Die letzte Polka

…vor Weihnachten

Waren wir am Vorabend noch trocken nach Duisburg gekommen, erwachten wir in einer weiß gepuderten Stadt. Gemütlich starteten wir in den Tag und ließen es ruhig angehen. Um die Mittagszeit stieß dann unser Gastgeber zu uns und wir schlenderten am Nachmittag gemeinsam ein wenig über den schön beleuchteten Duisburger Weihnachtsmarkt und durch das City Palais. Von dort aus war es dann nur noch eine U-Bahnstation zum Theater am Marientor, in dem heute zum letzten Mal für dieses Jahr die Polka gestartet wurde. Wie schon in den letzten beiden Jahren beschloß also wieder ein Konzert der Familie unser kulturelles Jahr.

Natürlich waren wir – trotz fester Sitzplätze – mal wieder viel zu früh. Immer wieder lustig, wenn Leute 30 Minuten vor Einlaß an der Tür rütteln und sich wundern, wieso denn noch zu sei. Nach und nach stießen dann bekannte Gesichter zu uns, denn heute zum Tourabschluß für 2012 war die Bekloppstenquote im Publikum erfreulich hoch, wenn sich leider auch manche im letzten Moment dem schlechten Wetter geschlagen geben mussten.
Die zuvor designten, niegelnagelneuen Fanclub T-Shirts feierten heute ihre Premiere. Wenn fast 15 Leute mit den gleichen Shirts herumlaufen, fällt das dann doch auf. Leider saßen wir jedoch nicht alle zusammen. Durch die Verlegung des Konzerts von der Mercatorhalle in das Theater am Marientor, und durch feste Sitzplätze ergab sich leider eine ungünstige Platzsituation für den Großteil der Bekloppsten.

Die Show an sich hatte natürlich wieder die gewohnte Qualität.

Das Ritual des Wudkatrinkens wurde auch den Duisburgern nähergebracht, der rote Dorota verzauberte die Ruhrpottmänner und entlockte ihnen ein gehauchtes „Bausparvertrag“. Wenn man das Programm schon so oft gesehen hat wie wir, und den Ablauf genau kennt, fällt es natürlich auf, wenn gewisse Dinge nicht so ganz laufen wie sonst. So spielte z.B. Mirek das Gitarrensolo von der Jungsten nicht auf der dreiarmigen Stratocastri, sondern wechselte kurz davor zur gewohnten einarmigen Streitaxt. Die anschließende Tanzdarbietung der eineiigen Zwillinge verzögerte sich auch ein wenig, da, Zitat Pavel, Stenjek „nicht der Mutze fur der Tanzen“ finden konnte.
Zu unserer großen Freude spielte zum Abschluß der Tour der schöne Andrzej mit der Familie, somit schloß sich dadurch ein weiterer Kreis dieses Jahres, da Andreas wohl der Musiker ist, den wir dieses Jahr am häufigsten gesehen haben. Unsere Hoffnung, dass eventuell auch Elvek und Bogdan anwesend sein würden (wie zwei Jahre zuvor in Oberhausen), zerschlug sich jedoch leider.

Den ganzen Abend rätselte ich, ob und wann denn heute die Crew sich einen kleinen Scherz mit der Band erlauben würde. Bei vielen Bands gibt es diese Tradition, sich auf dem letzten Konzert einer Tour auf der Bühne einen Streich zu spielen. In Oberhausen wurden z.B. lustige Dias in die Vorträge eingebaut (ich sehe Henjek jetzt noch lachend von der Bühne rennen) und in Münster dieses Jahr verkleidete sich Techniker Ben als eine falsche Dorota (und wurde von Pavel liebevoll als Cindek aus Marzahn bezeichnet). Diesmal war es dann bei Janusz’ Polkaprüfung soweit. Nachdem dieser auf der Bühne zusammengebrochen war, und danach eigentlich von Henjek und Stenjek wieder angekleidet wird, stürmten plötzlich zwei seltsame Gestalten in Hausmeistermantel, darunter nur noch einen Bastrock tragend, auf die Bühne und seiften Janusz von Kopf bis Fuß mit Rasierschaum ein – sehr zur Freude der übrigen Band. Das Bestehen der Prüfung wurde dann noch von einer Konfettikanone salutiert – natürlich mit standesgemäßem, rot-weißen Konfetti.

