Felix Schlagzeug

Der erste Auftritt liegt schon hinter den Jungs und das erste Lied auf Youtube hat uns so gut gefallen, daß wir direkt darüber berichten und es teilen möchten. Die Musik ist ruhiger, als noch in unserem letzten Beitrag und geht angenehmer ins Ohr. Aber Noten sagen mehr als tausend Worte, also viel Spaß mit Corgan Pine.

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https://youtu.be/_L4Fw3MoKZU
[Wenn Euch das Lied nur halb so gut gefällt wie uns, dann gefällt es uns doppelt so gut wie Euch. :-) ]
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Perlen aus der Jukebox 2

Body Count – Cop Killer

Momentan ist es etwas ruhiger im Blog, da wir zur Zeit in einer Art Konzertwinterpause sind, die noch bis Ende des Monats andauert. Damit sich hier was tut,  habe ich in den PlueschArchiven gekramt und eine weitere Perle daraus zum Vorschein gebracht. Wobei es hier zwei verschiedene Meinungen gibt, ob es eine Perle ist. ;-)

Bevor Ice-T ein bekannter und erfolgreicher Schauspieler wurde, war er Ende der Achtziger bereits ein erfolgreicher Musiker. Und wie der Name nahelegt, ein Rapper. Irgendwann versammelte er ein paar Freunde und gründete die Band Body Count. Body Count vereinigten die Rap-Texte von Ice-T mit Thrash Metal Elementen und gehören dadurch zu den Pionieren des Crossover. Ich kann mich noch daran, als das Album 1992 die Runde machte und im Freundeskreis für Aufsehen sorgte.
Für Aufsehen sorgte das Album vorallem in Amerika, wo es aufgrund des Titeltracks sogar verboten wurde. Das Album wurde zurückgezogen, in “Body Count” umbenannt und die letzten beiden Stücke durch einen Ice-T HipHop-Song ersetzt.

Die Band
Ice-T Vocals
Ernie C Gitarre
D-Roc Gitarre
Mooseman Bass
Beatmaster V Schlagzeug

Das Album geht mit einem kleinen “Hörspiel” los, dessen Ende ein Polizist nicht erlebt. Damit ist die Marschrichtung direkt nach 47 Sekunden klar. Aber höflich, wie Leute aus South Central LA sind, stellen sie sich im ersten Lied höflich den Hörern vor, damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben.
 “…on my Guitar I got my Nigger Ernie C and I’m Ice motherfuckin T, bitch…” 

Das zweite Lied fängt ruhig an, was nicht lange anhält, denn es zeigt die Unterschiede zwischen harmonischen und friedlichen Serien wie u.a.”Bill Cosby Show” und der harten Wirklichkeit in LA auf. Generell sind Musik und Texte relativ aggressiv und politisch. Was für Hiphop nicht ungewöhnlich ist, aber durch ein treibendes Schlagzeug und schneidende Gitarren vielleicht heftiger wirkt. Eine kleine Verschnaufpause bringen lediglich das instrumentale “C Note” und “The Winner loses”.

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Die Lieder
Smoked Pork
Body Count’s in the House
Now Sports
Body Count
A Statistic
Bowels of the Devil
The real Problem
KKK Bitch
C Note
The Winner loses
There goes the Neighborhood
Oprah
Evil Dick
Body Count Anthem
Momma’s gotta die tonight
Out in the Parking Lot*
Copkiller*
*in der zensierten Version ersetzt durch
“Freedom of Speech”

Ice-T vermischt in seinen Texten reale und fiktive Erlebnissen zu einem genauso unterhaltsamen wie kritischen Mix.  Die meisten Lieder drehen sich um Rassismus und Ungerechtigkeiten. Die natürlich mit klaren Worten und harten Ausdrücken geschrieben sind und dem Hörer mit der entsprechenden Intensität entgegengebrüllt werden. Die in den Texten gewählten Lösungsmethoden sind gewaltätig und brutal. Dabei sind sie so überspitzt, daß die Gewalt eher comichaft wirkt, ohne den ernsten Sinn ins Lächerliche zu ziehen. Zugeben, man muß den Sinn für schwarzen Humor und damit meine ich nicht die Hautfarbe der Musiker ;-), schon mögen, wenn er erzählt, wie er seine Mutter zerstückelt und im ganzen Land verteilt hat. Was versucht die ihm aber auch, so schlechte Gedanken zu vermitteln. Selbst Schuld. :-)
Spätestens bei “Evil Dick”, ein Lied über das vorurteilsfreie und tolerante Geschlechtsteil des Frontmanns, zeigt sich der Witz und verdeutlicht, daß man die Texte nicht wörtlich nehmen sollte. Sie sind kein Aufruf zur Gewalt oder Selbstjustiz, eher dazu, Meinungen und Vorurteile zu hinterfragen und sich gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierungen in der Gesellschaft stark zu machen.

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Für mich ist “Cop Killer” ein zeitloser Klassiker. Mich begeleitet das Album seit fast 22 Jahren und ich kann es immer wieder hören. Es wirkt nach wie vor frisch und energiegeladen. “Cop Killer” macht immer wieder Spaß, wenn man sich drauf einläßt. Auch gut als Anti-Aggressionsmittel zum Abreagieren zu gebrauchen. ;-)

Obwohl von der Urbesetzung nur noch Ernie C und Ice-T am Leben sind, haben sie sich frisches Blut in die Band geholt und für dieses Jahr ihr fünftes Album “Manslaughter” angekündigt. Ich bin gespannt und hoffe auf eine Tour in unserem Land, denn das einzige Konzert der Band, das ich 2006 gesehen habe, war genauso cool wie Ice- T selber. Aber man muß Body M/F Count schon mögen. :-)

 

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