Nachdem Pavel auch allen Menschen hinter der Bühne gedankt hatte, gab es als Zugabe „Zabrze, ich komm aus dir“ bevor die Saallichter wieder angingen. Andrzej, Marek, Mirek, Danusz und Dorota kamen dann noch zum Merchandise-Stand und wir konnten uns persönlich für das schöne Konzertjahr bedanken und ihnen frohe Festtage wünschen. Djekuje bardzo für die Musik 2012!

Wie gewohnt findet ihr in der Galerie die restlichen
Familienfotos

Veröffentlicht unter Allgemein, Popolski | Verschlagwortet mit | 13 Kommentare

Lustig, lustig allweare

heut’ ist Doro-Abend da

Der morgendliche Blick in unsere Nikolausstiefel verriet, daß wir das ganze Jahr über brav waren, denn es befanden sich ein paar Eintrittskarten darin. Wir trafen umgehend alle Vorbereitungen und waren flugs auf dem Weg zu unserer letzten Konzertreise des Jahres. Es ging Richtung Ruhrpott, Fahrziel Zeche, Bochum, dorthin hatte die sympathischste Nikoläusin der Metallandschaft gerufen.
Einem Ruf, dem wir nicht widerstehen konnten.

Wie für uns üblich, standen wir rechtzeitig vor der Halle. Dort trafen wir auf alte und neue Bekannte, mit denen wir uns die Zeit bis zum Einlass vertrieben.
Ein Platz in der ersten Reihe war uns sicher und da in der Zeche keine Absperrungen vor der Bühne aufgebaut waren, standen wir direkt am rechten Bühnenrand, vor Nick Douglas. Mit seinen schwarzen Klamotten, der Mähne und der Körpergröße geht er auch gerne als Knecht Rupprecht durch. Zum Glück hatte er statt der Rute seinen Bass dabei, denn er gehört zu unseren Lieblingsbassern. Oder muß es auf Neudeutsch Lieblingsbuzzern heißen?

An dem Abend konnte also nichts mehr schief gehen, wie die tschechische Vorband Seven bewies. Pünktlich um 20.00 betraten sie die Bühne um den Zuschauern die Kälte auszutreiben. Ob es an den eisigen Temperaturen vor der Halle oder an fehlender Interaktion mit der Menge lag, die ganze Halle brachte sie nicht komplett auf Touren.
Die Bandmitglieder wirkten alle sehr jung, das einzige Gründungsmitglied ist der Gitarrist Honza Kirk Běhunek. Da fehlt wahrscheinlich einfach die Erfahrung. Musikalisch und gesanglich gab es an Seven aber nichts auszusetzen. Abgesehen von der Tatsache, daß auch die Tschechen von den Polen geklaut haben, denn der alte Trick mit der Bohrhammer die Gitarre zu spielen kam uns sehr vertraut vor. :-)
Ansonsten meisterten sie ihre Aufgabe wirklich souverän und wurden bei den letzten Liedern von ihrem Produzenten und Rage-Gitarristen Victor Smolski unterstützt. Als “Highway to Hell” gespielt wurde, sang dann auch die komplette Zeche lauthals und aufgewärmt mit.

  Eine knappe halbe Stunde wurde auf der der Bühne umgebaut, große Totenköpfe drapiert und Setlisten an strategisch wichtige Stellen geklebt. Direkt vor uns. :-)
Ein erster Blick verriet uns, daß es vier Lieder vom neuen Album ins Set geschafft hatten, unter anderem das Lieblingslied der neuen Platte von mir und der netten Dame aus Plettenberg; “Revenge”. Der Abend sollte zeigen, daß nicht alles stimmt, was schwarz auf weiß steht. Die Reihenfolge wurde getauscht, Lieder ausgelassen und dafür andere gespielt, ohne auf dem Zettel zu stehen. Aber der Anfang stimmte und so betraten Doro und Ihre Mannen zu “Hellraiser” die Bühne und legten von Null auf Hundert los. Nicht nur Doro, auch Nick, Luca und Bas liefen, sprangen und bangten von der ersten Sekunde an und brachten eine unglaubliche positive Energie und Spielfreude rüber. Dazu hätte auch das Lied “Take no Prisoners” vom neuen Album gepaßt.

Die Menge zeigte sich von Beginn an begeistert und die ausverkaufte Zeche sang jedes Lied lauthals mit. Bei Doro-Konzerten herrscht immer eine spezielle Stimmung, die kaum zu beschreiben ist. Man spürt einfach die Verbundenheit der Fans mit Doro und der Band, schließlich unterstützen Nick und Johnny die freundliche Blondine schon gute 20 Jahre musikalisch. Deswegen verstehe ich nie die ganzen Rufe nach einer Warlock-Reunion, schließlich spielt sie mit diesen beiden Musikern schon viermal solange zusammen wie mit den Leuten der Band, die sie groß gemacht hat.

 Die Verbundenheit wird von Doro erwidert und das hat sie an dem Abend durch das Lied “You’re my family” wieder deutlich gemacht. Was bei anderen Musikern vielleicht anbiedernd oder aufgesetzt wirkt, kommt bei ihr einfach nur authentisch und mit viel Herzblut rüber. Leider fiel der Spontaneität “Warrior Soul” zum Opfer, ein Lied, das ich mag und an dem Abend auch gerne gehört hätte. Aber ein Lied fehlt bei Konzerten ja immer.

Generell haben ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge viele alte Lieder auf der Setlist gesehen . Die gehen ab und rocken, aber das kleine Energiebündel hat so viele gute Lieder nach Warlock geschrieben, daß es schon schade ist, wenn hauptsächlich Lieder aus den Achtzigern Verwendung finden. Meckern auf hohem Niveau halt, denn obwohl die Setlist nach “Beyond the Trees” nur noch das ausgefallene “Herzblut” zeigte, kam die Band zu Zugaben raus und Doro fragte die Fans, was sie hören wollten. Die Zugaben auf Zuruf finde ich bei Doro immer super und ich frage mich, wie viele Lieder die Band einstudiert hat. Aufgegriffen wurde dann “Hellbound”. Dann wurde mit “Metal Tango” und “East meets West” das Ende eingeläutet. Nachdem alle Anwesenden keine Sekunde der zweistündigen Show stillstanden, sei ihnen das auch gegönnt. Eigentlich unglaublich, daß Doro nächstes Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Bei der Energie und Spielfreude sehe ich den nächsten 30 Jahren optimistisch entgegen. :-)

Wir haben dann noch einen obligatorischen Gang am Merchandise-Stand vorbei gemacht, denn mit 23.30 war es noch nicht so spät, wie befürchtet. Und zum Glück mussten wir nicht den ganzen Weg zurück, sondern uns stand nur eine gut halbstündige Fahrt in unser Nachtquartier bevor. Hatten wir doch bei Freunden um Asyl gebeten, um unserem letzten Konzert des Jahres beiwohnen zu können.
Fortsetzung folgt!

Bis dahin könnt ihr Euch die Zeit mit einem Blick in die Nikolaus-Galerie verteiben.

 

 

Veröffentlicht unter Konzert, Musik | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare

Amtlich geprüftes Dummschwätzen

Sackgasse

Drei Jahre sind seit unserem letzten Treffen mit Heinz Becker vergangenen. Bisher die längste Wartezeit auf einen Liveauftritt in unserern Breiten. Gerd Dudenhöffer ist nicht nur eine Institution in der deutschen, sondern auch in unserer Kabarett-Szene, deswegen sind wir ihm gerne in die Sackgasse gefolgt.

Leider war der Becker Heinz nicht der einzige Dummschwätzer in der Halle, einge hatten sich um unsere Plätze drapiert. Da wurde sich nach jedem Scherz angeschaut, oder man mußte den Gag für seine(n) Partner(in) nochmal kommentieren. In der Pause machte uns eine Bekannte von Karinsche darauf aufmerksam, daß die Plätze neben ihr leer wären. Da zögerten wir nicht lange und zogen in die zweite Reihe Mitte. Von hier konnten wir die Darbietung nicht nur ruhiger verfolgen, auch die Mimik wirkt von Nahem natürlich wesentlich besser.

Die Welt durch die beschränkten Augen von Heinz Becker zu sehen, ist immer sehr lustig. Sein Kosmos besteht nicht nur aus Hilde und Stefan, er kennt sich in der ganzen Welt aus und gibt seine fundierte Meinung dazu ab. Teilweise stolpert er dabei über Fremdworte, verspricht oder verhaspelt sich. Diese Versprecher vom Heinz sind von Gerd genau geplant und so verwundert es nicht, daß einige Worte oder Sätze dadurch eine ganz andere Bedeutung bekommen. Gerade dieses scheinbar unabsichtliche Spiel mit der Sprache zeigt die große Kabarettkunst von Gerd Dudenhöffer. Die stets dazu passende Mimik und Gestik runden das Gesamtbild ab.

Einmal angefangen kommt Heinz Becker von Hölzchen auf Stöckchen. Ob es um Google Street View, Blähungen im ehelichen Schlafzimmer oder Friseure geht, zu allem teilt er seine Meinung mit den Anwesenden. Diese freuen sich und lachen oft und laut, nur wenn wenn Heinz auf Juden, Holocaust oder Selbstmordattentäter zu sprechen kommt, herrscht in der Halle eine merkwürdige Stille. Man spürt förmlich, wie sich die Zuschauer fragen, ob sie das eben Gesagte lustig finden dürfen.
Auch über die Klimaveränderung hat er sich seine eigenen Gedanken gemacht und weiß genau, wo sich Captain Iglu und Onkel Ben auf ihrer Wanderung über unseren Planeten treffen. Wahrscheinlich nur Heinz Becker fragt sich außerdem, wie viele Neger Wolfgang heißen anstatt Lumumba.

Nach tosendem Applaus kam Heinz noch einmal raus, um erst die Geschichte eines tödlichen Unfalls mit der Geschichte seines Unfalls beim Spaghettiessen zu vermischen und dann seinen Einkauf im Sexshop zu schildern. Danach verbeugte sich Gerd Dudenhöffer, erkennbar an der fehlenden Kapp, und beschloß den Abend.

Neben Dieter Nuhr ist Gerd Dudenhöffer immer eine Garantie für einen gelungenen, witzigen Abend. Er hat in den drei Jahren nichts verlernt, im Gegenteil. Denn der zweistündige Einblick in die Weltanschauung von Heinz Becker ist immer neu. Lediglich die Zugaben sind oft alte Nummern, als kleines “Best of” sozusagen.
Das stört aber überhaupt nicht, denn die Figur des kleinkarierten Spießbürgers funktioniert nach wie vor. Und aus diesem Grund freuen wir uns, daß ab kommenden Jahr nicht nur die Welt näher rückt, sondern mit dem neuen Programm auch wieder Heinz Becker.

Veröffentlicht unter Kabarett | Verschlagwortet mit , , , , | Schreibe einen Kommentar

SchleichMusik

Geschlechterkampf mit Noten

Wegen keinem anderen Musiker haben wir dieses Jahr mehr Zeit in Konzertsälen und auf Autobahnen verbracht. Zum Glück hält er uns nicht für Stalker. :-)

Natürlich kamen wir nicht drum herum, uns das Album von Andreas Schleicher nach seinem Auftritt im Streinbruch zu bestellen. Gut zwei Monate später ist die CD fertig und lag am Donnerstag in unserem Briefkasten. Schon nach dem Öffnen des Umschlags war ich äußerst angenehm überrascht. Das Doppelalbum kommt im schicken Digipak und das Cover, sowie das Artwork im Booklet, sind einfach nur schön. Schlicht und auf das Wesentliche konzentriert: Die Musik, die Texte und die Menschen dahinter. Passend zum Anlaß „Mädchen gegen Jungs“ sind die Farben (auch die der CDs) in rot und blau gehalten. Wie versprochen, lag auch Schokolade im Umschlag dabei, obwohl man den Genuß der CD gar nicht versüßen muß.

Die Lieder
Füße in Beton
Perfekter Song
Wellenklang
Hunger nach Fisch
Ab 30
Anderer Stern
Nur mit dir
Genau mein Tag
Bis hier
That’s it

Die Lieder wurden einmal mit einer rein weiblichen Streicher-Formation und einmal mit einer männlichen Akustik-Kombo eingespielt. Daher der Titel, der nichts mit den typischen Rollenbildern zu tun hat. Es muß also niemand Angst haben, die Lieder würden sich nur um die bekannten Geschlechterklischees drehen. In den Texten verarbeitet Andreas Schleicher sein Leben. Wobei sich jeder in Texten von “Füße in Beton” und “Hunger nach Fisch” wiederfinden kann. Wer kennt nicht solche Tage, an denen man am liebsten nicht aus dem Bett kriecht, weil man kraft- und lustlos ist. Oder wer hat nicht schon einmal Situationen erlebt, in denen man genau das haben will, was man nicht hat. Dabei verliert man gerne den Blick auf die Dinge aus den Augen, die man hat.

Die Mädchen
Heike Haushalter Violine
Petra Stalz Violine
Monika Malek Viola
Gesa Hangen Cello

Heiko Braun Cajon, Perkussion
Kalimba bei “Anderer Stern”

Die Jungs
Andre Krengel Nylongitarre
Jörg Siebenhaar Cajon, Akkordeon, Piano
Konstantin Wienstroer Kontrabass

Alfonso Gravina
Peul Flute bei “Anderer Stern”
Fujura bei “Wellenklang”

Auch schicksalhafte Momente finden sich auf der CD wieder, so beschreibt “Anderer Stern” den Verlust eines geliebten Menschen. Dabei schafft er es, die Emotionen und Gedanken, die einem nach einem Todesfall beschäftigen gekonnt und unkitschig in Worte und Noten zu packen.
Wie im Leben, wechseln sich auch auf der CD heitere und nachdenkliche Momente ab. Und durch Songs wie “Perfekter Song” und “Ab 30” wird die Balance auf dem Album problemlos gehalten.

“Mädchen gegen Jungs” bietet 10 tolle Stücke deutscher Musik, die im starken Kontrast zu aktueller Pop- und Rockmusik stehen. Denn hier ist alles unprätentiös, handgemacht und persönlich. In dieser Produktion steckt viel Herzblut, was man den Liedern anhört. Durch die verschiedenen Arrangements kann man die Stücke doppelt entdecken. Die Streicherinnen verleihen den Liedern einen orchestralen Anstrich und die Heransgehensweise der Männer wirkt schlichter. Deshalb befinden sich auf der CD zwar nur zehn Titel, aber eigentlich zwanzig Lieder. :-)

Nach meiner –natürlich subjektiven – Meinung haben im Geschlechterkampf die Jungs knapp das Rennen gemacht. Die Songs klingen insgesamt beschwingter und „grooviger“, dies ist jedoch nicht als Abwertung der Mädels zu sehen. Bei allen Beteiligten kommt die Liebe zur Musik und ihr großes Talent beim Hörer an.

Das Fazit steht eigentlich schon auf der CD:
POP.DEUTSCH.PRIMA.

Andreas kann stolz sein auf dieses Album und wer gute Popmusik mit deutschen Texten zu schätzen weiß und ein perfektes Weihnachtsgeschenk sucht, dem sei “Mädchen gegen Jungs” ans Herz gelegt. Bestellen kann man sie direkt über
Andreas’ Heimseite.

Und wer Lust hat, sich ein paar Livefotos des Interpreten anzuschauen, der klickt hier: Steinbruch.

Veröffentlicht unter Andreas Schleicher, Musik | Verschlagwortet mit , , | Schreibe einen Kommentar

GlückSelig

In bed with Selig

Wieder einmal lockte uns die Domstadt mit einem weiteren Konzerthighlight dieses Jahres. Wenn man sich einmal anschaut, wie viele Veranstaltungen wir dieses Jahr in Köln besucht haben, könnte man auf den Gedanken kommen: „Warum zieht ihr da nicht einfach hin?“. Dann reist man jedoch mit dem Auto an und wünscht sich in die Provinz zurück, wo es keine Straßenbahn gibt, Menschen nicht in zweiter Reihe parken und es nicht so viele Kreuzungen gibt. Immerhin fanden wir dann doch auf Anhieb das gewünschte Parkhaus, das uns schon vom Besuch bei Paul Heaton im letzten Jahr bekannt war. Von dort aus sind es nur 5 Minuten zu Fuß zum LUXOR, dem heutigen Austragungsort der Clubtour von Selig, einer von Hollys absoluten Lieblingsgruppen.

Normalerweise spielen Selig in größeren Hallen, dieser Abend im ganz kleinen Rahmen (vor maximal 500 Nasen) war also wieder etwas besonderes. Dies machte sich auch an der großen Zahl Leute bemerkbar, die vor dem Club noch auf Restkarten hofften. Leider war da jedoch nichts zu machen – nicht einmal Sänger Jan Plewka konnte helfen, der zwischen Eingang und Tourbus von einer engagierten jungen Frau angefleht wurde.
Wir waren jedoch auf der Seite der Glücklichen mit Karten und während sich 150 km entfernt unsere polnische Zweitfamilie anschickte, das Sauerland zum Schunkeln zu bringen, warteten wir auf den Einlass, der dann auch pünktlich um 20 Uhr begann. Die erste Reihe war uns  wieder sicher. Wie bei Paul Heaton gab es keine Absperrung oder einen Graben, noch einen Schritt weiter und wir hätten auf der Bühne gestanden. Angenehmerweise gab es auch keine Vorgruppe, sodass Selig leicht verspätet um 21:15 Uhr starteten.


Ein Blick auf die Setlist zeigte, dass zunächst das komplette neue Album gespielt werden sollte und danach einige Klassiker der Band auf dem Programm standen. Die neuen Lieder kannte noch niemand, da „Magma“ erst im Februar veröffentlicht wird; demnach konnte noch niemand mitsingen. Trotzdem wurden Jan Plewka (Gesang), Christian Neander (Gitarre), Leo Schmidthals (Bass), Stephan ‘Stoppel’ Eggert (Schlagzeug) und Malte Neumann (Keyboard) begeistert empfangen und jedes Lied beklatscht. Jan Plewka ist einfach ein Wirbelwind und der geborene Frontmann. Von Anfang an tanzt, hüpft und springt er über die Bühne und er füllt sie komplett mit seiner Präsenz. Außerdem erfuhr ich WIE nah die Bühne uns war, denn ich erlebte den Effekt, den Holly bei Blaze Bayley im März erfahren hatte: der Sänger steht einem so nah gegenüber, dass man aufpassen muss, beim Gestikulieren nicht erwischt zu werden. Außerdem war es offensichtlich, dass Jan ein knoblauchhaltiges Abendessen genossen haben musste. :-)

Ich bin jetzt kein Experte, doch für mich klang das Gehörte typisch nach Selig. Holly fand die neuen Stücke ungewöhnlich rockig und gitarrenlastig. Diese Meinung schien jedoch nicht „der nervige schwarzhaarige Typ“ zu teilen, jedenfalls fragte er in einer Songpause ziemlich frech, ob das gerade dargebotene „Schwester Schwermut“ ein Lied von PUR gewesen sei. Jan reagierte doch sehr charmant und professionell. Der „nervige schwarzhaarige Typ“ war leider Gottes bei der ersten Hälfte hinter uns. Laberte dazwischen, versuchte, in die erste Reihe zu kommen (als ob die zweite nicht schon nah genug gewesen wäre), verschüttete Bier und war halt einfach nur nervig – so einen gibt es aber wohl bei jedem Konzert.

Ganz fertig scheint das Album jedoch noch nicht zu sein, jedenfalls wurde das Publikum gebeten, kräftig bei „Love and Peace“ mitzusingen, dies soll dann wohl in den Song reingemischt werden. Dafür gingen Jan und Christian direkt in die Mitte des Publikums, baten alle, sich hinzusetzen und Malte und Leo gaben Handzeichen, wann denn „Love“ oder „Peace“ zu singen war (hierbei war Malte die Liebe und Leo der Frieden).
Der zweite Teil begann mit „Sie hat geschrien“ und von nun an gab es kein Halten mehr und der Club bebte. Jede Zeile wurde mitgesungen und dabei spielte es keine Rolle, ob es ein Lied der Neunziger war oder eines des Reunion-Albums. Auch die Band schien sehr angetan und auch angespornt von der Reaktion des Publikums. „Wir werden uns wiedersehen“ beschloß dann den Abend und ein besseres letztes Lied kann es alleine von der Aussage her nicht geben.

Nachdem das Licht wieder anging beschlossen wir, noch ein wenig zu warten, denn natürlich hatten wir auch wieder Dinge zum Signieren mitgebracht. Als nach 20 Minuten noch kein Bandmitglied in Sicht war, sprach Holly ein Mitglied des Selig Streetteams an, die uns dann netterweise einige Unterschriften besorgte.
Zufrieden und glücklich, ein weiteres tolles Konzerterlebnis verbuchen zu können, machten wir uns auf den Heimweg. Wir werden uns wiedersehen – nächsten März in der Live Music Hall!

Schau schau!
Hier gibt es mehr Fotos!

Veröffentlicht unter Konzert | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar